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Protest
Radler besetzen B198

Susan Hasse / 18.06.2019, 06:30 Uhr - Aktualisiert 18.06.2019, 09:15
Klein-Ziethen (MOZ) Um für den Bau eines Radweg entlang der Bundesstraße zu kämpfen, zog es am Sonntag 150 Demonstranten auf die viel befahrende Straße in Ziethen.

So ein Irrsinn. Diesen Satz hört man in Klein-Ziethen derzeit öfter. Grund der Aufregung ist der Radweg bzw der nicht-vorhandene Radweg entlang der Bundesstraße B 198. Mit dem Rad kommt man nicht mehr nach Angermünde. Um auf diesen Missstand hinzuweisen, organisierte die Klein-Ziethener am Sonntagvormittag eine Fahrraddemo. Rund 150 Radler folgten dem Aufruf,  malten Plakate und schmückten ihre Fahrräder.

Zusammen machten sie sich auf, um auf dem Radweg Richtung Angermünde zu radeln. Nach knapp zwei Kilometern hört der Weg jedoch mitten im Acker auf. Die Radfahrer müssen die Räder hoch auf Bundesstraße schieben, um dann dort in der Tempo-100-Zone zurück zu radeln. Am Tag der Demo wurde für den Fahrrad-Corso eigens eine Fahrspur gesperrt und der Umzug von der Polizei entsprechend abgesichert: An anderen Tagen ist das Weiterradeln auf der Schnellstraße ein lebensgefährliches Unterfangen. Auf dem ausgebauten dreispurigen Abschnitt ist Radfahren sogar gänzlich verboten. "Hier standen schon ganze Schulklassen und wussten nicht weiter", weiß Kerstin Paal, die die Bürgerinitiative Radweg Ziethen ins Leben gerufen hat, zu berichten. Es ist quasi unmöglich am Ende des provisorischen Radwegs die Straße zu überqueren und so Richtung Angermünde zu radeln.

"Wir kämpfen weiter für einen Radweg", gibt sich Paal kämpferisch. Mit der bisherigen Antwort des Landesbetrieb Straßenwesen will sich die Bürgerinitiative nicht zufrieden geben. Eine Unterschriftenliste soll die Forderungen untermauern: Wir haben binnen zwei Wochen über 500 Unterschriften gesammelt, so Kerstin Paal. Und es werden noch mehr. Von der Resonanz der Menschen ist sie völlig überrascht. Am Sonntag kamen einige Radler sogar aus Eberswalde und Joachimsthal, um gegen den Irrsinn an der B 198 zu protestieren.

Die Bürgerinitiative hat zudem einen offenen Brief an die Landesregierung verfasst, in dem sie um einen unverzüglichen Lösungsvorschlag bittet. "Es muss eine sichere und befahrbare Möglichkeit für Radfahrer geben, um nach Angermünde zu fahren", heißt es in dem Brief. Diese Radstrecke sei schließlich nicht nur für Einheimische, sondern auch für die Touristen von großer Bedeutung. Das Geopark-Infozentrum in Groß Ziethen gilt als Eingangtor in das Weltnaturerbe Grumsiner Forst genutzt und ist damit das Herzstück des Biosphärenreservats.

Mit der Antwort des Landesbetriebs Straßenwesen wollen sich die Demonstranten nicht zufrieden geben Frühestens 2022 kann ein Radweg realisiert werden, meint die Behörde. "Es muss eine schnell und unbürokratische Lösung her", fordern dagegen die Bürger. So wäre es etwa denkbar, dass der Sandweg entlang der Bundesstraße provisorisch verlängert wird bis Schmargendorf. "Radfahrer sind gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer", so Kerstin Paal. Es könne nicht sein, dass es nun über Jahre keinen Radweg gebe. In den Konflikt eingeschaltet hat sich auch das Amt Joachimsthal: Die Verwaltung forderte mehrfach einen raschen Lösungsvorschlag. Schließlich sehe der Planfeststellungsbeschluss eindeutig einen Radweg vor. Ein vorgelegtes Rechtsgutachten, das dieses Argument stützt, werde vom Landesbetrieb Straßenwesen und der Landesregierung schlicht ignoriert, schimpft Paal. Auch die Politik hat das Thema im Blick: Sowohl Axel Vogel (Grüne) als auch der CDU-Verkehrsexperte Jens Koeppen wollen helfen, eine Lösung zu finden.

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