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Schinkel-Preis
Kirchenretter sind die Größten

Sonnige Ehrung: Hartmut Stechow (links) und Rolf Doßmann von der Schinkelgesellschaft bei der Schinkel-Ehrung am Denkmal auf dem Neuruppiner Kirchplatz. Anschließend ging es für die Teilnehmer der Veranstaltung ins Museum, wo der Krangener Kirchen-Förderverein ausgezeichnet wurde.
Sonnige Ehrung: Hartmut Stechow (links) und Rolf Doßmann von der Schinkelgesellschaft bei der Schinkel-Ehrung am Denkmal auf dem Neuruppiner Kirchplatz. Anschließend ging es für die Teilnehmer der Veranstaltung ins Museum, wo der Krangener Kirchen-Förderverein ausgezeichnet wurde. © Foto: Holger Rudolph
Holger Rudolph / 15.10.2018, 08:15 Uhr
Krangen/Neuruppin Wenn die Schinkelgesellschaft den großen Baumeister Karl Friedrich Schinkel ehrt, dann darf man für gewöhnlich mit Kälte, Regen und herbem Herbstwind rechnen. Starb Preußens Oberlandesbaudirektor doch vor 177 Jahren an einem 9. Oktober. Doch das Wetter war dieses Mal ganz anders.

Am Samstagnachmittag standen manche der 40 Schinkel-Verehrer an dem von Max Wiese geschaffenen Schinkeldenkmal in kurzärmeligen Hemden oder Blusen. Der Winter will 2018 noch nicht kommen, nicht einmal der Herbst.

Und während in Berlin angesichts der ungewöhnlichen Wärme sogar schon manche Freibäder wieder öffneten, zog es gut eine Autostunde nördlich mehr Menschen als üblich auf den sonnigen Kirchplatz, wo der mehr als lebensgroße Schinkel unentwegt auf die Pfarrkirche blickt. Dabei soll er sie wirklich nicht besonders gemocht haben. Der Legende nach habe er sogar behauptet, dass eine Kirche so wie die Pfarrkirche auf jeden Fall nicht zu bauen sei. Das erzählte Rolf Doßmann vom Vorstand der Schinkelgesellschaft den Zuhörern. Weil kein Wunder geschah, konnte sich der 1781 in Neuruppin geborene Baumeister nicht selbst zum Wahrheitsgehalt der Anekdote äußern. Sein Denkmal blieb stumm. Auch dann, als der Vorstandsvorsitzende der Gesellschaft, Professor Hartmut Stechow, lobte, der Verein zum Erhalt der Krangener Dorfkirche habe den Schinkelpreis 2018 auf jeden Fall verdient. Falls Schinkel aus womöglich existenten himmlischen Gefilden zuhören konnte, hätte er vielleicht nur zu gern sein Abbild zustimmen nicken lassen. Dass die nach seinen Plänen errichtete Dorfkirche restauriert wurde, dürfte ihm vermutlich gefallen.

Etwas später am Nachmittag trafen sich die Schinkel-Fans erneut, diesmal im Museum Neuruppin. Sogar gut 100 waren es diesmal. Museumschefin Maja Peers-Oeljeschläger musste noch ein paar Stühle dazustellen, um allen Interessierten Sitzplätze bieten zu können. Professor Stechow las aus der Begründung für die Auszeichnung vor. Nicht nur die vielfältigen ehrenamtlichen Einsätze der insgesamt 30 Vereinsmitglieder zum Wiederaufbau des einst heruntergekommenen Gotteshauses hätten den Schinkelpreis verdient. Auch dem Wirken des 2011 verstorbenen Alt Ruppiner Pfarrers Traugott Kuhnt, der sich zunächst allein, dann mit weiteren Interessierten, schon lange vor der Vereinsgründung 2010 für die Kirchensanierung eingesetzt hatte, sei sehr zu danken. Gleichermaßen großer Dank gelte dem 2017 verstorbenen Vereinsvorsitzenden Thomas Graf.

Benedikt Vermeer, Schauspieler am „LiteraturKeller Bremen“, liebevoll auch das kleinste Theater der Welt genannt, unterhielt das Publikum sehr gut mit heiteren Aphorismen und Geschichten. Sie drehten sich um Mann und Frau und ihren Weg von Adam und Eva oder, das ist Ansichtssache, vom Urmenschen zum nur vermeintlich zivilisierten Jetztzeit-Exemplar. Immer wieder stellte er Bezüge zu Theodor Fontane und Karl Friedrich Schinkel her. Das Publikum bedankte sich mit herzhaftem Lachen und viel Applaus.

Die frühere Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) hielt die Laudatio auf den Krangener Förderverein. Für die Wiederherstellung der Schinkelschen Bauakademie in Berlin habe es erst einer Ausschreibung bedurft. Auf so etwas konnte der Krangener Verein getrost verzichten, wussten die Mitglieder doch, was dem Gebäude noch fehlte. Ihre Arbeit sei einzigartig und hervorragend.

Die Fördervereinsvorsitzende Angela Stankoweit dankte für die Auszeichnung: „Es freut uns ausgesprochen, dass unser Engagement derart gewürdigt wird.“ Es sei großartig, dass die Kirche inzwischen wieder als Schinkelkirche wahrgenommen wird. Trotzdem habe sie neben dem lachenden Auge auch ein weinendes. Nicht nur Pfarrer Traugott Kuhnts früher Tod, sondern auch der des Vereinsvorsitzenden Thomas Graf habe sie und ihre Mitstreiter sehr getroffen. Wegbereiter Kuhnts Tod sei „für alle ein unglaublicher Schock“ gewesen. Der Allrounder Graf sei seinerseits auch musikalisch und architektonisch bewandert gewesen. Er habe „die tolle Akustik der Kirche erkannt“. Einmal mehr spendete das Publikum sehr viel Beifall.

Kindheit in der Zeit des Wiederaufbaus

■ Karl Friedrich Schinkel wurde am 13. März 1781 in Neuruppin als Sohn des geistigen Inspektors Hans Kuno Christoph und seiner Frau Dorothea Schinkel geboren.

■ 1787 legte ein Stadtbrand große Teile Neuruppins in Schutt und Asche. Der junge Schinkel erlebte also den Wiederaufbau mit. Unter anderem war auch das Pfarrhaus, in dem seine Familie lebte, zerstört worden.

■ Schinkels Vater starb im Jahr des Stadtbrandes. Nach seinem Tod zog seine Witwe mit ihren fünf Kindern in das Predigerwitwenhaus in der Fischbänkenstraße 8. Dort lebte Schinkel bis 1794, bevor er nach Berlin zog, wo seine erfolgreiche Laufbahn begann, von der noch heute viele Bauwerke zeugen. ⇥(jvo)

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