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Pilgerstrecke
Meilenstein an der alten Poststraße feierlich enthüllt

Sophie Schade / 18.03.2019, 07:56 Uhr
Flatow Flatow liegt nicht erst seit dem Bau der A 24 an einer Verkehrsachse, die Berlin und Hamburg verbindet. Auf der Alten Hamburger Poststraße verkehrten Postkutschen zwischen den beiden Städten. Meilensteine boten den Kutschern damals Orientierung auf dieser Strecke. Am Sonnabend wurde am Rande der Apfelallee der Nachbau eines solchen feierlich enthüllt.

Steine spielen bei Rolf Zimmermann schon immer eine Rolle. Sein ganzes Berufsleben lang war der gebürtige Sachse Steinmetz. Nun ist er Mitglied einer Forschungsgruppe, die die Geschichte der Meilensteine dokumentiert, die auf dem Gebiet des Norddeutschen Bundes Poststraßen und später auch Landesgrenzen markierten. Er spazierte mit rund 60 Geschichtsenthusiasten durch Flatow zur Apfelallee, wo der Neubau eines Halb-Meilensteisn enthüllt wird – stets auf den Spuren der Historie der Post und der preußischen Vermessungsgeschichte. Er ist als Anführer der Gruppe nicht zu übersehen in seiner Uniform, stilecht wie ein preußischer Postbote – inklusive schwarzem Zylinder mit goldenem Adler.

Los ging es am Sportplatz vorbei an einem Viertel-Meilenstein und der Kirche zur Feuerwache. Vermessen wurde die Strecke von Soldaten aus der preußischen Artillerie. Rolf Zimmermann führt vor, wie es gemacht wurde: Mit einer Metallkette, die auf den ersten Blick auch als Folterinstrument durchgehen könnte. Tatsächlich haben die Soldaten mit dieser Kette in mühevoller Kleinarbeit Wege vermessen. Um die komplette Strecke zu vermessen, waren die Soldaten mehr als drei Monate unterwegs.

Heute ist die Alte Hamburger Poststraße eine beliebte Pilgerstrecke und führt bis in den Kurort Bad Wilsnack in der Prignitz. Wer nicht laufen möchte, kann in der Postkutsche mitfahren. Doch auch hier ist niemand vor dem herbstlichen Wetter geschützt: Der Regen prasselt den Passagieren der Postkutsche ins Gesicht. Dazu weht ihnen ein kalter Wind um die Nase.

Doch auch die Kutscher im 18. oder 19 Jahrhundert, die auf dieser Route Post von Berlin mit Abfahrt am Oranienburger Tor nach Hamburg und andersrum transportiert haben, mussten wetterfest sein – genauso wie ihre Pferde. Gezogen wird die Kutsche an diesem Tag von zwei nachtschwarzen Friesen: Theimen und Nanne traben im Gleichtakt und ohne zu zögern durch jede Pfütze.

Für einen kurzen Moment fühlt es sich an wie eine Szene aus vergangenen Zeiten, auf dieser pittoresken schwarz-gelben Kutsche. Nur die Autos, die aus der Ferne zu sehen sind und über die A 24 rauschen, stören die Illusion. Ziel ist für beide Gruppen die Apfelallee, Kremmens Bürgermeister Sebastian Busse (CDU) und Rolf Zimmermann erwarten sie gemeinsam am neuen Halb-Meilenstein – an originalem Standort, gefertigt aus hochwertigem Sandstein aus Pirna.

Sebastian Busse hofft, dass die Alte Hamburger Poststraße durch dieses historische Relikt für Pilgerer noch attraktiver wird. Zusätzlich zu dem Sandsteinmonument an der Apfelallee wurden im November zwei weitere Meilensteine gesetzt. 15 000 Euro hat das Projekt insgesamt gekostet und wurde von der Stadt Kremmen, dem Verein Krämer Forst und dem Spargelhof Kremmen finanziert.

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