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Die Landiner Garde ist aus einer Kostümidee entstanden und hält die Erinnerungen an die entbehrungsreichen Befreiungskriege am Leben.

20. Geburtstag
Fasching als Geburtshelfer

Glückwunsch: Bürgermeister Wolfgang Säger überreicht Thomas Grösch und seinen Leuten ein Fahnenband.
Glückwunsch: Bürgermeister Wolfgang Säger überreicht Thomas Grösch und seinen Leuten ein Fahnenband. © Foto: Kerstin Unger
Kerstin Unger / 25.06.2019, 06:15 Uhr
Landin (MOZ) Das 1. Garde-Artillerie-Regiment Landin Anno 1999 hat am Sonnabend seinen 20. Geburtstag gefeiert. Bei Wildschwein am Spieß gab es am Landiner Vereinshaus einen gemütlichen Abend mit Freunden und Gästen und zuvor einen erlebnisreichen Tag mit befreundeten Truppen.

Alles fing einst beim Fasching an. Einige Landiner kamen in selbstgemachter Soldatenuniform aus alten Feuerwehrjacken, Leggins mit Wadenwickeln und Pappknöpfen. Das Fallrohr einer Regenrinne diente als Kanone. "Jemand meinte, Landin hat jetzt eine Garde. Dann wurde mehr draus", erinnert sich Thomas Grösch, der Kommandeur der Truppe. Danach saß man in der ehemaligen Bäckerei zusammen und hat Pläne geschmiedet. Informationen holte man sich aus dem Internet und entschied sich schließlich für die Artillerie. Es ging nicht mehr um einen Faschingsspaß, sondern um die authentische Darstellung von Geschichte.

Zuschuss vom Land

Um mehr über die originalgetreue Ausstattung zu erfahren, knüpfte man Kontakt zum Militär-­historischen Museum in Leipzig und zur bestehenden Einheit in Groß Beeren. Schnittmuster und geeignete Stoffe für Uniformen wurden besorgt. Um sie sich leisten zu können, wurde der damalige Ministerpräsident Brandenburgs, Matthias Platzeck, angeschrieben. Tatsächlich kümmerte der sich um einen Zuschuss. Die erste Kanone stammte von einer Schweriner Firma. Weil man mit der nicht aufs Schlachtfeld kam, besorgte man sich eine große. Das Kanonenrohr wurde nach einem ausgeliehenen Holzrohling von einer Firma hergestellt.

Bei Einsätzen geht es um die Nachstellung der Napoleonischen Befreiungskriege. Dafür wiederum ist geschichtliches Wissen notwendig, das erhalten und vermittelt werden soll. Trainiert wurde bei jedem Wetter und nach dem Reglement der Preußischen Armee von 1812.

Die Landiner Garde ist mit vielen anderen Einheiten in Deutschland befreundet. Man trifft sich auf vielen historischen Kampfplätzen in Europa. "Wenn man so will, stellen wir die Vorgänger der Nato dar – viele Nationen schlossen sich damals gegen Napoleon und seine Eroberungskriege zusammen", meint Thomas Grösch.

Ehrenbänder für die Fahne

Er, seine Frau und der Sohn gehören zu den verbliebenen Gründungsmitgliedern der Landiner Garde. Im Laufe der Jahre kamen und gingen Mitglieder. Derzeit besteht die Truppe aus 16 Leuten.

Sie nahmen am Sonnabend die zahlreichen Geburtstagsglückwünsche entgegen. Unter den Gratulanten waren auch der ehrenamtliche Bürgermeister Wolfgang Säger und Amtsdirektor Detlef Krause, die als Geschenk neben einer Finanzspritze Fahnenbänder überreichten. Die Garde selbst verschenkte ebenfalls Ehrenbänder an alle Unterstützer zur Erinnerung an diesen Tag. Besonders bedankten sie sich bei Ralf Nulle vom Bauhof für die stets unkomplizierte Hilfe.

Schon seit Freitag kampierte die Garde in Zelten mit Kameraden aus der Lebuser Landwehr, Dragonern aus dem Ungerland in Mecklenburg-Vorpommern, der Sechspfündigen Fußbatterie Groß Beeren und Bernauer Freiwilligen Jägern. Sonnabend ging es nach der Uniformabnahme zum Stolper Turm, wo Adjutant Lucas Lebrenz einen Vortrag hielt. Danach wurde die Whisky-Destillerie in Schönermark besichtigt und das Eintrittsgeld der Kirche gespendet.

Weitere Einsätze der Garde

Die Garde Landin hat auch nach ihrer Jubi-­läumsfeier noch einige Gefechte und Strapazen vor sich. Im Juli ist die Garde beim Sommerfest der Firma Euba in Angermünde dabei. Außerdem wirkt sie bei einem Bühnenstück beim Stadtfest "Bunter Hering" in Frankfurt (Oder) mit. Im August geht es wie in jedem Jahr zum Gefecht und Volksfest nach Groß Beeren. Im September nimmt die Landiner Garde am Landeserntefest in Passow teil und veranstaltet ihr traditionelles Gefecht um Landin. Im Oktober geht es zur Völkerschlacht bei Leipzig⇥red

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