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Blühstreifen
Wo Bienen ausreichend Nektar finden

Heike Weißapfel / 27.06.2019, 14:15 Uhr
Schönfließ (MOZ) Es summt auf dem Acker in Schönfließ. Dort blühen die Phazelien, zwischendurch leuchtet rot der Mohn hervor. "Da wächst der Aufstrich neben dem Brötchen", sagt Landwirt Helmut Schneermann. Schrippen oder Weißbrot können in einigen Monaten aus dem Weizen, der hier auf 28 Hektar gedeiht, entstanden sein, und einige Kilo Honig aus dem Blühstreifen.

Der L-förmig um das Feld angelegte blühende Rand soll in erster Linie Wildbienen und vielerlei Insekten ein auskömmliches Leben verschaffen. Auch Paul Reimer hofft auf eine gute Ernte für seine Honigbienen und freut sich ausdrücklich über den Blühstreifen. Der Oranienburger Spätaussiedler aus Krasnodar, der in Russland hauptberuflich Imker war und sich nun mit seinem 16-jährigen Sohn und seiner 13-jährigen Tochter als Hobbyimker beschäftigt, hat fünf Bienenvölker am Rand des Feldes abgestellt.

Der Agrarhandel "BayWa" hat dem Landwirt den Samen für den Ackerrandstreifen gesponsert. "Das Land Brandenburg hilft uns dabei nicht", bedauert Helmut Schneermann. In anderen Bundesländern sei das anders. "Das stimmt leider", bestätigt auch Ralph Wittwer, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes. Blühstreifen würden in den meisten Bundesländern gefördert, in Brandenburg aber nicht. Viele Landwirte im Kreis legten deshalb freiwillig und auf eigene Kosten entlang ihrer Felder welche an. "Das ist auf jeden Fall eine gute Sache", so Wittwer.

Bauern machen Druck

Das soll sich ändern: "Wir haben in den vergangenen Jahren immer wieder Druck gemacht", sagt Dr. Tino Erstling, Pressesprecher beim Landesbauernverband. Ab dem kommenden Jahr sollen Blühstreifen nun auch im Land Brandenburg gefördert werden.

Das Saatgut koste je nach Mischung immerhin zwischen 100 und 500 Euro je Hektar, sagt Schneermann. Auf 40 Hektar je einen für einen Blühstreifen zu verwenden, bringe schon viel. "Das ist eine effektive Art von Naturschutz", sagt der Schönfließer Helmut Schneermann. Er hat in diesem Jahr Winterweizen, Gerste, Roggen und Triticale angebaut, 400 Hektar insgesamt von Schönfließ bis Pinnow, dazu 108 Hektar Gras und 100 Hektar Lupinen.

"Blühstreifen reichern auch den Boden an", sagt Paul Reimer. Seine Familie hält 20 Bienenvölker und fährt manchmal weite Wege für den passenden Honig. Nach Raps habe er mehr als 40 Kilometer im Umkreis gesucht, erzählt er. Wenn er sich das Wetter aussuchen könnte, wünschte er sich noch ein paar Tage Hitze. "Die Bienen freuen sich darüber, dann gibt es mehr Nektar", sagt er. Seine Ernte sei schon im Gange, er werde jetzt anfangen, Honig zu schleudern. Gelegentlich verschenke er aber auch mal ein paar der vollen Rähmchen an Nachbarn.

Helmut Schneermann wünscht sich für die kommenden Wochen bis zur Getreideernte Sonne, Wind und Regen im Wechsel. Das Frühjahr sei gut gewesen, durch den Frost im April nicht optimal, aber er erwarte doch eine erhebliche bessere Ernte als im vergangenen Jahr. Wegen der anhaltenden Trockenheit war die Ernte schlecht ausgefallen.

Förderanträge können ab November gestellt werden

Ab kommendem November können Landwirte einen Antrag ans Brandenburger Landwirtschaftsministerium stellen, wenn sie ihrem Ackerrandstreifen anlegen, informiert Dr. Tino Erstling, Pressesprecher beim Landesbauernverband. Die Förderung wird auf die Hektar bezogen und beträgt maximal zehn Prozent der Fläche⇥ hw

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