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Denkmal
Goldener Lenin grüßt Trebus

Annemarie Diehr / 12.04.2019, 06:30 Uhr
Trebus (MOZ) Kaum sitzt er aufrecht auf seinem 1,20 Meter hohen Sockel, den Blick über den Hof der IFA-Freunde in Trebus gerichtet, da bekommt er schon wieder einen Sack übergestülpt. "Enthüllt wird er erst zur Langen Nacht der Museen am 10. Mai", stellt Günter Wehr, der Vereinsvorsitzende, klar. Angesprochen ist das Stahlguss-Abbild des Begründers der Sowjetunion: Wladimir Iljitsch Lenin.

400 Kilo schwer und 90 Zentimeter hoch ist die Büste, die Wehr mit Hilfe eines Gabelstaplers und drei weiteren IFA-Freunden auf den Betonsockel vor der Ausstellungshalle manövriert. "Den musste ich haben", sagt Wehr, der den Lenin-Kopf im Winter 2017 bei einer Fahrt vom polnischen Küstrin nach Küstrin-Kietz entdeckt hat. Dort grüßte er Besucher auf der einst "Schanze" genannten Fläche zwischen der Eisenbahn- und der Autobrücke auf der Oderinsel. "Nach drei Monaten Verhandlung mit dem Eigentümer hat er uns die Büste als Dauerleihgabe überlassen", erzählt Günter Wehr. Weil das Abbild des russischen Revolutionsführers in schlechtem Zustand war – "gelb und verrostet", beschreibt Wehr – bekam es in den letzten Wochen in der Lackierwerkstatt von Sven Deerberg in Fürstenwalde Nord einen frischen Anstrich in Gold.

Bei den IFA-Freunden ist die Büste in bester Gesellschaft: Den sogenannten "Lenin-Platz" auf dem Gelände ziert eine Statue, die von Kasernen in der Alten Langewahler Chaussee nach Trebus gerettet wurden; in einer der Fahrzeughallen steht ein Lenin-Denkmal, das Wehr 2015 vom Garten des Strausberger Heimatmuseums nach Trebus beförderte; in den Ausstellungsräumen finden sich zahlreiche Portraits, die vom Leninkult in der DDR zeugen. "In der DDR waren Lenin-Denkmäler überall präsent. Dieses Kulturgut wollen wir erhalten", sagt Wehr.

Gleiches dachten sich auch André Schneider und sein Vater Detlef, Fischer aus Küstrin-Kietz, als er vor vier Jahren aus der MOZ erfuhr, dass ein Ehepaar, das mit dem Erwerb seines Grundstückes im Ort auch den Küstriner Lenin geerbt hatte, einen neuen Besitzer für diesen suchte. "Zum Verschrotten viel zu schade", sagt André Schneider. So landete die Büste also an der Brücke über die Oder. "Wir wollen den Lenin schon irgendwann wiederhaben", sagt er zu der Leihgabe. Und nein – mit der bevorstehenden Brückenerneuerung, für die der Kopf ohnehin hätte weichen müssen, habe der vorübergehende Aufenthalt in Trebus nichts zu tun. "Wir wollten das Museum einfach in seiner Arbeit unterstützen", erklärt Schneider.

IFA-Freunde wollen mehr

Damit sie nicht verrutschen kann, bekommt die Lenin-Büste am Übergang zu ihrem eigens gegossenen Sockel bis zu ihrer Enthüllung bei der Langen Nacht der Museen noch einen unsichtbaren Kragen aus Silikon. Die Arbeit ist für die IFA-Freunde somit aber längst nicht getan. Günter Wehr will mehr: Als nächstes klemme er sich dahinter, den Lenin-Kopf aus Sassnitz nach Trebus zu holen. "Und den aus Halle möchte ich auch noch haben", sagt er. Die Leninallee in Trebus – sie könnte Wirklichkeit werden.

Wie die Leninbüste nach Küstrin kam

Zwischen 1941 und 1945 kam die Büste als Kriegsbeute nach Küstrin-Kietz, wo sie eingeschmolzen werden sollte. Zwei Arbeiter bewahrten sie in einem Versteck davor. Wie Horst Herrmann, vom Verein für die Geschichte Küstrins recherchiert hat, kam sie beim Ausbau des Kietzer Bahnhofs  wieder zu Tage. Die Büste wurde an die Bahnhofstraße gestellt, zog ab den 50er-Jahren zweimal um. Nach 1990 wurde sie hinter der Gemeindeverwaltung abgelegt, bis sie ein Nachbar auf seinen Hof rettete.⇥amd

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