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Wölfe
Das Ende der Zutraulichkeit

Kaum etwas übrig: 15 Stück Dam-, Rot- und Muffelwild hat Wolfgang Wernicke innerhalb einer Woche durch Wolfsrisse verloren. Dabei ist sein Gehege sehr professionell geschützt, bescheinigt ihm der Wolfsbeauftragte Robert Franck, der von mehreren Wölfen als Verursacher ausgeht.
Kaum etwas übrig: 15 Stück Dam-, Rot- und Muffelwild hat Wolfgang Wernicke innerhalb einer Woche durch Wolfsrisse verloren. Dabei ist sein Gehege sehr professionell geschützt, bescheinigt ihm der Wolfsbeauftragte Robert Franck, der von mehreren Wölfen als Verursacher ausgeht. © Foto: MOZ/Siegmar Trenkler
Siegmar Trenkler / 08.01.2019, 14:58 Uhr
Krangen (MOZ) Seit 15 Jahren hält Wolfgang Wernicke Wildtiere in einem Gehege hinter seinem Grundstück in Krangen. Doch innerhalb der vergangenen Woche verlor er durch drei Angriffe von Wölfen 15 Stück Dam-, Rot- und Muffelwild.

Das Rudel, nach den nächtlichen Besuchen auf 57 Stück geschrumpft, ist am Montagmittag noch immer aufgeschreckt. „Die Tiere sind total verängstigt“, sagt Wernicke. „Dabei waren sie vorher total zutraulich.“ Er zeigt das Bild seines 14-jährigen Enkels Moritz, der nur wenige Meter von den Tieren entfernt sitzt, aufgenommen im vergangenen Jahr.

Daran ist nicht mehr zu denken. Die Tiere versuchen am Montag so viel wie möglich Abstand zu allem zu halten, was sich auf dem zehn Hektar großen Gehege bewegt. Wolfgang Wernicke begutachtet die abgefressenen Reste eines Damwildkalbs, bevor er sie auf den Pkw-Anhänger wirft. Der Kopf eines Mufflons thront dort über fast blanken Rippen und Fellresten, die den Anhänger fast ausfüllen. Wernicke steigt wieder in den grünen Geländewagen und fährt über die feuchte Wiese zum nächsten Kadaver. Er vergewissert sich, dass sich der Wolfsbeauftragte Robert Franck, der bei solchen Vorfällen immer gerufen wird, das tote Kalb schon angesehen hat, bevor er auch dieses auf den Anhänger wirft. „Ein Jahr lang habe ich es gehegt. Das war es jetzt.“

15 Tiere hat der Tierhalter innerhalb einer Woche verloren. Und ein Ende ist nicht wirklich abzusehen. Denn obwohl das Gehege sehr professionell gesichert ist, wie Franck erklärt, konnten sich die Wölfe dennoch unter dem Zaun durchgraben. „Wenn der Wolf noch einmal kommt, rennt das Rudel einfach nur noch panisch weg“, glaubt Wernicke.  Seine Sorge ist, dass sich die Tiere dann in ihrer Panik gegen den Zaun werfen und diesen niederreißen. „Und was mach ich dann? Dann habe ich einen Schaden von wenigstens 30 000 Euro.“ Ein weiterer Elektrozaun soll daher Abhilfe schaffen. Auch Robert Franck hat zugesagt, beim Errichten mitzuhelfen. „Wir wollen ja nicht, dass die Wölfe wiederkommen“, sagt er. Das taten sie aber zuletzt auch trotz des extra aufgehängten rotweißen Flatterbands und zusätzlicher Sicherungen der Tore des Geheges.

Dass Wölfe das Wild gerissen haben, daran bestehen kaum Zweifel, berichtet der Experte. Die Bissspuren und die hinterlassenen Fährten passen ebenso dazu wie deutlich erkennbare Kehlenbisse, mit denen Wölfe ihre Beute zu Boden bringen. Dass kaum noch Fleisch an den Kadavern ist, spreche dafür, dass es mehr als ein Wolf war. Und bei Zippelsförde lebt laut Franck ein Wolfsrudel mit zwei Elterntieren und wenigstens vier Welpen. Auch zur Kyritz-Ruppiner Heide, auf dem schon seit Jahren ein anderes Rudel lebt, ist es nicht wirklich weit.

„Zum Glück ist das für mich nicht existenzbedrohend“, gibt sich Wolfgang Wernicke trotz allem ungeknickt. „Ich bin Rentner und halte die Tiere als Hobby.“ Auch wenn sie für ihn Nutztiere sind, aus denen gelegentlich Wurst gemacht wird, erfreut sich Wernicke an dem Rudel, genau wie andere. So berichtet er von Radfahrern, die  auf dem Radweg nach Molchow, der direkt am Gehege entlangführt, anhalten und die Tiere beobachten. So wurde aus den anfangs zehn Gattertieren, die Wolfgang Wernicke sich vor mehr als anderthalb Jahrzehnten zugelegt hatte, das jetzige Rudel.

Doch für andere Halter sei die Situation wesentlich schwieriger. „Es ist schon ärgerlich, dass ich den Wolf nicht einmal lebend fangen dürfte, weil er unter Schutz steht. Dabei muss ich zusehen, wie meine Tiere einfach getötet werden.“ Und statt nun Wurst zu bekommen, müsse er die Kadaver kostenpflichtig in der Tierkörperbeseitigungsanlage entsorgen lassen. „Für den Anhänger kostet mich das bestimmt 100 Euro“, sagt er.

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