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Die Herzfelder Kreislaufwirtschafts- und Verwertungs GmbH (HKV) hat ihre Deponiepläne auf dem Gelände der alten Tongruben verteidigt.

Bergbau
"Keine Geheimgespräche"

Symbolbild
Symbolbild © Foto: Daniel Bockwoldt/dpa
Uwe Spranger / 26.04.2019, 09:00 Uhr - Aktualisiert 26.04.2019, 11:37
Herzfelde (MOZ) Nach jüngsten Aktivitäten der Bürgerinitiative (BI) Gesund Leben am Stienitzsee unter anderem mit dem Fernsehsender rbb versucht die Geschäftsleitung des Herzfelder Unternehmens, ihre Sicht der Dinge in die Öffentlichkeit zu bringen. Es gebe keinerlei Geheimgespräche, betont Detlef Heise, einer der drei Chefs der HKV. Das Anliegen sei der Gemeinde seit 2014 bekannt, verweist er auf Vorstellungen der Pläne in Ausschüssen. Schon damals war erklärt worden, dass nicht nur die Verfüllung der ehemaligen und noch in Betrieb befindlichen Ton-Lagerstätten auf Geländeniveau vorgesehen sei, sondern darüber hinaus ein bis zu 400 Meter langer und 40 Meter hoher Berg parallel zur Strausberger Straße.

Unterlagen noch nicht komplett

Derzeit würden die Unterlagen für ein Verfahren beim Landesumweltamt komplettiert. Offiziell gebe es noch keinen Antrag, weil sie eben noch nicht vollständig seien. Im Spätsommer oder Herbst könnten die dicken Ordner, die weit über die bei einem vorgeschalteten Scoping-Verfahren präsentierten gut 30 Seiten hinausgehen, fertig sein, so dass Ende 2019/Anfang 2020 das eigentliche Verfahren starten könnte, schätzt Heise. Er geht davon aus, dass das Landesumweltamt die Unterlagen im Beteiligungsverfahren auch an die Bürgerinitiative schickt.

Heise sagt, mit der Deponie für ungefährliche mineralische Abfälle bekomme die Bergbau-Tätigkeit am Standort einen klareren Zeithorizont. Denn die eine Lagerstätte biete noch ein erhebliches Ton-Vorkommen, das abgebaut werden müsse. Die Qualität sei zwar nicht für Ziegelproduktion geeignet, wohl aber für Abdichtungen zum Beispiel von Deichen oder Deponien. So müsste man nicht auf Bedarf von außen warten, sondern könnte eigenes Material auf eigenem Gelände  nutzen. Das wäre für die Transportmengenbilanz vorteilhaft.

Nach seinen Angaben werde sich der Lkw-Verkehr nicht wesentlich erhöhen. Im veranschlagten Schnitt lägen die Mengen unter denen, die bisweilen heute schon abgefertigt würden. Detaillierte Angaben würden sich in den Unterlagen für das Verfahren finden. Die Bürgerinitiative prognostiziert hingegen Abfallkipper-Schwerlastverkehr, der Straßen zerstöre und durch Lärm, Feinstaub, Stickoxide über Jahrzehnte die Gesundheit gefährde.

BI und Naturschützer halten zudem den Deponie-Bedarf für fraglich und verweisen auf Unterlagen von 2017. Darin heißt es zwar, dass es derzeit in Brandenburg keine Deponien für die zur Ablagerung vorgesehenen Stoffe mit der Klassifizierung DK 0 gebe, aber das Volumen der Deponien für andere Stoffe würde auch für die zusätzliche Abfallmenge über das Jahr 2027 hinaus ausreichen. Somit sei kein im dringenden öffentlichen Interesse liegender Bedarf ersichtlich.

Dem hält Heise entgegen, dass als Folge des anhaltenden Baubooms in Berlin und dem Umland massig Bauschutt und Erdaushub anfallen. Zwar habe der Gesetzgeber schon seit Jahren vorgegeben, dass möglichst viele Stoffe wiederverwendet werden sollen. Aber ein erheblicher Teil müsse weiter fachgerecht gelagert werden, denn für Recyclingmaterial gälten restriktivere Vorschriften als für Naturmaterial, obwohl dies bisweilen schlechtere Werte aufweise.

Das Angebot in Herzfelde hielte jedenfalls die Transportwege für die Region kurz, sagt Heise. Und das meiste werde wie jetzt über die B1 kommen und Hennickendorf nicht tangieren.  Es gebe auch nach wie vor Bemühungen um Reaktivierung des Gleisanschlusses.

BI plant Umweltdialog im Mai

Der HKV-Chef versuchte zudem, die potenzielle  Landmarke beispielsweise für touristische Zwecke schmackhaft zu machen. Auch in Berlin gebe es Attraktionen auf einstigem Schutt, verwies er zum Beispiel auf die Gärten der Welt. Eine Zugänglichkeit des Privatgeländes stellte er nur bei Umsetzung der neuen Pläne in Aussicht. Schließlich erfordere die Rekultivierung der Tagebaulandschaft Millioneninvestitionen, die das Konstrukt aus drei Familienunternehmen   bewerkstellige. Und er sieht die eigenen Ideen in Übereinklang mit den Planungen der Kommune, die einen Grünzug an den Straßen enthalten.

Die Bürgerinitiative will sich am 16. Mai das nächste Mal mit der Thematik befassen. In der Aula der Grundschule am Stienitzsee wird ein "Umweltdialog mit allen Fakten" unter dem Motto "Tongrubenrenaturierung oder Bauabfalldeponie?" angekündigt.

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