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Die "Gartenfreunde" Krummensee tragen ihren Teil zu einem florierenden Ort bei. Es geht um Schönheit, aber auch um sozialen Zusammenhalt.

Zuwachs
Gartenfreunde sorgen für soziales Leben

Kerstin Ewald / 21.05.2019, 07:00 Uhr - Aktualisiert 21.05.2019, 08:57
Krummensee (MOZ) Feuerwehr und andere Vereine sind die Gartenfreunde kleine Motoren des sozialen Lebens im Ort. Die Gartenfreunde Krummensee wachsen sogar.

Endlich können die Geranien vom Gewächshaus ins Freie. Die Eisheiligen, die einen frostigen Mai bescherten, sind nunmehr vorbei. Reiner Lucius, Vorsitzender der örtlichen Gartenfreunde, hat zum zweiten Mal die Aktion "Krummensse blüht auf" ausgerufen. Noch bis August freut er sich mit seinen Mitstreitern besonders über Blumenkübel, originelle Objekte und neue Naturschönheiten in den Vorgärten.

Eine Jury wird kurz vor dem Dorffest, am 31. August, die Sieger des "Schönheitswettbewerbes" küren. Bis dahin gehen die Gartenfreunde aufmerksam durchs Dorf und freuen sich über alle blühenden Überraschungen am Wegesrand.

Jeder Verein ist ein kleiner Motor

Wichtig sind Vereine, so die "Gartenfreunde" für kleine Dörfer wie Krummensee. Und dabei geht es längst nicht nur um die Schönheit. Zusammen mit der Feuerwehr, den Jägern, den Anglern, dem Förderverein Dorfkirche, dem Jugendtreff und einer historischen Gruppe sind die Gartenfreunde kleine Motoren des sozialen Lebens im Ort.

Möglicherweise ist die Arbeit der Initiativen heute, da die Leute für alle wichtigen Daseinsfunktionen  – Arbeit, Schule und Einkauf – an andere Orte fahren müssen, noch wichtiger als früher. Der kleine Konsum als Zellkern des Dorflebens ist Vergangen-heit.

"Wir haben die Gartenfreunde kurz nach der Wende gegründet, um das Gemeinschaftsleben hier mit zu gestalten", erklärt Reiner Lucius. Dabei verstand man sich als Nachfolger des "Vereins der Siedler und Kleingärtner". Damals in der DDR sei es verstärkt um die Selbstversorgung und ein finanzielles Zubrot gegangen, erinnert Reiner Lucius und kommentiert schmunzelnd: "So mancher Trabbi ist im Garten gewachsen". Nach den ersten Wendejahren, in denen sich viele erst einmal auf die Supermarkt-Waren stürzten, begann man wieder, das eigene Gemüsebeet zu pflegen. Andere legten sich ihre Gärten wie private kleine Parks an.

Neue Mitstreiter gewonnen

"Wie viele Dorfvereine, sind auch die ‚Gartenfreunde’ zusammen älter geworden, die meisten von uns sind zwischen 50 und 80 Jahren alt, einer ist sogar 92", so Lucius. Doch er ist niemand, der dieser Entwicklung nicht untätig zuschaut. "Wir konnten schon einige neue Familien, zugezogen aus Berlin, für den Verein gewinnen", so Lucius, der selbst erst in den 90er Jahren mit Familie nach Krummensee kam. "Wir können nicht warten, bis die Neuen auf uns zugehen, wir Alteingesessenen müssen die Initiative ergreifen!" Das ginge schon los mit dem "Grüßen" los.

Und immerhin: Der Gartenverein, der mal auf dürre 22 Mitglieder geschrumpft war, kann jetzt wieder mit 42 Mitstreitern rechnen.

Man trifft sich regelmäßig zu Ausflügen und feiert Feste. Gerne würde Lucius mehr Fachvorträge zu Gartenthemen wie Pflanzenvermehrung oder -schutz organisieren. Doch professionelle Referenten sind teuer, ein kleiner Verein wie dieser kann sich die Honorare kaum leisten. "Wir machen, war wir können und die Stadt Werneuchen unterstützt uns dabei", verspricht Lucius.

Wachsende Vereinszahlen im Landkreis Barnim

Rund 4500 Vereine sind in Brandenburg in den Jahren 2006 bis 2016 aus den Registern verschwunden – ein bundesweiter Negativrekord. Zwar haben sich im selben Zeitraum 4464 Vereine gegründet. Doch der negative Saldo ist in dieser Bilanz maßgeblich. Zu diesem Ergebnis kamen die Autoren der 2018 veröffentlichten Studie "Vereinssterben in ländlichen Regionen– Digitalisierung als Chance" fest, durchgeführt vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. Zusammen mit einigen anderen brandenburgischen Landkreisen verbesserte der Barnim hingegen die Bilanz leicht. Hier wurden im Zeitraum 2006 bis 2016 mehr Vereine eingetragen als gelöscht. ⇥kew

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