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Was Bund und Länder nicht regeln, übernimmt nun der Landkreis und hat ein Gewaltschutz-Konzept für die vier Gemeinschaftsunterkünfte erarbeitet

Schutz vor Gewalt
Flüchtlings-Frauen im Fokus

Im Gespräch: Die Gleichstellungsbeauftragte des Landes Brandenburg, Monika von der Lippe (l.), im Gespräch mit dem Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft Lüdersdorf, Ali Abdulsalamov, der dort mit seiner Frau und den vier Kindern lebt und Vollzeit in Hoppegarten arbeitet.
Im Gespräch: Die Gleichstellungsbeauftragte des Landes Brandenburg, Monika von der Lippe (l.), im Gespräch mit dem Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft Lüdersdorf, Ali Abdulsalamov, der dort mit seiner Frau und den vier Kindern lebt und Vollzeit in Hoppegarten arbeitet. © Foto: Nadja Voigt
Nadja Voigt / 24.08.2018, 08:15 Uhr - Aktualisiert 25.08.2018, 09:38
Lüdersdorf (MOZ) Das Rahmenkonzept zum Gewaltschutz in Gemeinschaftsunterkünften steht. Zum Abschluss des Projektes, an dem die Träger aber auch der Landkreis beteiligt waren, trafen sich alle Beteiligten im Wriezener Ortsteil Lüdersdorf.

Mit dabei war am Donnerstagvormittag auch die Gleichstellungsbeauftragte des Landes Brandenburg, Monika von der Lippe. Als Abschlussveranstaltung wollte Friedemann Hanke (CDU), der die Anwesenden auch im Namen des Landrates Gernot Schmidt (SPD) begrüßte, nicht verstanden wissen. „Das ist nicht ganz richtig, denn wir sind noch mittendrin“, sagte der stellvertretende Landrat.

Das nun vorliegende Rahmenkonzept sei eine Hilfestellung in Form eines Regelwerkes für die Gemeinschaftsunterkunft und stelle den Präventionsgedanken in den Vordergrund, so Hanke. Mit dessen Hilfe soll es nun gelingen, für jede Einrichtung ein passgenaues Gewaltschutzkonzept zu erarbeiten und umzusetzen. Auf MOZ-Nachfage, wie das konkret aussehen wird, sagte Einrichtungsleiter Lars Kleedehn, er werde das Konzept zunächst mit den Sozialbetreuern in der Einrichtung besprechen und dann den Bewohnern zur Kenntnis geben.

„Menschen haben lange und gefährliche Wege auf sich genommen, um in Deutschland Sicherheit zu finden. Wir müssen gewährleisten, dass sie hier sicher leben können“, heißt es in der Einleitung zum Gewaltschutzkonzept. Besonderes Augenmerk gelte dabei den Frauen in den Unterkünften. Sie spielten bei der Integration eine wesentliche Rolle, unterstrich Friedemann Hanke. „Wir tolerieren weder Drohungen noch Gewalt.“ In vielen Weltgegenden seien Frauen in besonderem Maße Gewalt ausgesetzt. „Wir müssen sehr deutlich machen, dass in Deutschland der Wert eines Menschen unabhängig von seinem Geschlecht gilt“, so Hanke weiter.

Im Leitbild des Konzeptes heißt es: „Der Landkreis Märkisch-Oderland steht ein für eine Kultur der Gewaltfreiheit, die von einem respektvollen und wertschätzenden Umgang geprägt ist und die Würde jedes Menschen achtet. Auch angedrohte Gewalt, Rassismus, Antisemtismus, Extremismus, Homo- und Transphobie haben hier keinen Platz und werden nicht toleriert. Niemand darf wegen seines Geschlechts, der Herkunft, der Religion und Weltanschauung, des Alters, einer Behinderung oder wegen der sexuellen Orientierung und Identität diskriminiert werden.“  Darüber hinaus regelt es Formen von Gewalt – von der Genitalverstümmelung über Gewalt „im Nahmen der Ehre“ über häusliche und sexualisierte Gewalt wie Belästigung, Nötigung und Vergewaltigung aber auch Zwangsehen und die Gefährdung des Kindeswohls. In diesem Punkt liegt das Augenmerk auf der Einhaltung der Fürsorge- und Aufsichtspflicht sowie der Durchsetzung der Schulpflicht.

Beeindruckt vom Engagement des Landkreises zeigte sich die Gleichstellungsbeauftragte des Landes Brandenburg. „Es zeigt, dass sie das Thema ernst nehmen“, so Monika von der Lippe. Besonders sei vor allem, dass so viele kompetente Partner in die Erstellung involviert gewesen seien. Vor einem Jahr fiel der Startschuss dafür in Seelow. Beteiligt waren und sind unter anderem der Arbeiter-Samariter-Bund und die Diakonie, der Kreis-, Kinder- und Jugendring, der Wachschutz der Einrichtungen und natürlich der Landkreis mit verschiedenen Fachämtern.

Künftig soll das Gewaltschutzkonzept auch anhand der Bedarfe fortgeschrieben werden, blickten die Beteiligten am Donnerstag voraus.

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