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Irish Folk
Urwüchsig und handgemacht

Gutshaus Köpernitz: Bernd Donner (vorn) konnte die Cobblestones begrüßen, die nicht nur wundervolle Folkmusik zu machen verstehen, sondern von der Kleidung her auch urig wirken.
Gutshaus Köpernitz: Bernd Donner (vorn) konnte die Cobblestones begrüßen, die nicht nur wundervolle Folkmusik zu machen verstehen, sondern von der Kleidung her auch urig wirken. © Foto: Markus Baluška
Jürgen Rammelt / 31.12.2018, 12:01 Uhr
Köpernitz (MOZ) Es war so richtig nach dem Geschmack der Gäste: Mit den Cobblestones aus Berlin hatte Bernd Donner, der Chef des Gutshausvereins  Köpernitz, am Freitag eine Band in den Ortsteil von Heinrichdorf geholt, die den Saal zum Kochen brachte.

Die etwa 80 Zuhörer amüsierten sich köstlich, zumal die Musik nicht zu überhören war. Das war auch kein Wunder, denn Cobblestones werden in England die Pflastersteine genannt. Und die schepperten am Freitag gewaltig. Schon die Kleidung – bestehend aus abgewetzten Hosen, einem schlichtem Leinenhemd und einer in die Jahre gekommenen Lederschürze – vermittelte den Eindruck, als dass die vier Vollblutmusikanten gerade von der Arbeit kommen, um in einer urigen Kneipe ein Bier zu trinken.

Und das zelebrierten sie auch auf der kleinen Bühne des Kulturgutshauses zur Genüge, indem sie mehrfach den Besuchern der Veranstaltung mit Wein, Sekt und Gerstensaft zuprosteten. Doch damit nicht genug: Sie übten bei der Gelegenheit mit dem Zuhörern gleich noch den irischen Trinkspruch „Sláinte“, was so viel wie Gesundheit bedeutet.

Die eigentlich aus vier Musikern bestehende Band hatte sich sogar für den Auftritt in Köpernitz verstärkt. Neben Andreas, der die Gitarre bediente, dem Akkordeonisten Andy, Martin mit dem Kontrabass und Marcus, der mal die Mandoline, mal den Bass oder die Mundharmonika spielte, ergänzten an dem Abend Schlagzeuger Micha und die extra aus Bad Doberan angereiste  Theresa das Quartett.

Wer die Cobblestones erlebt, der bekommt urwüchsige, handgemachte Musik serviert. Es war irischer und schottischer Folk, den die Band zu Gehör brachte.  Mit  urtümlichen Charme und viel Witz, manchmal derb, manchmal zart, fesselten sie ihr Publikum. Die Musik war einzigartig und einnehmend, zumal das umfangreiche Repertoire der Gruppe die gesamte Palette des Folk, vom zotigen Sauflied bis zur wehmütigen Ballade, beinhaltete.

Egal, ob es Andy mit dem Akkordeon oder Martin mit dem etwas kurz geratenem Kontrabass war – mit ihrem packenden Gesang versprühten sie   irische Lebensfreude und entführten die Zuhörer in längst vergessene Zeiten und fremde Welten. Aber auch Andreas an der Gitarre riss mit seiner temperamentvollen Stimme, genauso wie Marcus  mit der Mandola und Mandoline, das Publikum förmlich von den Stühlen.

Nicht zu vergessen an dem Abend sei Theresa. Die junge Frau spielte auf einer Tin Whistle, einer einfachen irischen Flöte mit sechs Fingerlöchern. Obwohl sie genauso wie der Schlagzeuger Micha  nicht zur Stammbesetzung der Cobblestones gehört, war das nicht zu merken. Der Sound der Band war wie aus einem Guss.  Die Melodien, die an dem Abend erklangen, waren allesamt irischen Ursprungs. Es erklangen Lieder, die jeden Pub zum Beben bringen.

Das war auch in Köpernitz der Fall. Mal klatschten die Gäste im Rhythmus der Musik, mal lauschten sie andächtig dem Gesang oder den Klängen des Akkordeons und der Flöte. Als mit „Loch Lomond“ der letzte Titel angekündigt wird, ist der Applaus frenetisch. Mit „Railway“, „I’m a Rover“ und „Drunken Sailor“ gibt es noch drei Zugaben und für die Künstler Blumen für das grandiose Konzert, wenige Tage vor dem Jahreswechsel.

Die Cobblestones, die von Köpernitz aus direkt nach Dortmund reisten, wo sie an den letzten drei Tagen des Jahres einen weiteren Auftritt hatten, waren zum dritten Mal zu Gast im Gutshaus. Obwohl die Musiker meist vor einigen hundert oder gar tausend Zuhörern auftreten und in ganz Deutschland unterwegs sind, kommen sie gern nach Köpernitz. „Die Atmosphäre hier ist urgemütlich und das Publikum ist einzigartig“,  begründete Bandmitglied Marcus das Kommen.

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