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Böhner Höfe
Sie haben die 70 geschafft

René Wernitz / 07.03.2019, 17:02 Uhr
Böhne (MOZ) Von der Formulierung eines Problems bis dessen Lösung dauert es mitunter recht lange. Bei einigen betroffenen Bewohnern der Böhner Höfe dürfte die seit Mitte 2016 gezeigte Geduld zwischenzeitig in Resignation umgeschlagen sein. Doch nun ist der Schulweg für die Kinder tatsächlich etwas sicherer.

Wer die Kernstadt Rathenow im Westen verlässt, um etwa nach Böhne, Milow oder zum Autobahnzubringer zu gelangen, befährt die Landesstraße L 96. Da ist nicht wenig los. Umso mehr im Berufsverkehr am Morgen und am Nachmittag, wenn gleichzeitig die Kinder unterwegs sind. Neun sind gegenwärtig schulpflichtig. Laut Hans-Jürgen Wodtke vom Wilhelminenhof hätten Verkehrszählungen 2016 ergeben, dass rund 350 Kraftfahrzeuge pro Stunde an den Höfen entlang fahren - wenn Schulbuszeit ist. Durchschnittlich also fast sechs pro Minute, manchmal mehr, manchmal weniger. Durch die City rollt weit mehr. Doch da gelten andere Regeln. 2016 wurde die zulässige Höchstgeschwindigkeit an den Böhner Höfen noch nicht begrenzt, und "Achtung, Kinder"-Schilder gab es auch noch nicht. Letztere wurden 2018 aufgestellt, die Tempo-70-Zone wurde erst im  Winter 2019 geschaffen.  Ein Überholverbot, wie es ebenso angestrebt war, ist derweil noch nicht in Sicht. Denkbar, dass sich dieses erübrigt, wie Wodtke meint. Subjektiv betrachtet, scheint es ihm, dass das Gros der Kraftfahrer nun langsamer fährt. Vorher durften Autos mit 100 km/h an den Haltepunkten vorbei brettern. Der Begriff Haltestelle verbiete sich ob der primitiven Ausstattung. Wer gerade liest, wann der nächste Bus kommt, könnte von der Sogwirkung eines vorbei fahrenden Lkw mächtig erschreckt werden. Mit Schulranzen auf dem Rücken und womöglich ein klein wenig zu nahe an der Landstraße - sogar schlimmere Folgen sind denkbar. Nur zu verständlich, wenn Eltern ihre Kinder lieber selbst zur Schule fuhren oder es immer noch so handhaben, obgleich Busse unterwegs sind.

Auf und an der Straße überschneiden sich  die Kompetenzen. Vor der Lösung des Problems entstand ein "Beamtenmikado", wie Wodtke es nennt, bei dem zunächst keiner etwas bewegen konnte oder wollte. Denn für die L96  und ihre Ränder ist Brandenburg zuständig, sprich der Landesbetrieb Straßenwesen, für die Beschilderung der Landkreis Havelland und Rathenow für die Schulwegsicherung. Was den Anwohnern zunächst nicht geläufig war. Sie hatten offenbar fest daran geglaubt, dass ihr Anliegen als durchaus berechtigt gelten und alsbald angegangen werden dürfte. Doch, wie Wodtke resümiert, bedurfte es erst kommunalpolitischen Drucks. Die Stadtverordneten Karl-Reinhold Granzow und Jürgen Albrecht (beide Die Linke) sowie Wolfram Bleis (CDU) hätten sich dabei hervor getan, auf der nächsthöheren Ebene der Kreistagsabgeordnete Felix Doepner (Bündnis’90/Die Grünen).

Letztlich soll erst Bewegung in die Sache gekommen sein, als Rathenows Bauamtschef Matthias Remus die Moderation der Problemlösung übernahm. Im Ergebnis gilt im Bereich der drei Haltepunkte nun Tempo 70, was der Landesbetrieb so veranlasste und was durch den Landkreis so ausgeschildert wurde. Der Grund für die Geschwindigkeitsbegrenzung ist ebenso dargestellt. Zwei der Haltepunkte, Ludwigs- und Wilhelminenhof, sollen zu richtigen Haltestellen werden. Laut Wodtkes Kenntnisstand befindet sich das bereits in Planung. Die Stadt will ihrerseits einen Weg im Straßengraben zwischen Truckstop-Imbiss und Haltestelle Ludwigshof anlegen. Geld vom Land ist hier jedoch nicht zu erwarten. Zwar gilt als Ziel der brandenburgischen  Förderung  der Schulwegesicherung, "Kindern als spezifische Zielgruppe solche Wegeverhältnisse vorzuhalten, die ihren besonderen Verhaltens- und Wahrnehmungsformen entsprechen", wie es auf www.ls.brandenburg.de heißt. Es werden also Wege gefördert, die sich zwischen Wohnorten und Schulen  befinden sowie Wege zwischen Schulbushaltestellen und Wohnstätten bzw. Schulen. Doch die Böhner Höfe befinden sich im Außenbereich Rathenows, weshalb eine Förderung der dortigen Schulwegsicherung nicht in Frage käme, kritisiert Wodtke.

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