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Drei Schilde Gebäudeservice GmbH & Co. KG bildet in Eberswalde seit 1959 Maler und Lackierer aus

Ausbildung
Weit mehr als simple Anstreicher

Frisches Weiß aus der Sprühpistole: Geselle Lars Greib (l.) ist zufrieden damit, wie Azubi Max Theisinger einen Schrank lackiert. Im dritten Lehrjahr sei dies keine fachliche Herausforderung mehr, findet der Lehrling.
Frisches Weiß aus der Sprühpistole: Geselle Lars Greib (l.) ist zufrieden damit, wie Azubi Max Theisinger einen Schrank lackiert. Im dritten Lehrjahr sei dies keine fachliche Herausforderung mehr, findet der Lehrling. © Foto: Sven Klamann
Sven Klamann / 02.10.2018, 08:30 Uhr
Demnitz (MOZ) Sie sind gefragt wie nie – Brandenburgs Handwerker. Ihre Berufe vereinen klassische Fertigkeiten mit moderner Technik. Wir zeigen, was junge Leute im Handwerk werden können, und stellen Betriebe vor, die ausbilden. Heute: Drei Schilde Gebäudeservice GmbH & Co.KG, Eberswalde.

Maler und Lackierer sind mehr als nur simple Anstreicher, die den lieben langen Tag nichts anderes tun, als monton den Pinsel zu schwingen, um Farbe auf Flächen aufzubringen. „Das Berufsbild ist weit anspruchsvoller, als sich der Laie dies gemeinhin vorstellt“, sagt Katja Brückner, die bei der Drei Schilde GmbH & Co.KG, einem 1959 als Produktionsgenossenschaft gegründeten und zur Wende privatisierten Unternehmen in Eberswalde (Barnim), auch die Lehrlingsausbildung koordiniert.  Die Maler und Lackierer in spe bräuchten mathematische und physikalische Kenntnisse, um Raummaße zu erstellen, Materialmengen zu berechnen und bei Farben das richtige Mischungsverhältnis hinzubekommen. Sie müssten überdies in der Lage sein, auch anspruchsvolle Kunden fachlich zu beraten. „Deswegen verlangen wir von unseren Bewerbern mindestens die mittlere Reife“, betont Katja Brückner.

Auch auf Drei Schilde wirke sich längst der demografische Wandel aus, berichtet die Ausbildungskoordinatorin. Weil es immer weniger Schulabgänger gebe, werde es immer schwerer, geeignete Azubis zu finden. Jahrelang habe das Unternehmen darauf geachtet, in jedem der drei Lehrjahre wenigstens drei Azubis zu beschäftigen. „Aktuell aber gibt es bei uns nur sieben angehende Maler und Lackierer, obwohl wir gern mindestens neun eingestellt hätten“, sagt Katja Brückner. Denn in den kommenden Jahren würden viele langjährig Beschäftige in Rente gehen. Das Ziel sei es, die dadurch frei werdenden Stellen in dem um die 50 Mitarbeiter zählenden Unternehmen mit ehemaligen Azubis zu besetzen. „Wer bei uns eine Lehre beginnt und sich in Praxis und Theorie Mühe gibt, hat beste Chancen, als Geselle übernommen zu werden“, betont die Ausbildungskoordinatorin. Die Förderung höre auch nach der Übernahme nicht auf. Wer sich weiter qualifizieren wolle, dem lege Drei Schilde keine Steine in den Weg.

„Ich fühle mich wohl hier und würde nach der Lehre gern bleiben“, sagt Max Theisinger (23) aus Eberswalde, der sich im dritten und letzten Ausbildungsjahr als Maler und Lackierer befindet. Seine Berufswahl habe er noch nicht einen Moment lang bereut, erzählt der junge Mann, der vor allem die Vielfalt liebt. „Ich kenne keine Langeweile, kann zum Feierabend sehen, was ich mit meiner eigenen Hände Arbeit geschafft habe und werde von meinem Meister und Vorarbeiter sogar dazu aufgefordert, Gestaltungsideen einzubringen“, sagt der Azubi, den Katja Brückner für seine fachlichen Leistungen und seine Einsatzbereitschaft lobt. Damit könne er als leuchtendes Beispiel dienen.

Die Ausbildungskoordinatorin hat die Erfahrung gemacht, dass nicht nur die sinkende Zahl an Schulabgängern Unternehmen wie Drei Schilde zunehmend vor das Problem stellt, Nachwuchs zu gewinnen. „Ich will mich nicht zu einer Generalschelte über die Jugend aufschwingen, die sicher ungerecht wäre. Aber ich habe den Eindruck gewonnen, dass heute viele Bewerber genauestens ihre Rechte kennen, es mit ihren Pflichten jedoch nicht so genau nehmen“, betont sie. Deshalb werde bei Drei Schilde nicht allein auf die schulische Eignung und das handwerkliche Geschick der Azubis Wert gelegt. „Überaus wichtig sind uns obendrein Zuverlässigkeit, Eigeninitiative und Engagement“, sagt Katja Brückner.

Um dem Trend des sich verschlechternden Niveaus etwas entgegenzusetzen, sei das Unternehmen eine Kooperation mit Bildungsträgern eingegangen, die eine Ausbildung zum Bauten- und Objektbeschichter ermögliche. „Das ist so etwas wie ein Teilfacharbeiter-Abschluss“, erklärt die Ausbildungskoordinatorin. Dies gebe selbst Schulabgängern mit schlechten oder gar keinen Zeugnissen berufliche Perspektiven.

Der Vorzeige-Azubi Max The­singer verfügt hingegen über die erweiterte Berufsbildungsgreife. „Für mich war immer klar, dass ich was Handwerkliches machen will“, verrät er. Schon als Kind  habe er oft seinen Vater zur Arbeit begleitet, der erst Straßenbauer war und sich mit einem Baubetrieb selbstständig gemacht hat. Hätte es mit der Lehrstelle als Maler und Lackierer nicht geklappt, wäre er wohl Fahrzeuglackierer geworden. „Heute bin ich überzeugt, dass ich mit meiner Bewerbung Glück hatte und genau den für mich richtigen Weg beschreite“, sagt Max Theisinger, der nach Feierabend zusammen mit seinem Vater noch an Oldtimern schraubt. Nach erfolgreichem Abschluss der Lehre eine Meisterausbildung zu beginnen, sei durchaus eine Option. „Doch nicht sofort. Erst wird gearbeitet“, kündigt der Noch-Azubi an.

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