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Das Angermünder Museum hat die berühmte Schmiedeberger Bilderchronik von Otto von der Hagen als Buch neu herausgegeben.

Geschichte
Konservierter Mikrokosmos eines Dorfes

Daniela Windolff / 21.05.2019, 06:15 Uhr
Schmiedeberg (MOZ) Mit Skizzenblock und Stiften ist Otto von der Hagen durch sein Heimatdorf Schmiedeberg gewandert, hat akkurat gezeichnet, was ihm vor die Augen kam: Häuser, Zäune, Ackergeräte, Waschtröge, Küchenutensilien, archäologische Funde ... Entstanden ist ein Bilderbuch, das sich wie ein Lexikon der Ortsgeschichte und Alltagskultur im ländlichen Raum liest, ein konservierter Mikrokosmos eines uckermärkischen Dorfes um 1900: Die Schmiedeberger Bilderchronik.

Otto von der Hagen (1860-1942), seinerzeit Leiter des Uckermärkischen Museums Prenzlau und leidenschaftlicher Heimatforscher, hat mit seinem 1919 begonnenen handschriftlichen Skizzenbuch der Nachwelt einen Schatz hinterlassen, der für Historiker ein unschätzbarer Fundus zur Erforschung der Regionalgeschichte der Uckermark ist. Das Angermünder Heimatmuseum bewahrt dieses einmalige Kleinod auf, das inzwischen komplett restauriert wurde.

Chronik in Buchform

Heute, genau 100 Jahre nach der Veröffentlichung der historischen Bilderchronik, legt das Museum eine aufwendig recherchierte und überarbeitete Neuauflage der Schmiedeberger Bilderchronik in Buchform mit Reprints der Originalskizzen und umfangreichen Erläuterungen vor, die zur 700-Jahr-Feier des Dorfes herausgegeben wird. Autor ist der Angermünder Museologe Lutz Libert, der seit 2012 an diesem Projekt arbeitet, denn trotz der langen Schließzeit des Angermünder Museums für die Öffentlichkeit wurde hinter den Kulissen weiter geforscht und publiziert.

"Der Wert dieser Chronik liegt vor allem darin, dass die alltägliche ländliche Gegenstandswelt  vor der Industrialisierung dokumentiert ist, die inzwischen längst verschwunden ist", betont der Angermünder Museumsleiter Ralf Gebuhr. Sie halte Erinnerungen an das Alltagsleben eines Dorfes wach in einer Zeit, in der auch Ehm Welks literarische "Heiden von Kummerow" spielen. So wird eine Zeitepoche auch für künftige Generationen lebendig nachvollziehbar.

Was die Historiker besonders fasziniert, ist die wissenschaftliche Herangehensweise von der Hagens. "Er hatte schon damals ein sehr aktuelles Wissenschaftsverständnis, dokumentierte akribisch jedes Detail und brachte volkskundliche und archäologische Forschungen zusammen, wie es heute auch üblich ist", erklärt Ralf Gebuhr.

Otto von der Hagen, der in Schmiedeberg als Nachfahre des bedeutenden Germanisten und ersten Professors für altdeutsche Literatur Friedrich von der Hagen geboren wurde, unternahm selbst Ausgrabungen und baute in Schmiedeberg ein kleines volkskundliches Museum für seine Sammlungen auf. Das Blockhaus ist noch erhalten und wird heutzutage privat als Wohnhaus genutzt.

Die Schmiedeberger Bilderchronik hat nun als Ausstellung  zeitweilig im Gemeinderaum einen Platz. Sie zeigt ausgewählte Motive und Bilder der Chronik von der Hagens. Als Buch ist sie in einer Auflage von 500 Exemplaren erschienen.

Schon bei der öffentlichen Präsentation am Wochenende war Autor und Geschichtsforscher Lutz Libert ein gefragter Gesprächspartner und die Chronik ein Verkaufsschlager. Dank einer Förderung durch die Bürgerstiftung der Sparkasse kann der Verkaufspreis mit zehn Euro sehr erschwinglich gehalten werden. Die Chronik ist im Angermünder Museum sowie bei verschiedenen Veranstaltungen erhältlich.

Weitere Jubiläumshöhepunkte

Die nächste Jubiläumsveranstaltung im 700-jährigen Schmiedeberg steht schon am 9. Juni an. Um 14 Uhr wird eine Gemäldeausstellung mit Bildern von Hans von der Hagen sowie ein Bilderpfad durch Schmiedeberg eröffnet. Anschließend wird um 16 Uhr zu einer Kirchenführung eingeladen. Am 3. August feiert Schmiedeberg ab 15 Uhr dann das Hauptfest zur 700-Jahr-Feier auf dem Festplatz am Kaulsee. Am 17. August wird es noch einmal historisch. Um 14.30 Uhr wird in der alten Mühle die neue Schmiedeberger Dorfchronik vorgestellt. Um 17 Uhr erklingt in der Kirche ein Konzert der Uckermärkischen Musiktage.

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