Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Diskussion
Liberale sprechen mit Jägern und Landwirten über den Wolf

Volkmar Ernst / 08.03.2019, 11:21 Uhr
Häsen (MOZ) DerFDP-Ortsverband Liebenwalde/Löwenberger Land hat mit Landwirten, Jäger und Umweltschützer in Häsen über die Probleme mit dem Wolf gesprochen.

"Mit oder über den Wolf heulen", hatten die Liberalen die Einladung zur Diskussionsveranstaltung über den Wolf im Häsener Kornspeicher-Café am Mittwochabend überschrieben. Gut 50 Gäste, vornehmlich Landwirte, Landwirte im Nebenerwerb und Jäger waren gekommen, um mehr über den Wolf und seine Ausbreitung im Brandenburger Land und in Deutschland zu erfahren. Außerdem wollten sie in Vorbereitung auf die anstehenden Kommunal- und Landtagswahlen den möglichen Parlamentariern ihre Sorgen und Nöte vortragen.

Denn es ist mitnichten so, dass die Landwirte und Jäger nur an der Ausrottung der Wölfe interessiert sind. Eine friedliche Koexistenz sei durchaus möglich, wenn nicht allein Meister Isegrim geschützt werde, sondern eben auch die Interessen der Bauern und Jäger berücksichtigt würden, hieß es in der Debatte.

Das Schwierige daran ist allerdings, dass der Wolf nicht lesen kann, wie zu vernehmen war. Deshalb nutzt es wenig, ein Gebiet als wolfsfreie Zone zu deklarieren und Schilder aufzustellen. Die interessieren die Wölfe nicht. Ebenso wenig ein Zaun, selbst wenn es sich um einen Stromzaun handelt. Spätestens nach der dritten Begegnung weiß Meister Isegrim, wie er dem Stromschlag ausweichen kann und dennoch an ein Kalb oder eine Ziege kommt. So wie der Wolf nicht lesen kann, liegt es nicht in seiner Natur, zwischen Reh, Hirsch oder Wildschwein, die er in er Natur im Wald jagen darf, und Ziege, Kalb und Schaf  zu unterscheiden, die für ihn, weil es sich um Nutztiere handelt, als Nahrungsquelle eigentlich tabu sind. Denn alles sind Huftiere, nur das zählt für den Wolf, so die Fachleute.

Vor diesem Hintergrund müsse nun überlegt werden, wie Wolf und Mensch im gleichen Revier miteinander leben können, hieß es. Eher unwahrscheinlich erscheint, Meister Isegrim das Lesen beizubringen. Viel wichtiger sei, so forderten die Landwirte, im Falle von Nutztierrissen schnell und vor allem unbürokratisch zu helfen. "Deshalb sind Forderungen, wie eine Umzäunung und das Einsperren von Schaf- und Kuhherden wenig hilfreich", kam prompt die Kritik von den Landwirten. Auf der anderen Seite würden Tierschützer mit Recht fordern, den Nutztieren ein glückliches Leben draußen in der Natur zu ermöglichen. Doch fehle die Aussage darüber, wer das Aufstellen der Zäune bezahlen und vor allem wer die Arbeit erledigen solle, so die harsche Kritik weiter.

Insofern wurde auch in Häsen in der Diskussion von vielen Gästen eine Obergrenze des Wolfsbestandes in Brandenburg gefordert, die im Notfall analog zur Verfahrensweise in den nordischen Ländern durch die Freigabe der Jagd durchgesetzt werden könne. Das zumindest griff die Landtagskandidatin der FDP, Gabriele Schare-Ruf aus Rheinberg auf und versprach, sich dafür im Falle einer Wahl einzusetzen. Die Gäste quittierten das mit Applaus, aber auch mit der deutlichen Ansage, dass Politiker sehr wohl daran gemessen werden, ob sie Versprechen auch erfüllen.

Dass, einmal abgesehen von kranken oder aggressiven Tieren, ein Abschuss von Tieren zur Regulierung des Wolfsbestandes überhaupt erforderlich sein wird, davon gehen weder  Peter Manke noch Verhaltensbiologe Rainer Richter vom Forsthaus Silberberg aus. Denn keinesfalls sei es so, dass Wölfe ihr Einzugsgebiet leer fressen und dann weiterziehen, wie sie erklärten. Der Tierbestand reguliere sich nach dem Vorhandensein von Wild als Nahrungsquelle von ganz allein, hieß es. Das sei  letztlich auch der Grund dafür, dass sich die Wölfe von Polen kommend zuerst in Sachsen und Brandenburg angesiedelt hätten, nun aber, nachdem die Reviere besetzt seien, eine Weiterwanderung der Jungwölfe nach Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen festzustellen sei.

Letztlich mündete die Diskussionsrunde in der von allen  mitgetragenen Forderung, dass die Politik gefragt sei, die vorhandenen Strukturprobleme in der Landwirtschaft zu lösen. Das sei unter anderem durch eine gezielte Förderung der landwirtschaftlichen Betriebe und durch den Kampf gegen den Preisverfall bei Milch, Fleisch und Wurstwaren durch Billigangebote bei den Discountern möglich.

Der Wolf

■ Der Wolf (Canis lupus) ist das größte Raubtier aus der Familie der Hunde (Canidae).

■ Die Tiere leben zumeist in Familienverbänden, auch Rudel genannt. Denen gehören zwei Elterntiere und die Nachkommen der ersten und zweiten Generation an, rund sieben Tiere. Danach bilden die Jungtiere eigene Familienverbände und ziehen wei-ter.

■ Die bevorzugte Beute des Wolfes sind Huftiere.

■ In Deutschland gibt es derzeit rund 57 Wolfsrudel, wobei mit 38 die meisten in Brandenburg anzutreffen sind.

■ Nach einer Abwesenheit von rund 150 Jahren wanderte 1990 der erste Wolf aus Polen in Deutschland ein.

■ Seit 2000 stehen die Tiere unter dem strengen Schutz der EU und dürfen nicht gejagt werden.

■ Das Revier eines Wolfes umfasst rund 100 bis 130 Quadratkilometer.

■ Dass der Wolf den Vollmond anheult, ist übrigens eine Legende. Er heult immer, er ist nur bei Vollmond besser zu sehen. ⇥(veb)

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG