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Kindertag
Die Tradition lebt in Böhne

Kindertagsfeier auf dem alten Dorfplatz in Böhne (um 1960): von links nach rechts zu sehen sind hier Horst Harke, Manfred Rausch, Hans-Jürgen Wodtke.
Kindertagsfeier auf dem alten Dorfplatz in Böhne (um 1960): von links nach rechts zu sehen sind hier Horst Harke, Manfred Rausch, Hans-Jürgen Wodtke. © Foto: Wodtke
Hans-Jürgen Wodtke / 28.05.2019, 17:29 Uhr
Böhne Wenn an diesem Samstag, 1. Juni, der Böhner Förderverein die Kinder des Ortes und Interessierte aus den Nachbargemeinden zur diesjährigen Kindertagsfeier einlädt, so hat das im Rathenower Ortsteil eine lange Tradition. Schon in den frühen 1960er Jahren wurde der damals noch junge Ehrentag für Kinder in der DDR im Haveldorf gebührend begangen.

Maßgeblichen Anteil am ersten "Böhner Kindertag" hatte die damals noch sehr junge Elfriede Richter. Sie übernahm im Schuljahr 1958/59 als Leiterin die dreiklassische Dorfschule in Böhne. Gemeinsam mit den Eltern der ihr anvertrauten Kinder und weiteren Unterstützern organisierte sie den ersten Kindertag im Ort. Mit dieser Initiative lag die Gemeinde voll im gesellschaftlichen Trend, denn den Internationalen Kindertag gab es noch nicht lange und dann auch überwiegend nur in den Ländern des Ostblocks. Nach dem Weggang von Lehrerin Richter führte die neue, ebenfalls noch sehr junge Schulleiterin Hannelore Kuschmann die bereits beliebte Veranstaltungsreihe im Ort mit Erfolg weiter. Wer diese Zeit erlebt hat und sich noch daran erinnern kann, wird ermessen können, wie viel Kraft und Herzblut erforderlich waren, um damals eine niveauvolle und erlebnisreiche Kinderveranstaltung auf die Beine zu stellen.

Umso bemerkenswerter ist es deshalb, dass es Lehrerin, Eltern und Unterstützer Jahr für Jahr gelungen ist, den Kindertag zu einem besonderen Tag im Gemeindeleben zu machen. Und ich weiß wovon ich schreibe, denn ich war von Anbeginn bis etwa Mitte der 1960er Jahre mit dabei. Soweit ich mich erinnern kann, hatten wir zu jener Zeit am 1. Juni immer schönes Wetter. Und falls nicht, dann stand mitten im Dorf der Saal von Mariechen Bertzaus Gastwirtschaft als Schlechtwettervariante zur Verfügung. Ganz anders als heute lockten noch keine Hüpfburg oder Ponyreiten die Kinderschar auf den Festplatz gegenüber der einstigen Konsum-Verkaufsstelle. Stattdessen gab es für uns Kinder als sportliche Herausforderungen Sackhüpfen, Eierlaufen und Büchsenwerfen. Doch der Höhepunkt war stets das Tauziehen, bei dem mit allen "Haken und Ösen" um den Mannschaftssieg gerungen wurde.

Kleine Preise, die uns zu jener Zeit aber als besonders wertvoll erschienen, belohnten die Sieger der Wettkämpfe. Und weil so wertvoll für uns waren, wurde auch um jeden Sieg mit der höchstmöglichen Konzentration und Kraftanstrengung gekämpft.

Anstelle einer spektakulären Fahrt mit dem Feuerwehrauto der örtlichen Wehr, spannte zu unserer Zeit Walter Möhring seinen Schimmel vor den Einspännerwagen und fuhr mit den singenden und johlenden Kindern durch das kleine Böhne.

Ab 17.00 Uhr trafen sich die Kinder des Dorfes zum Kindertanz im Saal der Ortsgaststätte. Hier, wie sollte es zu jener Zeit auch anders sein, spielte eine Drei-Mann-Kapelle für die Kinder des Ortes zum Tanz auf. Erstaunlicherweise machten die anwesenden Böhner Kinder von dem Angebot immer wieder regen Gebrauch und "schwebten", wie bei den Alten zuvor gesehen, über das Parkett.

Ich selbst hatte noch nicht das Tanz-Interesse bei mir entdeckt. So erfasste mich dann auch Panik, als nach angekündigter Damenwahl sich eines der anwesenden Mädchen auf meinen Tisch zu bewegte. Ich sah da nur einen Ausweg: Runter unter den Tisch! Das gelang auch noch rechtzeitig. Doch der Hosenaufschlag meiner neuen, kurzen Hose hatte nach dieser Aktion einen langen Riss. Offenbar war ein Nagel, welcher aus dem damals recht bescheidenen Gestühl herausragte, der Übeltäter. Der Spott meiner Altersgenossen ließ anschließend nicht lange auf sich warten. Etwas Gutes hatte das schmerzliche Erlebnis aber für mich: Ich bin seitdem nie wieder bei Damenwahl unter dem Tisch verschwunden.

Mit dem Schuljahr 1961/62 kam es zur Auflösung der Böhner Zwergschule. Damit verlor der Ort den eigentlichen Motor für weitere Kindertagsveranstaltungen. Dass es in der Folge zu keinem Abbruch der Veranstaltungsreihe kam, ist mehr als bemerkenswert. Offensichtlich hatten sich die gesellschaftlichen Kräfte im Ort schon soweit etabliert, dass die bei Kindern und Eltern beliebte Kindertagsfeier weiterhin stattfinden konnte. Tragende Kraft war nun der Dorfklub, der dann in den Folgejahren mit den Erziehern des ab Mitte der 1960er Jahre eingerichteten Kindergartens die Veranstaltungen für die nächste Jahre organisierte.

Heute, mit mehr als 50 Jahren Abstand, können wir einstigen Kinder des kleinen Haveldörfchens uns glücklich schätzen, dass für uns die richtigen Leute zur richtigen Zeit da waren. Schön, dass nun seit geraumer Zeit sich Initiatoren gefunden und die die alte Tradition wiederbelebt haben. Und wer weiß, vielleicht berichtet in etwa 60 Jahren einmal ein Vertreter der heutigen jungen Generation von seinen unvergesslichen Erlebnissen am "Böhner Kindertag".

Die Party 2019 beginnt um 14.00 Uhr am Gemeindezentrum. Gefeiert wird bis etwa 17.00 Uhr.

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