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Kunsthalle
Grenzerfahrungen für den Betrachter

Simone Weber / 28.05.2019, 17:57 Uhr
Bahnitz "Über Grenzen" ist die neue Ausstellung des Kunstverein Bahnitz e.V. in Kooperation mit der Sammlung Video-Forum des Neuen Berliner Kunstvereins (n.b.k.) in der Kunsthalle Bahnitz betitelt. 17 Künstler, darunter Christa und Karlheinz Bieberbick, Sabrina Jung, Jobst Günther und Ulrich Bülhoff, die ihre Ateliers in Bahnitz haben, sowie auch in Berlin lebende Künstler beschäftigen sich in ihren Werken auf sehr unterschiedliche Weise mit dem Thema Grenzerfahrung. Und dies nicht nur thematisch, sondern auch von der künstlerischen Herangehensweise her.

So gibt es geografische oder politische Grenzen. Die Künstlerin Janet Hesse interviewte fünf Frauen und Männer, die in ihrer Kindheit gemeinsam mit ihrer Familie als "politisch unzuverlässig", gleich in den 1950er Jahren oder Anfang der 1970er Jahre aus dem Grenzgebiet der DDR zur BRD ins Landesinnere zwangsumgesiedelt wurden. Zusätzlich zu den ausgestellten Interviewtexten entstanden Fotos, die gezeigt werden.

Grenzerfahrungen sind ganz unterschiedlicher Natur. "Auch emotionale Zustände und individuelle Erlebnisse verbinden wir mit Grenzsituationen, etwa wenn wir von Schmerzgrenzen oder Grenzerfahrungen sprechen. Fragen zu moralischen und ethischen Verhaltensweisen verweisen auf Grenzbereiche des menschlich Zumutbaren, die immer weiter gesteckt werden. Wie dehnbar sind diese Grenzen?", erklärt der Inhaber der Kunsthalle, Bodo Rau, der die Ausstellung gemeinsam mit der Berliner Künstlerin Lisa Schmitz kuratiert, das Thema und Ziel der Ausstellung.

"Grenzerfahrungen sind seit jeher Teil einer Kultur gewesen. Das Ziel der Erfahrung, bis an das eigene Limit zu gehen, dient der nachhaltigen Entwicklung eines Zustands des Respektierens gegenüber dem Eigenen und dem Anderen. Bei Grenzüberschreitungen können wir Risiken und Gefahren eingehen, aber wir können auch einen Weg finden, der in die Freiheit führt, indem Räume der Transformation zugelassen werden. Diesem Themenkomplex widmet sich die Ausstellung."

Die Ausstellung lädt Besucher dazu ein, die dargestellten Grenzerfahrungen nachzuempfinden. Mit dem Kunstprojekt "Gesprächsverstärker" des Künstlers Christian Hasucha können beispielsweise zwei Menschen die Grenze der ganz persönlichen Intimsphäre, der persönlichen räumlichen Grenze zu anderen Menschen, austesten. Bei einigen gezeigten Kunstprojekten, wie der französischen Videokünstlerin, die ihre eigene Schönheits-OP im Gesicht 1993 filmte und den Besuchern auf Video vorführt, erlebt manch Besucher vielleicht auch eine ganz persönliche Grenze des "Ertragbaren".

Im Jahr 2013 ging der Künstler Michael Najjar eine ganz persönliche Grenzerfahrung ein. Auf Fotos und vor allem in drei kurzen Videos lässt er den Betrachter nachempfinden, welche körperliche Grenzerfahrung es ist, sich den Herausforderungen des Trainings von Kosmonauten zu stellen. Najjar testete die Schwerelosigkeit im Raumanzug unter Wasser und im Düsenjet und seine psychische Belastbarkeit bei einem Skyfall-Tandemsprung aus sehr großer Höhe.

Christa Biederbick beschäftigte sich in ihrer Plastik "Prozession" (ab 1979) mit der Grenze zwischen Leben und Tod. Menschen haben forschend immer wieder Grenzen überschritten. So beschäftigt sich Ehemann Karlheinz Biederbick mit Flugpionier Otto Lilienthal. "Fliegen wie ein Vogel ist für den Menschen auch eine Grenzüberschreitung", so Biederbick, der 1982 ein großformatiges Relief zum Thema erste Flugversuche des Menschen schuf. 2018/2019 folgten zehn kleine keramische Relieftafeln dazu.

Die Ausstellung "Über Grenzen" wird noch bis 31. August in der Kunsthalle Bahnitz, Dorfstraße 1, gezeigt. Weitere Informationen gibt es telefonisch unter 0152/05322217 sowie per E-Mail an info@kunstverein-bahnitz.de und auf www.kunstverein-bahnitz.de.

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