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20 Minuten Wartezeit am Bahnübergang wollen die Friedrichswalder nicht mehr hinnehmen. Nun ist doch Lösung in Sicht.

Zugverkehr
Friedrichswalde macht Druck

Marco Marschall / 16.01.2019, 10:36 Uhr - Aktualisiert 16.01.2019, 11:12
Friedrichswalde (MOZ) So positiv sie die Wiederbelebung der Bahnstrecke zwischen Templin und Joachimsthal finden, die 20 Minuten Wartezeit an ihren Bahnübergängen wollen die Friedrichswalder nicht hinnehmen. Ihr Bürgermeister spricht sogar von 28 Minuten.

Es ist Montagabend 18.23 Uhr. Die Schranken am Friedrichswalder Bahnübergang in der Reiersdorfer Straße schließen. Den Straßenverkehr beeinträchtigt das zu diesem Zeitpunkt nicht. Weit und breit ist kein Auto zu sehen. Eine Fußgängerin erreicht den Übergang und läuft trotz Schranke rüber. Sie habe gestern schon so lange gewartet, sagt sie. Die Leute würden alle schimpfen. Vor allem die mit Schulkindern.

Innerhalb der Schließzeit wird sie den Bahnübergang sogar ein zweites Mal queren. Ein Geländewagen mit Angermünder Kennzeichen hält. „Kommt hier eigentlich ein Zug“, fragt der Fahrer. Als er von bis zu 20 Minuten Wartezeit hört, muss er lachen. „Zum Entschleunigen ist das ja vielleicht auch in Ordnung“, sagt er.

Tatsächlich ist die Wartezeit diesmal kürzer. Um 18.34 Uhr passiert der Zug aus Joachimsthal den Übergang. Kurz darauf geht die Schranke hoch. Knapp zwölf Minuten war sie unten. Ein junger Mann, der in Friedrichswalde ausgestiegen ist, tritt den Heimweg an. „Es gefällt mir, dass der Zug fährt“, sagt der 17-Jährige, der in Joachimsthal eine Ausbildung zum Erzieher macht und vorher Bus fahren musste. Vor allem morgens sehe er aber auch die wartenden Autos, wenn der Zug aus Templin kommt.

Denn schon, wenn sich dieser noch in Milmersdorf befindet – drei Stationen vor Friedrichswalde – gehen im Holzschuhmacherdorf die Schranken runter und es ergeben sich die längsten Wartezeiten. 28 Minuten habe er schon die Zeit gestoppt, berichtet Friedrichswaldes Bürgermeister Bernhard Ströbele in der Sitzung der Gemeindevertreter am Montag. „Die Probleme sind da und wenn kein Druck gemacht wird, passiert auch nichts“, sagt er. Die Vorbereitung der Wiederinbetriebnahme sei aus seiner Sicht „saumäßig“ gewesen, die Abstimmung mit Friedrichswalde fehlte. Für ihn ist bislang auch die Frage offen, wie der Rettungsverkehr mit der Situation umgeht.

Noch vor dem Bürgermeister schlägt Gemeindevertreter Karsten Schulz kritische Töne an. Für die Menschen in der Reiersdorfer Straße sei die Situation nicht tragbar. Schulz sieht die Sicherheit gefährdet, weil viele nicht die Geduld hätten zu warten. Er glaubt nicht, dass sich Radtouristen im Sommer 20 Minuten an der Schranke gedulden. Hinzukomme, dass der Zug auch schon bei offener Schranke gefahren sein soll, weil kein Bahnwärter im Einsatz war – langsam und mit Signal – aber er fuhr.

Bernhard Ströbele spricht von mehr als einem Mal. Amtsdirektor Dirk Protzmann von einem Mal. Joachimsthals Verwaltungschef, der die Sitzung am Montag begleitet, sieht seine Behörde ungerechtfertigter Kritik ausgesetzt. „Wir sind kein Eisenbahnunternehmen. Wir wussten nicht, wie lang die Wartezeiten sein werden“, so Protzmann. Sein Amt sei außerdem nur ein Partner von vielen gewesen und auch nicht glücklich darüber, dass der Probebetrieb schon im Dezember begonnen wurde.

Nun aber gebe es eine Lösung für das Problem. Wie Protzmann zur Sitzung beschrieb, liegt sie in 400 Metern Kabel in jede Richtung, aus der der Zug einfährt und Magneten. Auf diese Weise erhält der Bahnwärter in Friedrichswalde nicht schon in Joachimsthal oder Milmersdorf das Signal, die Schranken zu schließen, sondern wesentlich später. Zwei bis drei Monate würde die Installation dauern und einmalig 60 000 Euro kosten. Das sei erst vor Kurzem bekannt geworden. Jetzt gehe es noch darum, wo das Geld herkommt. „Dann ist die Sache hoffentlich in vier bis fünf Monaten vom Tisch“, so der Amtsdirektor.

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