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Am 1. Juni ist Tag der Milch. Frisch, direkt von der Kuh, nicht pasteurisiert oder homogenisiert bekommt man sie bei Bauer Schulze in Görzig.

Landwirtschaft
Frische Milch, nur gekühlt

Ruth Buder / 02.06.2019, 07:00 Uhr
Görzig Bauer Matthias Schulze, seine Frau und seine vier Kinder trinken jeden Tag die Rohmilch von den eigenen Kühen. "Beim Pasteurisieren, also beim Erhitzen, gehen viele Geschmacks- und Inhaltsstoffe verloren", sagt der 42-Jährige. Viele Menschen wüssten gar nicht mehr, wie unbehandelte Milch – sie wird nur gefiltert und auf 4 Grad gekühlt ­­­­­– schmeckt. Bei Bauer Schulze kann man sie jeden Tag frisch für 60 Cent pro Liter kaufen. Es ist für ihn ein realistischer Preis. Den bekommt er von der Molkerei in Leppersdorf, an die er den Großteil der Milch von seinen 100 Milchkühen verkauft, nicht. Im Schnitt erhält er um die 30 Cent pro Liter. In welchen Tüten oder Flaschen die Görziger Milch landet, weiß der Bauer nicht. Auch der Kunde hat keine Ahnung, von welchem Hof die Milch kommt, die er trinkt.

Die Differenz der beiden Milchpreise zeigt, in welchem Dilemma die Landwirte stecken. "Wenn wir alle unsere Produkte kostendeckend verkaufen könnten, dann brauchten wir die ganze Agrarförderung nicht. Zu viele Lebensmittel haben einen künstlichen Preis", ärgert sich Matthias Schulze. Deshalb würden die Verbraucher den Wert der Lebensmittel, die sehr aufwendig, arbeits- und kostenintensiv hergestellt werden, nicht mehr würdigen. Um diesen Wert wieder mehr ins Bewusstsein der Menschen zu bringen, steht der Hof von Matthias Schulze für jedermann offen. Das Risiko, sich irgendwelche Krankheiten in den Stall zu holen, nehmen er und seine Frau Sylvi auf sich. "Viele haben vergessen, woher das Essen kommt, wie viele Menschen dafür gearbeitet haben", sagt die Tierärztin. Eine enge Zusammenarbeit gibt es deshalb mit dem ortsansässigen Rüsterhof, deren vorwiegend städtische Gäste regelmäßig bei Bauer Schulze vorbeischauen und nicht nur mal Kühe aus der Nähe ansehen können, sondern auch mal die Geburt eines Kalbes miterleben dürfen. "Ein Highlight für die Kinder", weiß der Bauer.

Biounterricht beim Bauern

Auch die Kinder der Görziger Grundschüler sind regelmäßig zu Gast und machen praktischen Sachkunde- und Biologieunterricht, lernen, warum die Kuh kalben muss, um Milch geben zu können, sie dürfen Hühner streicheln und schauen, wo deren Ohren sitzen. "Wir würden uns freuen, wenn auch andere Grundschulen zu uns kommen würden", sagt Sylvi Minkwitz-Schulze. Ihren vier Kindern Theodor, Ludwig, Victoria und Eugen im Alter zwischen sieben und drei Jahren, muss sie das alles nicht erklären. Sie wachsen in der Natur zwischen Kühen und Hühnern auf, haben in dem großen Garten ihre eigenen Beete. "Wenn sie morgens ihre Haferflocken essen, wissen sie, woher sie kommen", sagt die Mutter.

Neben Milch verkauft der Bauer auch Getreide, vor allem an die Kleintierhalter der Umgebung,  Heu an Pferdehalter und im Frühherbst werden auch gern Kartoffeln der Sorten Laura und Adretta direkt bei ihm geholt. Gemüseanbau in großem Stil betreibt er nicht. "Zu arbeitsaufwendig", sagt der Landwirt, der zwei Angestellte beschäftigt, zwei Lehrlinge hat und von seinen Eltern Gisela und Lothar Schulze unterstützt wird. Aber aus dem eigenen Garten kann sich die Familie selbst versorgen. "Außer Brot backen machen wir fast alles selbst", so die Ehefrau.

Der Arbeitstag beginnt um 5 Uhr

Zu einem Ritual haben es die Eltern gemacht, morgens ihre vier Kinder gemeinsam zur Schule und in die Kita zu bringen. "Sonst sehe ich sie ja kaum", sagt der Vater, dessen Arbeitstag um 5 Uhr mit dem Melken und der Fütterung der 100 Kühe und der 100 Jungrinder beginnt. Nach dem gemeinsamen deftigen Frühstück mit den Angestellten geht es meistens aufs Feld. 200 Hektar sind mit Futter und Getreide zu bestellen, zu pflegen und zu ernten. Und dann noch die Bürokratie. Matthias Schulzes Büro gleicht dem eines Managers, obwohl er nur einen kleinen Betrieb führt. Reihenweise stehen Akten in den Regalen, auf dem Schreibtisch viel Papier und der Computer. "Bei uns muss alles akribisch und nachvollziehbar festgehalten werden", sagt er. Jedes geborene Kalb, jede verkaufte Kuh müsse innerhalb von sieben Tagen angezeigt werden. Sonst gebe es Strafen. Matthias Schulze schaut auf die Uhr. Es ist 16.30 Uhr. Zeit für das zweite Melken an diesem Tag. Um 21 Uhr kommt das Milchauto und bringt die frische Milch in die Molkerei.

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