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Die traditionelle Großveranstaltung zu Pfingsten lockte einmal mehr nicht nur eingefleischte Fans von Trabi, Wartburg & Co. nach Herzfelde.

Oldtimertreffen
Erstaunliches auf zwei bis vier Rädern

Thomas Berger / 11.06.2019, 06:00 Uhr - Aktualisiert 11.06.2019, 13:38
Herzfelde (MOZ) Obwohl am Sonnabendvormittag kurz nach dem offiziellen Start des zweitägigen Großevents sogar ein paar einzelne Tropfen aus dem graubezogenen Himmel fielen – den abermals enormen Zulauf in Herzfelde bremste das nicht. Wie schon in den Vorjahren hatten die Ordner am Eingang und auf dem Gelände tüchtig zu tun, immer weitere Neuankömmlinge einzuweisen. Ganz gleich, ob es sich nun um "normale" Gäste handelte oder Teilnehmer, die mit einer Ergänzung für die imposante Fahrzeugschau anreisten. Da fehlten, wenn es um das Kult­auto des Ostens schlechthin geht, die Trabifalken aus Oberhavel, die sogar eine eigene Flagge hissten, ebenso wenig wie die Trabifreunde Lausitz mit einem leuchtend orangen Exemplar mit einem Satz extra Außenspiegel.

In nunmehr 11. Auflage und mit 986 teilnehmenden Fahrzeugen unterschiedlichster Art lockte die Traditionsveranstaltung über das Pfingstwochenende Tausende Besucher auf das Gelände in Herzfelde. Zu vielen der Raritäten auf zwei, drei, vier oder mehr Rädern gab es beim Rundgang und Gesprächen mit den Besitzern auch noch ganz persönliche Geschichten zu erfahren.
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IFA- und Oldtimertreffen in Herzfelde

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Doch es müssen nicht einmal Clubs, Interessengemeinschaften und Vereine sein, die sich solcher Traditionspflege verschrieben haben. Fabian Kaminski (26) aus Rüdnitz bei Bernau war beispielsweise noch nicht einmal geboren, als der letzte Trabi vom Band lief. Jetzt ist er aber mit einem solchen nach Herzfelde gekommen, wo er schon voriges Jahr war. Ein Trabi-Trio aus dem Barnim, am Steuer der anderen beiden seine Freunde Volker und Jaqueline Schönberg aus Bernau.

KrAZ ist echter Schluckspecht

Einen etwas weiteren Weg hatten Mandy und Hartmut Schulze, die in Pfaffendorf bei Beeskow zu Hause sind. Ihr KrAZ 258, Baujahr 1977, im blitzenden Rot ist eine besondere Attraktion. Und nicht zuletzt haben die beiden vor dem Kühlergrill all die Pokale aufgereiht, die sie gerade in den 1990er-Jahren bei Fahrzeugtreffen zwischen Wittstock, Frankfurt und Hoyerswerda angesammelt haben. "Und 2000 haben wir in dem sogar geheiratet", erzählt Mandy Schulze über das rollende Schätzchen, mit dem zu DDR-Zeiten die Betonteile für Plattenbausiedlungen transportiert wurden. Kinder hat das Paar nicht, dafür das nicht billige Hobby – der KrAZ schluckt schon mal seine 40 Liter auf 100 Kilometer.

Genügsamer ist da ein anderes Gefährt, das ebenfalls besonders viele Blicke auf sich lenkt. Denn von dem dreirädrigen Velorex wurden einst zwar 15 000 Stück gefertigt. Jetzt ist das rote, mit dem die Schöneicher Reinhard und  Christine Naehring an diesem Tag in Herzfelde sind und Sonntag in Paaren-Glien auf Tour gingen, eines der letzten erhaltenen. Von einem Lüneburger hat Naehring den 1959 gebauten Wagen übernommen. Ersatzteile? "Kein Problem, es gibt alles noch. Ist nur eine Preisfrage."

Vieles, was da beim Rundgang ins Auge fällt, hat eine besondere Geschichte. So auch der Polizei-Lada, mit dem der Eggersdorfer Paul Christian seit fünf oder sechs Jahren treu dabei ist. "Im Januar 1986 ist der in Dienst gestellt worden", rollte mit Volkspolizei-Lackierung im Berliner Osten bis zur Wiedervereinigung auf Streife. Dann noch zwei weitere Jahre, nun auf Gesamtberliner Grün-Weiß umgespritzt. Der Berliner Polizeipräsident stand damals in den Papieren.

Erinnerungen an die Jugend

"Diese alten Fahrzeuge, das erinnert einfach an die Jugend", sagt Gerhard Hoffmann, ein Senior aus dem benachbarten Hennickendorf, der "fast jedes Jahr" begeistert vorbeischaut. Zwei Generationen jünger ist, ebenfalls aus Hennickendorf, Sebastian Kömling. "Es ist einfach schön hier", teilt er die Faszination so vieler, die ihre Runde drehen, während musikalisch passend beispielsweise "Jetzt kommt dein Süßer" von Helga Hahnemann oder "Sing, mei Sachse, sing" erschallen. Zum Schmunzeln regt auch so mancher Spruch auf Heckscheiben oder Kotflügeln an. "Männer aus Stahl fahren Autos aus Pappe", steht da beispielsweise

Tobias Zorn, Cheforganisator namens der Oldtimerfreunde Herzfelde, zeigte sich insgesamt hochzufrieden: "Wir hatten 986 teilnehmende Fahrzeuge und Tausende Besucher. Vor allem aber hat das Wetter mitgespielt."

IFA – Industrieverband Fahrzeugbau der DDR

Schon ab 1946 entstanden die drei ersten Vorläufergliederungen in Sachsen, die zum 1. Juli 1948 in der IFA Vereinigung Volkseigener Fahrzeugwerke aufgingen, die auf die gesamte sowjetische Besatzungszone (später DDR) ausgedehnt wurde. IFA blieb sozusagen die einheitliche Dachmarke, die einzelnen Betriebe (Pkw, Nutzfahrzeuge, Zweiräder) waren in einer Kombinatsstruktur organisiert.⇥bg

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