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Segway-Touren
Unternehmer bittet Verkehrsminister Scheuer um Hilfe

Geben sich nicht geschlagen: Catharina und Helmer Fischer bieten auf dem Gelände des Gutes Hammer Spaß und Unterhaltung auf den Segways an.
Geben sich nicht geschlagen: Catharina und Helmer Fischer bieten auf dem Gelände des Gutes Hammer Spaß und Unterhaltung auf den Segways an. © Foto: Volkmar Ernst
Volkmar Ernst / 21.03.2019, 11:16 Uhr
Hammer (MOZ) Fahrten mit dem Segway in den Wald sind verboten. Der Grund: Ein Segway gilt als Kraftfahrzeug. Das allerdings will Helmer Fischer, der in Hammer Segway-Touren anbietet, nicht hinnehmen und hat sich nun sogar an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) gewandt.

Seit gut zwei Jahren bieten Catharina und Helmer Fischer, die das ehemalige Gut Hammer zu einem Feriendomizil entwickeln wollen, Spaß und Touren auf dem Segway an. Die Nachfrage bestätigt, dass sie damit ein Angebot offerieren, das sowohl von Kindern und Jugendlichen als auch von Erwachsenen angenommen wird. Auf dem Gelände  gibt es einen Parcours, außerdem ein Areal für Geschicklichkeitsspiele. Zusätzlich lädt Fischer zu Touren in und durch den Wald an – und auch die werden gern angenommen. Denn so ein Segway fährt sich einfach, und es lassen sich Flora und Fauna gut wahrnehmen.

Doch die untere Forstbehörde hat die Touren untersagt. Der Grund ist simpel: Im Wald und auf den Waldwegen sind Kraftfahrzeuge verboten. Das bestätigt auf Nachfrage Ralf-Peter Schmidt, Funktionsförster in der Oberförsterei Eberswalde. Für Helmer Fischer jedoch eine nicht nachvollziehbare Entscheidung: "Gerade in der heutigen Zeit, da überall von Elektromobilität gesprochen und dafür geworben wird, darf ich mit den Segways nicht mehr durch den Wald fahren. Nur weil die als Kraftfahrzeuge gelten, obwohl ich damit nicht schneller als bis zu 20 Kilometer pro Stunde fahren kann. Im Gegensatz dazu darf ich aber mit einem E-Bike, das bis zu 40 Kilometer pro Stunde schnell werden kann, durch den Wald düsen, und das nur, weil ich zwischendurch treten muss und das E-Bike deshalb kein Kraftfahrzeug ist." Argumente, die Fischer so nicht hinnehmen will, und deshalb vor Gericht gezogen ist. Doch die Justiz hat nur anhand der geltenden Gesetze und Vorschriften und damit gegen Fischer entschieden. "Der Antragssteller veranstaltet Offroad-Touren durch die Wälder der Schorfheide, bei denen neben öffentlichen Straßen auch Waldwege benutzt werden. Die Segways sind elektromotorbetrieben und erreichen eine Geschwindigkeit von bis zu 20 Kilometern pro Stunde. Nach Paragraf 16 des Landesumweltamtes Brandenburg ist das Befahren des Waldes mit Kraftfahrzeugen verboten. (....) Auch die Absicht des Gesetzgebers, Elektrokleinstfahrzeuge zum öffentlichen Straßenverkehr zuzulassen, ändere nichts an der aktuellen Rechtslage. Im Übrigen würde eine solche Zulassung nicht zwingend dazu führen, dass das Befahren von Waldwegen mit Segways damit gestattet werde", heißt es in der Begründung des Gerichtes.

Nun ist es nicht so, dass Fischer mit der Entscheidung die Segways nicht mehr benutzten darf. "Ich werde mich natürlich an die Vorschriften halten und nur noch auf den öffentlich zugelassenen Wegen fahren", sagt er. Zugleich stellt er jedoch klar, dass er sich auch jetzt noch nicht geschlagen geben will. Deshalb hat er sich nun an Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) gewandt. Er soll sich dafür einzusetzen, dass Elektrokleinstfahrzeuge und Fahrräder  gleichgestellt werden und im juristischen Sinne beides keine Kraftfahrzeuge sind.

Für Fischer ist es nur eine Frage der Zeit, bis das passiert. "Wir können uns nicht nach Gesetzen richten, die vor Jahrzehnten gemacht wurden. Damals war an Elektromobilität und elektrische Kleinstfahrzeuge wie Segways noch gar nicht zu denken. Heute sind sie von den Gehwege und öffentlichen Plätzen in den Städten gar nicht mehr wegzudenken. Deshalb muss geklärt werden, wo sie fahren dürfen und wo nicht und ob sie einem Fahrrad gleichgestellt sind. Das gilt natürlich im übertagenen Sinn auch für die Benutzung im Wald. Die Welt verändert sich, darauf muss schnell  reagiert werden, mehr fordere ich gar nicht", so Fischer. "Ich will auch keine Elektroautos im Wald, aber die Segways sind aus meiner Sicht nichts anderes als ein Ersatz für Fahrräder."

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