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Verabschiedung
Eine „Leibgarde“ für die Chefin

Gabriele Rataj / 26.01.2019, 06:30 Uhr - Aktualisiert 26.01.2019, 13:31
Garzau-Garzin (MOZ) Fünf Schulleiter, vier Bürgermeister und drei Amtsdirektoren haben ihren beruflichen Weg begleitet. Die von ihr betreuten Kinder hat sie nicht gezählt. Nach mehr als 40 Jahren an der Spitze ist die Garzauer Kita-Leiterin Marianne Wallasch jetzt verabschiedet worden.

Feuerwehrmitglied und Gemeindearbeiter Daniel Stiegemann ist bei ihr in die Kita gegangen. Lisa Eichler, die seit dem 1. Januar eingestellt ist und ihre Gruppe übernimmt, hat sie schon als Baby schreiend auf den Arm genommen. „Mein Papa war schon als Kind hier“, kräht es aus der kleinen Schar von Kindern, die an diesem letzten Arbeitstag nicht zu den krank Entschuldigten zählen.

Mit Marianne Wallasch, am Donnerstag noch Leiterin der kommunalen Kita „Waldmäuse“ in Garzau, hat eine Garzauer Institution die Kita verlassen. Über 40 Jahre begleitete die aus Hasenholz stammende, in Buckow einst zur Schule gehende und in Waldsieversdorf die pädagogische Schule absolvierende Frau Kinder in Garzau vom Krippen- bis zum Vorschulalter. Kaum ein Ereignis gibt es im Dorf, an dem sie mit den Kindern nicht in irgendeiner Weise beteiligt war: Geburtstagsfeiern, Dorffeste, Indianerwoche, Neujahrsfeuer der Feuerwehr – sie waren dabei.

Ob beim Pflanzen eines Apfelbäumchens an der Alten Brennerei, beim Kuchenbacken zur Einweihung der neuen Küche im Steremat-Ökohof, den es so heute nicht mehr gibt, oder dem Abschied der Kinder aus dem Asylbewerberheim – Marianne Wallasch, ihr Team und die Kinder haben ein Stück Ortsgeschichte mitgeschrieben.

Das reicht vom Domizil des Erntekindergartens im Garzauer Schloss bis 1978, der vorübergehenden Heimat in der alten Brennerei und dem Umzug in den vom Berliner Magistrat erbauten Flachbau bis zum heute kaum zu übersehenden schweden-roten „Waldmäuse“-Haus mit saniertem Mansarddach und fröhlichem Wandbild.

Dazwischen teilte sich der Kindergarten, wie er bis zur Wende hieß, die Räumlichkeiten noch mit den jeweiligen Bürgermeistern, der Bibliothek, der Gemeindeschwester, später den Revierpolizisten. Doch stets in gutem Einvernehmen, bei gegenseitiger Unterstützung und stetiger Ausbreitung der Kitaräume bis zum Allein-“Besitz“ des Gebäudes, wo heute 33 Kinder betreut werden.

In vier Jahrzehnten hatte sie es mit insgesamt fünf Schulleitern zu tun, erzählt Marianne Wallasch, vier Bürgermeistern und drei Amtsdirektoren. Auch die Namen kennt sie alle: Hofmann, Rosenfeld, Willomitzer, Behlau, Neidhardt und Müller, Wandel, Röger, Hinkel sowie Fleischer Dammann, Böttche. Da bleibt so manche Episode hängen ...

Wie die von Bürgermeister Müller, der abends mit Blick auf das letzte zu betreuende Kind und die Stromkosten schon mal über die Straße kam und wetterte, die Eltern sollten endlich ihr Kind heimholen. Oder, dass die eigene Tochter, natürlich auch unter ihren Fittichen, sie zu Hause versehentlich noch mit Frau Wallasch ansprach.

Doch das spielt an ihrem letzten Arbeitsmorgen keine Rolle. Wichtig ist, dass Clown WiDu gekommen ist – womit sich Marianne Wallasch von den Kindern und ihrem Team verabschiedet. Gut ist, dass bei dem Programm aus Herzenslust gelacht, Musik gemacht und eine lustige Leibgarde gebildet wird. Und „schön war immer zu sehen, wie sich die Kinder entwickelt haben“, sagt Marianne Wallasch. Nicht wenige sind heute bei der örtlichen Feuerwehr, wo Ehemann Klaus „Freizeit“-Dienst schiebt. „Denn Kita und Feuerwehr sind doch der Mittelpunkt im Dorf.“

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