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Kinderbauernhof Für den Erhalt der Einrichtung in Börnicke soll Betreiber Heiko Jesse einen "Zur-Schau-Stellungs"-Antrag stellen – das will er nun umgehend tun.

Natur
Einen Antrag für "Ferdinand"

Kai-Uwe Krakau / 05.04.2019, 22:30 Uhr
Börnicke Nach anderthalbstündiger Diskussion war man sich einig: Der Kinderbauernhof Börnicke muss erhalten bleiben. Zwischenzeitlich schwankte die Stimmung am Freitagnachmittag rund um den blauen Robur-Bus des rbb-Fernsehens durchaus, gab es verwunderte Gesichter und ungläubiges Kopfschütteln. Jenny Limberg, die oft Highland-Rind "Ferdinand" und Co. besucht, hatte Redakteur Michael Scheibe und sein Team eingeladen, um auf die drohende Schließung des Kinderbauernhofes aufmerksam zu machen. Gemeinsam mit dem Landkreis Barnim und der Stadt Bernau sollte, so die Hoffnung, eine Lösung gefunden werden.

Für  eine faustdicke Überraschung sorgte bei Jesse und den rund 30 Zuhörern der stellvertretende Landrat Holger Lampe. Bisher hieß es nämlich, dass die Nutzung des Grundstücks im "bauordnungsrechtlichen Sinn" illegal ist. Lampe verwies nun aber auf eine veterinärrechtliche Verfügung aus dem Jahr 2018. Darin wurde dem Betreiber die "Zur-Schau-Stellung" von Tieren untersagt. Dafür liege keine Genehmigung vor. Darüber hinaus habe es auch Anzeigen gegeben. "Eigentlich wird hier ein Zoo betrieben", so der Vize-Landrat.

"Dieses Schreiben habe ich nie erhalten", sagte Jesse und forderte Lampe auf, die Verfügung zu zeigen. Dieser lief zu seinem Auto, holte das Schreiben und präsentierte es dem Kinderbauernhof-Betreiber. Der Börnicker las es und staunte: "Seit dem letzten Jahr gab es mehrere Kontrollen durch kreisliche Veterinäre. Da hätte man doch mit mir sprechen können", so Jesse.

Bernaus Bürgermeister André Stahl ging danach auf die bauordnungsrechtlichen Probleme ein. "Wenn der Flächennutzungsplan geändert werden muss, werden wir das sicher tun", betonte der Linken-Politiker. Er verwies auch darauf, dass landwirtschaftliche Bauten im Außenbereich, dort befindet sich der Kinderbauernhof, durchaus zulässig sind. "Wir wollen die Einrichtung erhalten", so Stahl weiter. Die Voraussetzung sei aber ein entsprechender Antrag und ein ordentliches Verfahren. "Wir werden sehen, ob sich dann bauliche Konsequenzen ergeben", so der Bürgermeister.

Unterstützung gab es auch von einigen Stadtverordneten. "Alle Beteiligten sollten sich an einen Tisch setzen und das Problem lösen", befand Jürgen Althaus SPD). Christine Poppitz (Linke) sah den Betreiber für den ersten Schritt in der Pflicht: "Es gibt in Deutschland nun einmal Regularien, die eingehalten werden müssen". Wolfgang Kirsch (Linke) kündigte an, das Thema auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses zu setzen. Péter Vida (BfB/Freie Wähler) wunderte sich, dass der Landkreis die Verfügung nicht vollzogen hat. "Das muss geklärt werden". Andreas Neue (Bündnis für Bernau) erklärte: "Wenn die Politik sich einig ist, sollten die Verwaltungen unterstützen".

Jesse will nun, "obwohl ich einen Landwirtschaftsbetrieb habe", den "Zur-Schau-Stel-lungs"-Antrag schreiben. Am Samstagmorgen soll die E-Mail im Paul-Wunderlich-Haus in Eberswalde eingehen.

Historie

Der Kinderbauernhof liegt im Außenbereich in einem Gartendenkmal und grenzt unmittelbar an ein Flora-Fauna-Habitat-Gebiet an. Er kann nur auf der Grundlage eines Bebauungsplanes genehmigt werden. Diesen gibt es bisher noch nicht. Der Flächennutzungsplan der Stadt Bernau weist für das ein Hektar große Areal Grünflächen (Park) sowie landwirtschaftliche Flächen aus. Ab 2007 gab es eine auf drei Jahre befristete Baugenehmigung für ein Vorhaben unter der Bezeichnung "Kinderbauernhof". Die Frist sollte genutzt werden, um die bauplanungsrechtlichen Voraussetzungen für eine dauerhafte Lösung zu schaffen. Dies geschah nicht. Derzeit liegt kein Bauantrag vor.au

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