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Gewinner Zukunftspreis 2018
Baumschule Lorberg - Riesen aus Brandenburg

Auswanderer: Stefan Lorberg begutachtet Bäume, die für den Export nach Moskau bestimmt sind. Mehr als 100 Blaue Stechfichten hat die Baumschule bereits rund um den Kreml gepflanzt.
Auswanderer: Stefan Lorberg begutachtet Bäume, die für den Export nach Moskau bestimmt sind. Mehr als 100 Blaue Stechfichten hat die Baumschule bereits rund um den Kreml gepflanzt. © Foto: dpa/Ralf Hirschberger
Ulrich Nettelstroth / 09.11.2018, 17:00 Uhr - Aktualisiert 09.11.2018, 17:51
Tremmen (MAZ) Als in Berlin im vergangenen September der Platz vor der Mercedes-Benz-Arena gestaltet wurde, setzte die Lorberg Baumschulerzeugnisse GmbH & Co. KG 30 Platanen mit einer Höhe von zwölf Metern.

„Wir liefern auch noch größere Bäume“, sagt Stefan Lorberg, der das Familienunternehmen seit 1989 in sechster Generation leitet. Nur die Ladekapazität der Transportfahrzeuge gibt Grenzen vor, die im Moment bei rund 16 bis17 Metern Stammhöhe liegen. Und der Preis: Der kann bei einem 50 Jahre alten Koloss bei bis zu 25 000 Euro liegen.

Solche Giganten können in ganz Europa nur eine Handvoll Baumschulen liefern. Die Baumschule Lorberg gehört dazu und hat deshalb Kunden in 30 Ländern. Wie aber bekommt man Bäume dazu, dass sie sich auch nach Jahrzehnten noch umpflanzen lassen? Voraussetzung ist, dass die Bäume spätestens alle fünf Jahre einen neuen Standort bekommen, erklärt der 57-jährige Firmenchef. Dabei werden die Wurzeln so gekappt, dass sich an der Schnittstelle ein Geflecht von Feinwurzeln bildet und das Wachstum gefördert wird. Auch die Krone wird entsprechend beschnitten. Durch das regelmäßige „Verschulen“ bleiben die Wurzeln kompakt und machen auch spätere Standortwechsel mit. 

Am Hauptsitz der Baumschule in Tremmen (Havelland) sieht man kilometerweit in langen Reihen und teilweise in bunter Herbstfärbung die Bäume stehen: Ahorn, Kastanie, Buche, Esche, Ginkgo, Eiche, Ulme oder Kiefer. 750 verschiedene Sorten von Bäumen und Heckenpflanzen hat Lorberg im Repertoire. Pro Jahr werden rund 150 000 Gewächse aus eigenem Anbau verkauft, dazu kommen noch Stauden, Sträucher oder Koniferen, die von Zulieferbetrieben produziert werden. 800 Hektar bewirtschaftet der Betrieb im Havelland, dazu kleinere Flächen in Kleinziethen (Dahme-Spreewald) und Baden-Baden (Baden-Württemberg).

Damit die Pflanzen an trockenen Sommertagen nicht verdursten, wurden 200 Kilometer Tropfleitung verlegt. So werden die Pflanzen effektiv und ohne Verluste mit Wasser versorgt. „Wir sind Vorreiter in Sachen wasserschonendes Bewässern“, erklärt Stefan Lorberg. Sogar im heißen Sommer 2018 sorgte die Bewässerung dafür, dass es in der Baumschule keine Ausfälle gab. An den Straßen dagegen standen die Bäume in vollem Stress. Da sich durch den Klimawandel solche extremen Trockenphasen häufen können, sind Bäume gefragt, die mit harten Lebensbedingungen klarkommen.

Zusammen mit Forstwissenschaftlern aus Eberswalde (Barnim) und der Berliner Humboldt-Universität arbeitet Lorberg an einem Forschungsprojekt mit, bei dem die Belastbarkeit von Straßenbäumen durch Trockenstress getestet wird.

Gut schnitten dabei etwa verschiedene Ahorn- und Eichenarten ab, außerdem die Europäische Hopfenbuche, Gingko, Amberbaum und die neu gezüchtete Ulmensorte „New Horizon“. Die Ulme war früher eine sehr beliebte und weitverbreitete Baumart, wird jedoch seit rund 100 Jahren durch die von Schlauchpilzen hervorgerufene sogenannte Ulmenkrankheit dezimiert. Die neu entwickelte Sorte ist nicht nur unempfindlich gegen den Pilzbefall, sie erweist sich auch als ausgesprochen widerstandsfähig bei harten Standortbedingungen, wie sie ein Straßenbaum im Sommer oft ertragen muss.

In einem weiteren Forschungsvorhaben in Kooperation mit der Beuth-Hochschule Berlin geht es um biologischen Pflanzenschutz. Dazu wurde eine spezielle Grünsaatmischung entwickelt, die in Blühstreifen zwischen den Baumreihen ausgesät wurde.

Dadurch siedelten sich nützliche Insekten an, die Baumschädlinge vertilgen. „In einem Blühstreifen wurden allein zwölf verschiedene Bienenarten identifiziert“, berichtet Stefan Lorberg. Der Effekt: Es muss deutlich weniger chemischer Pflanzenschutz betrieben werden. Das senkt die Kosten und schützt die Umwelt.

Eine Neuentwicklung, auf die Lorberg große Erwartungen setzt, ist der sogenannte „Spring-Ring-Container“ – runde Behälter mit luftdurchlässigen Wänden. Durch den Kontakt mit Sauerstoff wird in den Wurzelballen das Wachstum von feinen Faserwurzeln gefördert.

Werden Bäume üblicherweise nur im Frühling oder im Herbst ausgepflanzt, ist mit dem Spring-Ring auch eine Pflanzung in den Sommermonaten möglich. Das ist wichtig, erklärt Stefan Lorberg, weil heute bei vielen Baumaßnahmen über die Gestaltung der Außenanlagen sehr kurzfristig entschieden wird. Da ist es schwer, auf natürliche Wachstumszyklen Rücksicht zu nehmen.

Um bei neuen Trends immer auf der Höhe der Zeit zu sein, setzt Lorberg auf eine gute Ausbildung. Elf Lehrlinge beschäftigt das Unternehmen derzeit, einer davon wurde gerade als bester Auszubildender im Bereich Gartenbau ausgezeichnet. Stefan Lorberg selbst hat seine Ausbildung in Schleswig-Holstein absolviert, bevor er ein Gartenbau-Studium in Osnabrück (Niedersachsen) anschloss. „Für die Ausbildung ist es immer gut, den Dunstkreis der eigenen Firma zu verlassen“, erklärt er.

Für die Zukunft der Baumschule als Familienunternehmen ist auch schon gesorgt. Stefan Lorbergs Sohn Daniel ist 2015 in die Geschäftsführung eingetreten – und damit die siebte Generation des Familienbetriebs.

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