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Flächennutzungsplan
Unternehmer versus Planwerk

Aufgeräumt: Frank Brieskorn steht auf seinem Betriebshof. Nirgendwo ist Asbest, nirgendwo ist Teerpappe. Die gab es vielleicht, bevor er vor zehn Jahren das zugemüllte Gelände beräumt hat.
Aufgeräumt: Frank Brieskorn steht auf seinem Betriebshof. Nirgendwo ist Asbest, nirgendwo ist Teerpappe. Die gab es vielleicht, bevor er vor zehn Jahren das zugemüllte Gelände beräumt hat. © Foto: Margrit Meier/MOZ
Margrit Meier / 07.06.2019, 06:15 Uhr
Münchehofe (MOZ) Wer ist Frank Brieskorn? Ein Tiefbauunternehmer, der rund 350 Meter vor seinem Heimatdorf, in dem er seit 1981 lebt und arbeitet, eine Brecheranlage aufstellen und seine Nachbarn terrorisieren will? Jemand, der Asbest, Teerpappe und andere bedenkliche Bauabfälle lagert und von früh bis in die späten Abendstunden auf seinem Betriebshof ackert? Jemand, der mit schweren Lkw durchs kleine Münchehofe rumpelt, um alle zu verärgern?

Oder warum ist der kleine Ortsteil von Hoppegarten seinetwegen verstritten? Der 53-Jährige behauptet: "Da wurden Falschaussagen in die Welt gesetzt, Nachbarn aus Unwissenheit aufgehetzt und Verordnungen falsch interpretiert."

Plötzlich nicht mehr erlaubt

Der Hintergrund: 2008 war er vom damaligen Ortsvorsteher gebeten worden, seinen Betriebshof aus der Ortsmitte auf ein Areal außerhalb des Ortes zu verlegen. "Das habe ich getan und ein völlig zugemülltes Areal aufgeräumt." Nach und nach hat er Land dazu gekauft und die Fläche auf jetzt rund 6000 Quadratmeter verdoppelt. Auf dem Betriebshof lagern in Containern gestapelte Bauzäune, fein säuberlich getrennte Splitthaufen, Bagger, Holzstapel, Steine. Auch Bodenaushub gibt es – jede Krume, die in Deutschland bewegt wird, muss zertifiziert werden.

Den sammelt und siebt er zwei-, dreimal im Jahr konzentriert mehrere Tage hintereinander weg. "Sieben, nicht brechen, wie manche im Dorf einfach behaupten", benennt der Unternehmer einen weiteren Streitpunkt in Münchehofe. Mit Verwaltungsangelegenheiten hat der Arbeitgeber von 35 Menschen wenig am Hut und so fiel er aus allen Wolken, als sein Tun auf diesem Gelände, ohne, dass er an seiner Firma irgendetwas verändert hat, plötzlich nicht mehr statthaft war.

Pläne verändern

Ursache dafür ist der Flächennutzungsplan (FNP), der 2017 in Kraft trat. Darin wird die eine Hälfte des Betriebshofes als Versorgungsanlage für die Abfallentsorgung und Abwasserbeseitigung sowie für Ablagerungen ausgewiesen und die andere für die Landwirtschaft. Um das Dilemma FNP versus Betriebshof zu heilen, riet man ihm, einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan aufzustellen.

Der geht einher mit einer Flächennutzungsplanänderung hin zur Ausweisung einer Sondergebietsfläche. Seitdem gibt es in Münchehofe Streitereien, Unterschriftensammlungen, ist der Ortsbeirat auseinander gebrochen, gab es vor einem Jahr Neuwahlen. Entzündet hat sich der Streit u. a. an der Genehmigung nach dem Bundesimmissionsschutz-Gesetz. In der ist pauschal das Lagern von bis zu 30 Kubikmetern Dachpappe und Wellasbest aufgeführt. "Das steht da immer drin in meinem Metier. Das heißt doch aber nicht, dass ich dieses Zeug hier lagere. Das macht auch keinen Sinn, es von einer Baustelle hierher zu fahren, abzukippen und später wieder abzuholen", sagt Brieskorn.

Er hofft, dass ihm die neue Gemeindevertretung, die zum Großteil die Alte ist, dennoch "endlich zuhört". Und: "Ich lade alle ein, zu mir zu kommen und sich umzuschauen. Gern auch mal bei den Nachbarfirmen, bei denen die Teerpappe durch die Zäune quillt. Aber das interessiert ja hier offenbar keinen", sagt Brieskorn verbittert.

Seit neun Monaten darf er seinen Betriebshof nach Anordnung durch die Untere Bauaufsichtsbehörde nicht nutzen, muss für seine Maschinen Parkplätze woanders anmieten. Nur weil Nutzung und FNP nicht harmonieren. Die  Unterlagen kamen bis zur letzten Gemeindevertretersitzung nicht auf die Tagesordnung. Frühestens im August tagen die Gemeindevertreter.Kommentar

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