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Trend Zweitbaum
Weihnachtsbäume selbst schlagen am Wochenende

Marco Winkler / 12.12.2018, 15:15 Uhr - Aktualisiert 12.12.2018, 15:28
Wolfslake (MOZ) Wer noch keinen hat, kann ihn sich am Wochenende selbst schlagen: Bei einem Rundgang durch seine Weihnachtsbaum-Plantage in Wolfslake erzählt Revierförster Helge Funk, dass pro Jahr bis zu 700 Fichten und Tannen durch seine Netze gehen.

„Nordmänner sieht man bei uns eher selten“, sagt der 53-jährige Revierleiter. Der geringe Anteil des Klassikers unter den Weihnachtsbäumen hat einen pragmatischen Hintergrund: „Nordmanntannen brauchen viel länger als Fichten, bis sie zu richtigen Weihnachtsbäumen heranwachsen, die wir dann auch gut verkaufen können“, so Funk. „Das ist also ein rein finanzieller Faktor für uns.“ Die Gemeine Fichte brauche im Schnitt sechs bis sieben Jahre, um als stattliches Exemplar in deutschen Wohnzimmern zu landen. Die Blaufichte benötige ein bis zwei Jahre länger. So lange wachsen sie aber nicht im Krämer Forst. „Wir kaufen alle zwei, drei Jahre neue Bäume. Oft schon mit einer guten Anlaufhöhe.“

Fünf Hektar Fläche umfasst die Plantage der Revierförsterei Krämerpfuhl. Die Plantage gehört zum Landeswaldrevier Krämerpfuhl. Den zum Familientag mutierten Ausflugstipp mit Glühwein, Lagerfeuer, Jagdhornbläser und Wildbratwurst gibt es seit mehr als 20 Jahren. „Mitte der 1990er-Jahre haben wir angefangen, erste Bäume zu pflanzen“, sagt Funk. „Seitdem verkaufen wir regelmäßig.“ Die Aktion sprach sich schnell herum. Eine Zeitlang konnten Besucher sogar an zwei Wochenenden ihre Bäume selbst absägen. „Vor Jahren hatten wir zudem noch einen kleinen Weihnachtsmarkt parallel, den wir mit dem Regionalpark Krämer Forst veranstaltet haben.“

Doch laut Helge Funk wurden es dann schlichtweg zu viele Besucher, die zu viele Bäume kaufen wollten. „Natürlich ist die Entwicklung sehr positiv gewesen, aber wir mussten den Verkauf bremsen.“ Bei der überschaubaren Verkaufsfläche konnten die Bäume nicht so schnell nachwachsen, wie die Nachfrage es erforderte. „Wir wollen aber kontinuierlich Bäume vorrätig haben.“ Das dritte Adventswochenende hat sich seitdem zum festen Termin gemausert.

Am beliebtesten ist wohl die Blaufichte, auch Stechfichte genannt. „Sie wird ihrem Namen gerecht“, so Helge Funk, der seit 1990 als Revierförster arbeitet. In Wolfslake steht die Fichtenart in zwei Ausführungen: mit bläulicher und mit grüner Nadelfärbung. Sie sei wegen der kurzen Nadeln besonders gut zum Schmücken geeignet.

Die Gemeine Fichte habe hingegen „den Drang, lange Triebe zu schieben“. Die stattlichen, drei bis vier Meter großen Exemplare stellt sich Funk eher in großen Häusern vor, in Berliner Altbauwohnungen oder aber in Kirchen und auf Weihnachtsmärkten. „In diesem Jahr sind besonders große Bäume nach Hennigsdorf und Velten zu den evangelischen Kirchen gegangen.“

Die für Brandenburg typische Kiefer finden Besucher auf der Plantage eher selten. „Die Nachfrage ist zwar da, aber verhalten und unregelmäßig“, erklärt Funk, der auf den ökologischen Anbau der Christbäume Wert legt. Sämtliche Nadelgewächse kommen ohne Düngung und Chemikalien aus.

Weniger Einfluss hingegen hat Helge Funk auf ein Kapriolen schlagendes Wetter. Erst der große Regen voriges Jahr, dann die extreme Trockenheit 2018. Die Dürre traf die Weihnachtbäume heftiger. Der Regen konnte größtenteils gut abfließen. „Uns ist wegen der lang anhaltenden Trockenheit viel kaputtgegangen“, sagt Funk. Gerade die Neupflanzungen aus dem vergangenen Herbst hätten es schwer gehabt, überhaupt zu wachsen. „Wir hatten rund 80 Prozent Ausfall.“ Der Boden hat eine extrem unterschiedliche Beschaffenheit auf der Plantage. Einige Stellen sind sandig, andere lehmhaltig. „Wir müssen gucken, in welchem Umfang wir die kaputten Bäume nachpflanzen im kommenden Jahr.“

Ein wenig wird in Wolfslake auch immer wieder experimentiert. So gibt es in diesem Jahr sogar ein paar Exemplare der Serbischen Fichte mit schlankem Wuchs sowie kurzen, hängenden Ästen. „Sie sieht aus wie ein Zuckerhut“, sagt Funk, „und ist vor allem für engere Wohnbereiche geeignet.“ Die ebenfalls in Wolfslake wachsende Coloradotanne mit ihren weichen, langen Nadeln und dem nicht ganz so dichten Zweigbewuchs sei hingegen vor allem für Leute geeignet, die noch richtige Kerzen an ihren Christbaum hängen wollen.

Der Trend gehe seit einiger Zeit zudem zum Zweitbaum. „Zuerst haben wir die kleinen Bäume bis zu 1,5 Meter fürs Kinderzimmer noch kostenlos mitgegeben“, erzählt Helge Funk. Doch auch die Forst, die den Weihnachtsbaumverkauf lediglich als eine Nebeneinnahmequelle betreibt, muss wirtschaftlich denken. „Die Preise für kleine Bäume gehen bei 20 Euro los.“ Funk: „Wir müssen mindestens kostendeckend arbeiten.“

Anfahrt und Zeitablauf

■ Das schon zur Tradition gewordene Weihnachtsbaumschlagen findet dieses Wochenende am Sonnabend und Sonntag im Krämer Forst statt. Zwischen 10 und 16 Uhr können sich Interessierte ihren noch ungeschmückten Baum selbst schlagen beziehungsweise mit einer Säge absägen. Werkzeug kann mitgebracht werden, Sägen sind auch vor Ort erhältlich. „Eine normale Bügelsäge reicht“, so Revierförster Helge Funk. Motorsägen seien nicht erwünscht.

■ Die Baumplantage befindet sich am Forsthaus Krämerpfuhl, Krämerpfuhl 3, in Wolfslake. Dorthin gelangt man über die Perwenitzer Chaussee. Das Weihnachtsbaumschlagen ist dann ausgeschildert. Parkplätze sind an der Plantage vorhanden.

■ Veranstalter ist die dem Landesbetrieb Forst Brandenburg untergeordnete Landeswaldoberförsterei Grünaue, zur der auch das Revier Krämerpfuhl gehört.⇥(win)

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