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Flugsport
Letzter Flugplatz in Gefahr

Sandwüste: Momentan ist hier kein Flugbetrieb möglich. Der Sonderlandeplatz Crussow ist vom Bau der neuen Erdgasfernleitung Eugal betroffen. Eine geplante Halle kann an vorgesehener Stelle nicht gebaut werden.
Sandwüste: Momentan ist hier kein Flugbetrieb möglich. Der Sonderlandeplatz Crussow ist vom Bau der neuen Erdgasfernleitung Eugal betroffen. Eine geplante Halle kann an vorgesehener Stelle nicht gebaut werden. © Foto: Oliver Voigt
Oliver Schwers / 04.04.2019, 07:30 Uhr - Aktualisiert 04.04.2019, 08:00
Crussow (MOZ) Ist der kleine Flugplatz Crussow noch zu retten? Durch den Bau der Eugal-Ferntrasse darf hier derzeit kein Ultraleichtflieger landen. Eine Schadensregulierung ist bis jetzt nicht erfolgt. Der Betreiber befürchtet das Aus für den Flugbetrieb und den Flugsportverein.

Eine braune Erdwüste zieht quer über den kleinen Flugplatz. Die Eugal-Trasse hat Spuren hinterlassen. Bereits im Boden versenkt sind an dieser Stelle die zwei parallel verlegten Riesenrohre der neuen Ferngasleitung. Es ging hier schneller als anderswo. An einen Flugbetrieb ist derzeit aber immer noch nicht zu denken. Die Piste muss erst wieder hergerichtet werden. Während der Bauarbeiten erfolgt eine sogenannte Besitzeinweisung von Trassenbauer Gascade. So lange bleiben die Flugzeuge fern.

Doch Bernd Finkbeiner – Betreiber des schon vor vielen Jahren aufgebauten und später an ihn verkauften Ultraleicht-Flugplatzes – fühlt sich von allen Seiten verlassen. Er muss nicht nur dulden, dass die Gasleitung über sein eigenes Gelände verlegt wird, sondern darf nicht mal eine bereits vom Landkreis genehmigte Flugzeughalle bauen. Jetzt fürchtet er gar das Ende des Flugbetriebs und das Aus des einzigen Flugplatzes der Uckermark.

Der Fall sorgte bereits für Aufsehen, denn Bernd Finkbeiner hat schon seit 2013 die Baugenehmigung in der Tasche, wovon Gasleitungsbetreiber Gascade auch wusste. Dennoch wischte das Landesbergbauamt beim Planfeststellungsverfahren für das große Eugal-Projekt alle Einwände vom Tisch. Gascade und die Behörde gehen davon aus, dass noch nicht mit dem Bau der Halle begonnen wurde. Doch Bernd Finkbeiner widerspricht. Schon 2015 seien der Bau der Zufahrt, die Befestigung der Abstellflächen, Flächeneinebnungen und der Aushub für die Löschwasserversorgung erfolgt. Bemühungen um Fördermittel für die Halle seien nun aber zunichte gemacht worden.

Gascade hatte versprochen, alle Schäden zu bezahlen – wie auch bei den in Anspruch genommenen Flächen der Bauern. "Doch bis heute erfolgte keine Schadensregulierung", schimpft Bernd Finkbeiner. "Gascade hält sich nicht an die Regeln." Ein Verkehrswertgutachten sei fehlerhaft, der alte Bauplatz ist tot, weil die Halle an der geplanten Stelle wegen der Leitung gar nicht mehr errichtet werden darf. Daraufhin hat der Betreiber das Gebäude auf dem Papier verschieben lassen – weiter weg von den unterirdischen Rohren – und dafür einen neuen Bauantrag gestellt. Das alles kostet Geld und Zeit. "Wir wollen hier eine Struktur in der Uckermark erhalten, deshalb soll sich Gascade uns widmen und eine Lösung finden." Schließlich habe es den Flugplatz vorher gegeben, und die Baugenehmigung ebenso.

Ähnlich sieht das auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Jens Koeppen. "Wenn wir bei der Energieversorgung so weitermachen, werden wir künftig keine Akzeptanz mehr bekommen." Er verspricht, sich nun direkt ans Bundeswirtschaftsministerium zu wenden. Das hat auch der ebenfalls konsultierte SPD-Bundestagsabgeordnete Stefan Zierke in einem Brief an Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach getan. "Es ist skandalös, dass ein Unternehmen eine Leitung durch Deutschland zieht und nach dem Verlegen der Rohre keine Vereinbarungen mehr kennt, geschweige denn einhält", so Zierke. Von Gascade fordert er in einem Schreiben, dass man den unternehmerischen Pflichten nachkommen solle.

Das Unternehmen hält sich aufgrund schwebender Verfahren derzeit zurück. "Der Flugsportverein und wir von der Gascade sind in regelmäßigem Austausch", heißt es in einer Stellungnahme. "Der Verein wird nach allen geltenden Regeln entschädigt. Zudem haben wir in der Vergangenheit im Zuge der Bauarbeiten beispielsweise geholfen, Container des Flugsportvereins zu versetzen. Wir versuchen die Beeinträchtigungen für den Verein so gering wie möglich zu halten und Bauarbeiten zügig abzuschließen – wie auch bei allen anderen Eigentümern und Anwohnern."

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