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Karolinenhof
Späte Zickengeburt verzögert Milchproduktion

Brian Kehnscherper / 19.03.2019, 08:00 Uhr
Kuhhorst (MOZ) Das hat Gela Angermann noch nie erlebt: Normalerweise kommen auf dem Karolinenhof bei Kuhhorst ab Jahresbeginn die Zicklein zur Welt. Doch dieses Mal ließen sie lange auf sich warten. Deshalb verzögerte sich auch die Käseproduktion.

"Ab Januar geht es bei uns los mit der Ablammung. So ist der Ablauf seit 25 Jahren, und jetzt haben uns die Tiere zum ersten Mal im Stich gelassen", sagt Gela Angermann, Gründerin und Mitinhaberin des Hofs. Seit 1993 produziert sie dort Ziegenkäse. Wenn die Zicklein zur Welt kommen, nehmen sie erst einmal die Milch der Muttertiere weg. Für die Produktion bleibt nichts übrig. Sechs bis acht Wochen nach der Geburt wird ein Teil des Nachwuchses geschlachtet. Die überschüssige Milch kann dann verarbeitet werden. Warum es in diesem Jahr zu der Verzögerung gekommen ist, kann sich Angermann selbst nicht erklären. Ab August werden Böcke in die 120 Ziegen umfassende Herde geholt, um die Weibchen zu decken. Gela Angermann vermutet, dass die Tiere wegen des Wetters erst spät trächtig wurden. "Ziegen sind saisonal bockig. Wenn die Tage kürzer werden, geht es los. Ich habe den Verdacht, wegen dem vielen Sonnenschein im vergangenen Jahr war es nicht so", so die Landwirtin. Andererseits hätten andere Ziegenhöfe solche Probleme nicht gehabt. Fest steht, dass Angermanns Tiere sich im vergangenen Jahr erst ab Ende September decken ließen.

Mittlerweile läuft der Btrieb jedoch auf Hochtouren. Die Tiere können gemolken werden, und im Hofladen wird bereits der Käse verkauft. Die Zeit vom Februar bis zum November ist arbeitsreich auf dem Karolinenhof. Nicht nur, dass die Ziegenherde gefüttert, gemolken und ihr Stall sauber gehalten werden muss. Von Freitag bis Sonntag haben das Wiesencafé und der Hofladen geöffnet. In dem Gästeraum, der durch eine breite Fensterfront einen Panoramablick über das Rhinluch gewährt, werden neben Kaffee, Kuchen und Käse auch warme Speisen wie Eintöpfe mit Ziegenfleisch, Bolognese mit Ziegenhack und Gulasch verköstigt. Durchschnittlich 100 Portionen gehen täglich raus, schätzt Ackermann. "An sehr guten Tagen werden 200 Essen bestellt." Es fällt also immer Arbeit an.

In der hauseigenen Käserei werden zudem 20 Sorten Käse hergestellt. Rund 40 000 Liter Milch werden jährlich produziert und verarbeitet. Für den Cafébetrieb werden ein Koch und zwei Servicekräfte beschäftigt. In der Landwirtschaft hilft eine 30-Stunden-Stelle mit. Sarah und Sebastian Spindler komplettieren das Team. Die beiden arbeiten seit Jahren auf dem Karolinenhof. 2017 stiegen sie als Mitinhaber ein. Für Sarah Spindler ist die Arbeit eine Leidenschaft. "Das hier ist nicht mein Job, das ist mein Leben. Man weiß nicht, was Arbeit ist und was Freizeit", sagt sie. Sie gehe auf in dem, was sie tue. Spindler lebt auf dem Hof, liebt die Tiere, und die Kollegen seien auch ihre Freunde. Nur so wäre es möglich, teils zehn bis zwölf Stunden am Tag seine Aufgaben zu erledigen. Derzeit peppelt Sarah Spindler ein Lamm mit der Flasche auf, weil es nicht genug von der Mutter säugt. Das Zicklein hat es gut. Es gehört zu den Tieren, die später selbst als Muttertier Milch geben sollen. "Ziegen bekommen meistens Zwillinge. Wir nehmen nur die Nachzuchtlämmer weg", so Spindler. Weil die Jungtiere erst nach sechs bis acht Wochen geschlachtet werden, trauern die Muttertiere dann nicht mehr so sehr.

Ohnehin ist es dem Team des Karolinehofs wichtig, nachhaltig und im Einklang mit der Natur zu wirtschaften. Sarah Spindler ist auch der Bildungsauftrag wichtig. Daher werden den Besuchern bei Führungen auch die Werte vermittelt.  Besonders gefällt Spindler die Vielseitigkeit. "Im Prinzip bin ich Molkereifachfrau, Melkerin, Verkäuferin, Handwerkerin und Bürofachfrau." Am Ende des Tages sehe sie, was sie geschaffen hat.

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