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Abschied
Mühlenhaupt-Fans feiern wehmütig Geburtstag

Lieder aus der alten Sowjetunion: Zur Feier des Tages spielte das Trio Scho im Mühlenhaupt-Museum.
Lieder aus der alten Sowjetunion: Zur Feier des Tages spielte das Trio Scho im Mühlenhaupt-Museum. © Foto: Wolfgang Gumprich
Wolfgang Gumprich / 21.01.2019, 13:02 Uhr
Bergsdorf Seit den 1990er-Jahren ist Bergsdorf mit dem Namen Kurt Mühlenhaupt verbunden. Damals begann der Berliner Künstler zusammen mit seiner Frau Hannelore, den ehemaligen Gutshof zu einem Atelier, Bauernhof, Treffpunkt und Museum umzubauen. Am vergangenen Wochenende wäre Kurtchen, wie ihn alle nannten, 98 Jahre alt geworden, seine Witwe hatte zur letzten großen Feier auf dem Gutshof eingeladen.

In der großen Tenne gab es kein Durchkommen, bei Kaffee und Kuchen genossen die Gäste, Fans und Bewunderer des Künstlers die Feier; das Trio Scho spielte Musik aus der alten Sowjetunion. Über der Feier lag ein Hauch von Wehmut, hatte doch Hannelore Mühlenhaupt vor einigen Wochen angekündigt, sie werde Bergsdorf verlassen und wieder zurück nach Berlin, nach Kreuzberg ziehen. „Meine Gefühle sind schon gespalten“, sagt sie im Gespräch, „ich bin gerne hier, bin hier verankert, aber ich will mich nicht um die Reparatur von Dachrinnen, sondern um seinen Nachlass kümmern“.

Auch Christina Schulz geht mit einem weinenden Auge. Die künstlerische Leiterin arbeitet seit sechs Jahren im Mühlenhaupt-Museum. „Wir werden hier den Betrieb bis Mai aufrecht erhalten“, blickt sie in die nahe Zukunft, „es wird auch weiterhin Veranstaltungen geben.“ Derzeit sortiert sie zusammen mit Hannelore Mühlenhaupt die Gegenstände im Haus. Am Sonnabend standen Geschirr, Gläser, Vasen zum Verkauf.

Das Museum wird nach Kreuzberg in ein Haus ziehen, das Kurt Mühlenhaupt noch zu Lebzeiten gekauft hat. Und Bergsdorf? „Ein chinesischer Investor hat das Areal gekauft“, gibt Hannelore Mühlenhaupt Auskunft, „ihm schwebt vor, hier so etwas wie eine Villa Massimo wie vor den Toren Roms zu errichten“. Schon im Sommer sollen chinesische Künstler im Bergsdorfer Atelier ihre künstlerische Arbeit aufnehmen. „Wir haben lange nach einem Nachfolger gesucht“, ergänzt Christina Schulz, doch die meisten wollten das Anwesen nur für sich nutzen, „das Tor zumachen“. Das sei, so Schulz, überhaupt nicht im Interesse der Mühlenhaupts gewesen, die von Anfang an den Hof als eine öffentliche Anlaufstelle im Ort sahen. Sie erinnert daran, dass für Kurt Mühlenhaupt das entscheidende Motiv zum Hauskauf ein Berliner Schrotthändler gewesen sei, der es für sich erwerben wollte.

Und Hannelore Mühlenhaupt steuert eine Geschichte bei: Zum ersten öffentlichen Kennenlernen seien nur ein paar alte Damen gekommen. Da habe Kurtchen seine Quetsche genommen und das Brandenburglied angestimmt – sofort sei das Eis gebrochen gewesen. Die Unterstützung aus dem Dorf sei bis heute ungebrochen, sagt Christina Schulz, ebenso die von Kreis und Land. Allerdings hätten sie sich mehr Zuspruch von der Stadt Zehdenick gewünscht.

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