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Die Gäste schätzen das kreative Arbeiten

Werkstatt
Töpfern für die Entspannung

Nasser Ton in ruhigen Händen: Heidrun Schäfer, Leiterin der Keramikwerkstatt des Vereins „Alte Schule“, probiert sich an der neuen Töpferdrehscheibe, die der Hobbykeramikerin viel Geschick abverlangt.
Nasser Ton in ruhigen Händen: Heidrun Schäfer, Leiterin der Keramikwerkstatt des Vereins „Alte Schule“, probiert sich an der neuen Töpferdrehscheibe, die der Hobbykeramikerin viel Geschick abverlangt. © Foto: Christina Sleziona
Christina Sleziona / 02.11.2018, 06:00 Uhr
Buschdorf Ton formen, dekorieren und brennen, heißt es jeden Freitag von 15 bis 17 Uhr in der Keramikwerkstatt von Dieter Duschek. Ob Vasen, Tierfiguren oder Vogeltränken – in der Arbeitsstube der alten Schule in Buschdorf kann jeder seiner Fantasie freien Lauf lassen.

Als Berufskünstler in Rente nimmt sich Dieter Duschek gern die Zeit, Hobbykünstler in die Baukeramik einzuweisen und neue Kontakte zu knüpfen. Hier in der Stube im oberen Stockwerk der alten Schule ist es wohlig warm. Perfektes Arbeitsklima, um den feuchten Ton zu kneten. Ein weiblicher Gast versucht sich gerade an einem Vogelhäuschen, das sie mit viel Liebe zum Detail mit Fensterrahmen und einem Schornstein dekoriert. Den Ton zu formen, ist für sie ein schöner Ausgleich zum stressigen Alltag, erzählt sie, denn Zeitdruck hat sie dabei nicht. Wenn etwas nicht gelingt, kann sie jederzeit den weichen Ton erneut formen und zuschneiden, bestätigt Duschek.  „Einmal kurz erneut mit Wasser eingeweicht, wird auch der härteste Ton wieder formbar“, erzählt der langjährige Keramikkünstler.

Dabei kam Duschek selbst nur durch Zufall mit dieser Kunstform in Kontakt. Mit seinem Studium in „angewandter Baumalerei“ spezialisierte er sich in seiner damaligen Heimat Ost-Berlin zunächst auf Gemälde- und Holzmalereien. Da Holz in der DDR jedoch knapp war, musste er sich schnell anderweitig ausprobieren. So kam er schließlich in einer Keramikfabrik in Bad Liebenwerda unter, die als Gastatelier freiberufliche Künstler aufnahm, erinnert sich Duschek lächelnd. Schnell fühlte er sich in der Baukeramik wie zu Hause. Doch erst ein Familienschicksal brachte ihn nach Buschdorf, so Duschek. Auf Initiative von Heidrun Schäfer, Mitglied des Buschdorfer Vereins und Leiterin der Keramikwerkstatt, erklärte er sich bereit, mit anzupacken, um die alte Schule weiter zu entwickeln.

Als alteingesessener Keramikkünstler weiß er heute genau, worauf man bei der Formung von Baukeramik achten muss: Zwar sei eine Drehscheibe hierbei nicht nötig, höher als 40 Zentimeter sollte man am Tag allerdings nicht bauen, warnt Duschek. „Der weiche Ton wird sonst zu schwer und sackt ab“, sagt er. Für größere Bauwerke empfiehlt er daher, einzelne Schichten übereinander zu legen, sogenannte „Schwalben“ aufzubauen. Die etwa zwei Zentimeter dicken Streifen werden anschließend beim Bauen mit Tonschlicker verklebt, damit sie ideal aneinander haften bleiben.

Anders wiederum sieht es beim klassischen Töpfern mit der Drehscheibe aus, wie Heidrun Schäfer zeigt. Auch sie liebt die Arbeit mit Ton. Als neue Investition haben sich Dieter Duschek und sie eine Töpferscheibe zugelegt, deren Umgang die Hobbykeramikerin jedoch erst einmal vor Herausforderungen stellt. „Es ist gar nicht so leicht, auf einer drehenden Achse den feuchten Ton mit angespannten und zugleich flexiblen Händen zu formen“, beschreibt sie ihre Schwierigkeiten. Unterkriegen lässt sie sich aber nicht. Sie wird  weiterhin probieren, eine Vase auf der Drehscheibe zu formen, die sich, erst einmal gebrannt, sehen lassen kann.

Bevor der Ton jedoch gebrannt werden kann, sollte er noch einmal mit Klopfen verdichtet werden, betont Duschek. Sonst können ungewollte Lufteinschlüsse die Keramik zerspringen lassen. Die Gefahr besteht leider immer, meint der Keramikkünstler, während er ein gesprungenes Exemplar in den Händen hält. „Wenn Ton trocknet, verliert er zehn Prozent seiner Masse, dabei spielen sich unglaubliche Kräfte ab. Deshalb muss man sehr sorgsam den Ofen beheizen“, erklärt der Künstler. Etwa drei Tage dauert das behutsame Brennen. Dabei muss der Ton regelmäßig abgekühlt werden, was die meiste Zeit beansprucht.

Doch die Geduld zahlt sich aus: Der weiche, helle Ton weicht nun dunkler harter Keramik, die nach Belieben anschließend farblich verziert werden kann. Das heißt, falls man das möchte. Das Vogelhaus des Stammgastes bleibt jedenfalls naturbelassen. „Mir gefällt der natürliche Farbton sehr gut. So kann es gern meinen Garten schmücken“, schmunzelt die Frau.

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