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Augenoptiker müssen viele Fähigkeiten erwerben / Die Petershagener Familie Krug lebt das ihren Azubis vor

Augenoptiker
Sieben Berufe in einer Person vereint

Gabriele Rataj / 15.09.2018, 11:30 Uhr
Demnitz (MOZ) Sie sind gefragt wie nie – Brandenburgs Handwerker. Ihre Berufe vereinen klassische Fertigkeiten mit moderner Technik. Wir zeigen, was junge Leute im Handwerk werden können, und stellen Betriebe vor, die ausbilden. Heute: Brillen-Krug GbR, Fachadresse für Augenoptik.

Die hippe Designerin bekommt hier ebenso ihren Favoriten wie dem betagten Stammkunden zum nützlichen Wohlfühl-Modell verholfen wird. Mögen Sehschwäche, persönlicher Geschmack oder Geldbeutel auch unterschiedlich sein – am Ende sollen Kunden gut beraten sein, den richtigen Durchblick haben und klar sehen können. Seit beinahe 70 Jahren gibt es dafür Brillen-Krug in Petershagen, steht das Augenoptiker-Handwerk hier auf sicheren Füßen.

Herbert Krug war es, der 1950 in Petershagen sein Geschäft eröffnete. Drei Söhne erlernten das Handwerk bei ihm, von denen Werner und Andreas später ins Geschäft mit einstiegen. Letztere führen die GbR, in der längst die Enkel-Generation ins Handwerk der Vorväter hineingewachsen ist: Werner Krugs Söhne Thomas und Matthias – allesamt Meister in ihrem Fach.

Eine kleine Dynastie von Optikern, deren Wirkungskreis sich durch später hinzugekommene Filialen in Müncheberg, Strausberg und Altlandsberg stetig vergrößert hat. Nicht zuletzt deshalb, um auch im ländlichen Bereich optimale Dienstleistungen anbieten zu wollen. Immerhin sind es etwa zwei Drittel der Bevölkerung in Deutschland, die in dieser oder jener Hinsicht eine Sehhilfe benötigen.

„Für mich war immer klar, dass ich Optiker werde“, sagt Matthias Krug, der das Geschäft in Petershagen führt. „Wir waren froh, dass uns dieser Ausbildungsberuf zur Verfügung stand.“ Heute sei das eher umgekehrt. Fachkräftemangel und freie Lehrstellen haben auch die Branche der Augenoptiker und Optometristen erreicht.

Dabei besitzt dieser Beruf so viele Facetten, ist ohne Digitalisierung, ohne Kenntnisse in computergesteuerter Messtechnik nicht mehr vorstellbar. Er vereint die Fähigkeiten von Techniker, Physiker und Handwerker, Psychologe, Designer, Mode- und Typberater sowie Kaufmann in einer Person. So wird der Augenoptiker auf der Internetseite des Zentralverbands der Augenoptiker und Optometristen beworben.

In der Müncheberger Filiale von Brillen-Krug erhält Joanna Sinicka als Auszubildende genau diesen Einblick. Eher durch Zufall sei sie auf die Ausbildung gestoßen, erzählt die junge Polin. „Mein Freund ist in einem europäischen Projekt in der Ausbildung. Wir haben auch etwas für mich in Deutschland gesucht.“ So ist sie über ein Sonderprogramm des Bundes zur Förderung der beruflichen Mobilität von ausbildungsinteressierten Jugendlichen aus Europa zu Brillen-Krug gekommen.

Über das MobiPro-EU-Projekt, das sie auch bei der Wohnungssuche unterstützt hat, lernt die 24-Jährige inzwischen im dritten Jahr. Die theoretische Ausbildung erfolgt in Rathenow, die praktische in Müncheberg unter den Fittichen von Augenoptiker-Meisterin Kerstin Helmchen. „Das ist sehr abwechslungsreich, handwerkliche Arbeit, klassisches Feilen, Gläser schleifen, Bohren, Löten bis hin zum Beraten und Verkaufen. Das war eine gute Entscheidung“, schätzt Joanna für sich ein.

Ein anspruchsvolles Programm, für das drei Ausbildungsjahre fast nicht reichen würden, meint Kerstin Helmchen. Sie lernte selbst einst bei Familie Krug, arbeitete eine Zeit als Gesellin, machte ihren Meister und führt das Müncheberger Geschäft. Ein Weg für Joanna? Sie denkt, dass ihr später viele Wege noch offen stehen, dies- oder jenseits der Grenze.

Selbst studieren lässt sich diese Fachrichtung mittlerweile, wofür sich der Petershagener Meister Matthias Krug gern entschieden hätte. „Doch das gab es damals noch nicht.“ Dafür absolvierte er eine Zusatzqualifizierung zum Optometristen.

Wer neugierig geworden ist auf eine Ausbildung in dieser anspruchsvollen Branche,  könne sich jedenfalls noch bis Oktober melden.

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