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Die jüngste Veranstaltung der Reihe fand außergewöhnlicherweise  bei den Protagonisten Rose und Otto Schack zu Hause in Ackermannshof statt.

Foyergespräch
Zwei bewegte Künstlerleben

Ein Foyergespräch der etwas ungewöhnlichen Art. Kleiner als sonst üblich war die Runde, die sich diesmal direkt bei Rose und Otto Schack (auf dem Sofa) in deren Haus in Ackermannshof traf. Es war eine muntere Reise in Künstlerdasein einst und heute.
Ein Foyergespräch der etwas ungewöhnlichen Art. Kleiner als sonst üblich war die Runde, die sich diesmal direkt bei Rose und Otto Schack (auf dem Sofa) in deren Haus in Ackermannshof traf. Es war eine muntere Reise in Künstlerdasein einst und heute. © Foto: Thomas Berger
Thomas Berger / 14.06.2019, 07:00 Uhr - Aktualisiert 15.06.2019, 12:57
Ackermannshof (freier Autor) Wer zum jüngsten Foyer-Gespräch des Oberbarnimer Kulturvereins wollte, der musste nicht nur eine etwas weitere Fahrstrecke bis ins winzige, beschauliche Ackermannshof auf sich nehmen.

Sondern am Donnerstagabend auch noch den etwas widrigen Witterungsbedingungen trotzen – zwar war die Extremhitze des Tages binnen kürzester Zeit verschwunden, dafür ließen Sturmböen etliche Zweige und Äste auf die Straße regnen.

Ein kleines Häuflein Interessierter ließ sich dadurch aber nicht abschrecken. Zwar war die Runde kleiner als üblich und auch in der Zusammensetzung beinahe als familiär zu bezeichnen. Doch es gab viel Spannendes, was die beiden Gastgeber Rose und Otto Schack bei Wasser und Wein, Keksen und Käsehäppchen aus ihrem bewegten und nicht immer einfachen Künstlerleben unter zwei verschiedenen Gesellschaftssystemen zu erzählen hatten. Schließlich gehörten sie vor vielen Jahren zu den ersten aus Berlin kommenden Kunstschaffenden, die sich an dieser Stelle in der "märkischen Provinz" ansiedelten. Lange bevor viele andere die Schönheiten des Oderlandes für sich entdeckten.

"So etwas wie Pioniere"

"Ja, wir waren so etwas wie Pioniere", sagt Otto Schack, der voriges Jahr 80 geworden ist. Nur noch ein wenig eher und Wegbereiter auch für sie sei damals ihr Freund und Kollege Peter Hoppe gewesen, der schon in Wölsickendorf war, sich auch nach einem geeigneten Objekt für Schacks umsah. In dem Haus in Ackermannshof wohnt die Familie nun schon fast ein halbes Jahrhundert. Jan, der jüngere der beiden Söhne, war noch ganz klein, als die aus Berlin Kommenden sich ihr neues Heim Anfang der 1970er-Jahre herrichteten. Philipp, der Ältere, ging Vater Otto teilweise zur Hand, während die Mutter mit dem Kleinen auf Urlaub fuhr. Der Abschnittsbevollmächtigte – in der abendlichen Runde fällt nur die einst gängige Abkürzung ABV –, der vormals dort wohnte, war im Erstberuf Maurer: "Insofern war das hier teilweise gut in Schuss", wie Otto Schack Jahrzehnte später unterstreicht. Gleichwohl war das Paar heilfroh, in Werneuchen durch Zufall auf eine passende alte Tür zu stoßen, die für den neuen Eingang passte. Die man dem LPG-Chef in Werneuchen, der sie erst nicht rausrücken wollte, dann für 300 Mark abschwatzen konnte.

Dieser Donnerstagabend war eine Reise – durch die Zeit, von tiefster DDR bis heute, aber auch zwischen Großstadt Berlin, wo beide studiert haben, und dem Land. Kunst am Bau ist das, wofür Schacks gerade damals standen. Aufträge waren zwar auch nicht immer ganz einfach zu bekommen, aber es gab sie. Dazu die Malerei – und massive Umbrüche nicht zuletzt auch zum Überleben für Künstler in der unmittelbaren Nachwendezeit. Als "Haus-Retter", wie gewissermaßen schon in Ackermannshof, betätigte sich Otto Schack noch andernorts, und ein ganz spezielles Projekt sei die Dokumentation sämtlicher jüdischen Friedhöfe bis hinunter nach Guben gewesen, kam noch zur Sprache. Das Büchlein dazu, auch mit Abreibungen der alten Grabsteine, ist 2010 erschienen.

Lob an Neuhardenberg

"Wir sind ja nicht so große Ausstellungsmacher", merkte Rose Schack freimütig an einer Stelle an. Gleichwohl sind sie nun schon seit Jahren immer wieder im Schloss Neuhardenberg dabei, haben eine gute Beziehungen zur dortigen Kuratorin. "Das ist wirklich ein Paradies für Künstler aus dem Osten", heißt es denn auch lobend über solche kulturellen Leuchttürme im Oderbruch. Denn in Nachwendezeiten sei nun mal nicht nur bei Stätten künstlerischer Bildung manches weggebrochen, so die beiden, die sich auch selbst überaus um die Nachwuchsförderung verdienst gemacht, jahrelang in Bad Freienwalde und Werneuchen junge Talente auch zum Teil für ihre Bewerbung bei Kunsthochschulen gefördert und fit gemacht haben.

Länger als zwei Stunden dauert üblicherweise kein Foyergespräch, merkt Ingrid Linke in einer kurzen Erzählpause an. Kurz darauf zerstreut sich nach einem Dank an die Runde, nun bei beruhigten Wetter. Vieles bleibt unerzählt – was Schacks zu berichten hätten, würde für etliche weitere Abende reichen.

Demnächst vier Schacks einer Ausstellung vereint

Rose Schack, Jahrgang 1939 und in Breslau geboren, feiert dieses Jahr 80. Geburtstag. An der Fachschule für Angewandte Kunst Berlin studierte sie 1959 bis 1962, schloss mit dem damals so wichtigen Diplom ab. Neben Kunst am Bau ist sie künstlerisch in Malerei, Grafik, Plastik und Buchgestaltung zu Hause.

Otto Schack, der vor einem Jahr 80 wurde, hat an der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee studiert und ist in seinem künstlerischen Schaffen über all die Jahrzehnte hinweg ebenfalls breit aufgestellt. Zudem hatte er sich in jüngerer Vergangenheit bei vielen Objekten in Sachen Denkmalschutz engagiert.

Der ältere Sohn Philipp , dessen umfassenden Nachlass die Eltern pflegen, starb 2006 bei einem Unfall in Berlin. Sein jüngerer Bruder Jan ist künstlerisch ebenfalls in die Fußstapfen der Eltern getreten. Am 26. Juni soll eine Ausstellung mit Werken aller vier Schacks in Bad Freienwalde eröffnet werden.⇥bg

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