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Nun sammelt die Familie Geld über eine Crowdfunding-Kampagne

Familie unter Schock
Sommerhaus plötzlich unbewohnbar

Julia Lehmann / 05.09.2018, 10:19 Uhr - Aktualisiert 05.09.2018, 12:00
Senftenhütte (MOZ) Das hat niemand kommen sehen. Aus einer geplanten Dachreparatur wurde eine baufälliges Haus, das nun abgerissen wird. Jutta und Gerhard Hillmann verlieren urplötzlich ihr Sommerdomizil in Senftenhütte. Die gesamte Familie leidet mit. Dann haben die beiden Enkel eine Idee.

Nur noch die Wände stehen. Im Inneren des Hauses türmen sich Schutt und Trümmer. In der nächsten Woche wird das kleine Wochenendhäuschen von Jutta und Gerhard Hillmann im Choriner Ortsteil Senftenhütte dem Erdboden gleichgemacht. Dabei sollte eigentlich nur das Dach des wahrscheinlich 1888 errichteten Hauses neu gedeckt werden. Es regnete zunehmend hinein. Bei den Arbeiten krachte dann einer der Dachdecker durch die Decke. Bei genauerem Hinsehen wurde klar, dass die gesamte Bausubstanz instabil ist. Das Mauerwerk, zum Teil noch mit Lehmziegeln und Fachwerk erbaut, ist pulverisiert. Ein Architekt sprach das Urteil: Abriss. Statt das Dach zu erneuern, wurde es nun abgetragen.

Weil das Geld fehlt, ermutigten Freunde von Enkelin Nadja Kutschke (27) sie zu einer Crowdfunding-Kampagne. Über eine Internetseite können Menschen für den Wiederaufbau Geld spenden. Auf diese Weise sind innerhalb von neun Tagen knapp 3300 Euro zusammengekommen.

Aber von vorn: 1978 kaufte das Ehepaar Hillmann das Haus, um die Sommer außerhalb Berlins im Grünen zu verbringen. In Marzahn hat es eine kleine Wohnung. „Das Haus war in einem ganz schlechten Zustand“, erinnert sich Gerhard Hillmann (78). Sie kauften, immer den Traum vom Sommeridyll im Kopf. In viel Eigenleistung sanierten sie das 70 Quadratmeter große Haus. Und sie schafften glänzende Erinnerungen für ihre Kinder und Enkelkinder. Oft hat die ganze Familie vor dem Haus gesessen, das unaufgeregte Dorfleben aufgesogen, Kuchen im Garten gegessen, Kühe weiden sehen.

Drei Generationen haben nur noch ein Ziel: „Opis“ Haus soll wieder aufgebaut werden. „Das Schlimmste ist der Herzschmerz, meinem Vater das Dach über dem Kopf weggerissen zu haben“, sagt Kerstin Kutschke (52). Sie leidet besonders unter der Situation. Für ihren Vater bedeutet das kleine Sommerdomizil alles. Sie fürchtet um seine Gesundheit.

Innerhalb kürzester Zeit und mit tatkräftiger Unterstützung aus der Nachbarschaft konnten alle Möbel rausgeräumt werden. „Es ist toll, wie viele Leute aus dem Ort geholfen haben“, sagt Enkelin Nadja. Die Familie ist überwältigt von so viel Anteilnahme der Senftenhütter. Doch es fehlt am Geld, das Haus wieder zu errichten. Kreditgespräche mit Banken laufen. Die Familie fürchtet dazu um langes Prozedere für eine Baugenehmigung.

Drei Monate dauert die Bearbeitung von Bauanträgen in der Regel. Oliver Köhler, Sprecher der Barnimer Kreisverwaltung, gibt einen Tipp: „Wichtig ist, alle Unterlagen vollständig einzureichen.“ Was benötigt wird, findet sich auf der Internetseite des Kreises. Eine Bevorzugung gibt es in solchen Fällen nicht. Zumal keine Notsituation bestehe, so Köhler.

Über die Internetseite //www.gofundme.com:www.gofundme.com soll mittels Crowdfunding:www.gofundme.com soll mittels Crowdfunding|_blank)$, also eine Schwarmfinanzierung, möglichst viel für einen Neubau zusammenkommen. Personen können dort jeden beliebigen Betrag spenden. Häufig fiindet man auf der Seite Geschichten von Menschen mit schweren Schicksalsschlägen oder Erkrankungen. Die Aktion „Strichmenschenkette gegen Nazis“, die Bezug auf die aktuellen Ereignisse in Chemnitz nimmt, hat in Rekordzeit mehr als 16 000 Euro gesammelt.

Nadja Kutschke fertigte also zusammen mit Bruder Paul eine Seite an, erzählte die Geschichte von „Opis“ Haus, stellte Bilder dazu und formulierte ein Ziel. Bis zum nächsten Sommer sollen ihre Großeltern wieder ein Haus haben. Wenn alle Anschlüsse vorhanden sind, sei man schon zufrieden, sagt Sven Kutschke (52), Nadjas Vater. 10 000 Euro heißt das gesteckte Ziel auf der Seite „Ein Haus für Opi“. Per E-Mail wird der Spendenaufruf an Freunde, Verwandte und Bekannte geschickt. Es gehe nicht darum, Fremde um Geld zu bitten, macht Nadja Kutschke klar. Ihre Lage macht die Familie auch deshalb publik, weil sie sich erhoffen, Fachfirmen anzusprechen.

Kampagne „Ein Haus für Opi“: www.gofundme.com; Kontakt zur Familie: svenkutschke@web.de

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