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Am Schiffshebewerk Niederfinow trainierten am Wochenende Einsatzkräfte aus Bernau und Potsdam-Mittelmark unter den Augen der Besucher.

Ernstfall simuliert
Erprobte Seilschaften

Viola Petersson / 13.05.2019, 06:45 Uhr
Niederfinow (MOZ) Die Besucher des Schiffshebewerkes Niederfinow staunen am Sonnabend nicht schlecht. Fast im Minutentakt seilen sich mittags von der Aussichtsplattform Männer ab. Allein oder zusammen mit scheinbar hilflosen Personen. Nein, dies ist kein Notfall. Keine Havarie. Und auch nicht der Dreh für einen Actionsfilm. So spektakulär der Einsatz auch anmutet. Das ist eine Übung. Eine Höhenrettungsübung. Die Freiwillige Feuerwehr Bernau und Kollegen aus dem Landkreis Potsdam-Mittelmark sowie vom Rettungdienst Barnim trainieren und proben den Ernstfall.

Ohne Netz und doppelten Boden, dafür aber mit doppelter Sicherung. Oder wie es in der Fachsprache heißt mit redundanter Sicherung. Anders als im Klettersport, im alpinen Sport, wo es nur eine einfache Absicherung gebe, wie wir bei unserer Stippvisite erfahren. Ansonsten aber sei, was die technische Ausrüstung und die Techniken betrifft, schon vieles vergleichbar mit dem Klettersport oder dem Industrieklettern. Der Ursprung, so sagt Tobias Tippelt aus Bernau, komme aus dem Alpinsport und der Bergrettung. "Alles läuft über Seile." Karabinerhaken und den Radeberger Haken, die Seilbremse.

Während die Männer umbauen, um das nächste Szenario zu üben, verrät Jörg Erdmann, Leiter der Feuerwehr Bernau: Die Abteilung Höhenrettung der Bernauer Wehr sei die einzige im ganzen Kreis. Immer wenn es um Rettung von Personen aus Höhen und Tiefen im Barnim ginge oder um technische Hilfe dort, werde seine Truppe gerufen. Jüngst beispielsweise, als es zu Windbruch an der Bahnstrecke Bernau – Zepernick gekommen war.

Seit 2000 gebe es die Truppe. Der Einsatz erfordere eine Spezialausbildung. "80 Stunden Grundkurs und jährlich 70 Stunden Weiterbildung", so Erdmann. Dazu gehören auch solche praktischen Einsatzübungen. Viele Orte gebe es dafür allerdings nicht. Fürs Training nutze man u. a. Baukrane und Windräder. Sowie das Hebewerk. "Vor einigen Jahren waren wir schon mal hier zur Übung."

Intensive Spezialausbildung

"Klar, so was hier macht richtig Spaß", sagt Michael Pientschke aus Schönow, der seit 2016 dabei ist. Wer bei der Höhenrettung mitmachen wolle, müsse natürlich höhentauglich sein, und eben Zeit investieren.

Jörg Schumacher, Chef des Hebewerkes, ist höhentauglich. Diesmal lässt er sich allerdings nicht abseilen ("Das habe ich beim letzten Mal ausprobiert."), sondern begleitet die Kameraden nur und beobachtet, sorgt für einen reibungslosen Ablauf. Schumacher hat Erfahrung mit ungewöhnlichen Einsätzen. Immer wieder ist der Fahrstuhl Kulisse für Filme, Stunts oder eben Übungen. "Auch die Bundespolizei hat hier schon trainiert." – Dass die Männer aus Bernau und Potsdam-Mittelmark absolut fit sind, davon hatte sich am Morgen schon rbb-Moderatorin Joanna Jambor überzeugen können. Die Kräfte haben die Wetterfee bei Dreharbeiten für "Brandenburg aktuell" sicher aus 40 Metern Höhe auf den Boden geholt. Etwas blass, aber mit einem guten Gefühl war die TV-Frau aus der Trage gekrabbelt.

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