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Die Bürgerinitiative Gesund leben am Stienitzsee hat Indizien für eine geschützte Krötenart im Bergwerksfeld Herzfelde.

Umwelt
"Lauschangriff" an den Tonlöchern

Entdeckung: So sieht sie (vergrößert) aus, die geschützte Wechselkröte, deren Töne Mitglieder der Bürgerinitiative Gesund leben am Stienitzsee vor Kurzem in der Tagebaulandschaft alte Tonlöcher zwischen Herzfelde und Hennickendorf an der Bundesstraße 1 aufgezeichnet haben. Die BI fordert nun eigene Untersuchungen der Behörden.
Entdeckung: So sieht sie (vergrößert) aus, die geschützte Wechselkröte, deren Töne Mitglieder der Bürgerinitiative Gesund leben am Stienitzsee vor Kurzem in der Tagebaulandschaft alte Tonlöcher zwischen Herzfelde und Hennickendorf an der Bundesstraße 1 aufgezeichnet haben. Die BI fordert nun eigene Untersuchungen der Behörden. © Foto: gerd markert
Uwe Spranger / 03.07.2019, 06:00 Uhr
Herzfelde (MOZ) Gut zwei Wochen ist es inzwischen her, dass Mitglieder der Bürgerinitiative (BI) ihren "gezielten Lauschangriff" gestartet haben. "Nachdem es gewittert und stark geregnet hatte, haben geschulte Mitglieder unserer Umweltvereinigung an der Nordseite des Damms der Umgehungsstraße der B 1/5 bei Herzfelde den charakteristischen lauten Gesang mehrerer Wechselkröten aufzeichnen können", verkündet Vorsitzender Uwe Rudorf. Die Rufe seien aus großen Pfützen nördlich des Damms, also aus der Tonloch-Bergbaufolgelandschaft gekommen, fügt er hinzu. Er selbst sei ja kein Krötenspezialist, aber man habe Kontakt zu Experten im Nachbarkreis und zur Naturschutzstation Rhinluch gesucht, die die wenigen noch vorhandenen Vorkommen der Wechselkröte im Land Brandenburg kartiert und anhand der entsprechenden Tonaufnahmen die Vermutungen der BI bestätigt hätten, sagt der Hennickendorfer.

Überraschend komme der Nachweis nicht, schätzt er ein, denn der Gruppe lägen mehrere Gutachten vor, zum Beispiel eines von 2010, das im Zusammenhang mit dem Bau der Umgehungsstraße um Herzfelde entstanden war, oder ein Bericht zur Umweltverträglichkeitsprüfung des  Cemex-Zementwerks, die auf dem Gelände und im Umfeld eine Vielzahl seltener, zum Teil streng geschützter Arten in hoher Bestandsdichte ausweisen, unter anderem sieben Amphibienarten. Eine davon sei die Wechselkröte, die sich in der Roten Liste und Artenliste Brandenburg finde. Laut Bundesnaturschutzgesetz ist es beispielsweise verboten, "Fortpflanzungs- oder Ruhestätten der wild lebenden Tiere der besonders geschützten Arten aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören".

Bereits 1993 hatte zudem der Rüdersdorfer Umweltarbeitskreis auf das Vorkommen der Wechselkröte in dieser Region hingewiesen und deren Schutz angemahnt. Damals habe das Bergamt wegen der Gefahr von Böschungsrutschungen der öffentlichen Sicherheit Priorität vor dem Artenschutz eingeräumt, berichtet Rudorf. 2015 habe die Behörde dann gar das erneut angezeigte Vorkommen negiert und die Verfüllarbeiten gemäß Abschlussbetriebsplan fortsetzen lassen.

Appell an Behörden

Die BI hat deshalb ihre Entdeckungen umgehend der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) in Seelow angezeigt. An sie und das Landesamt für Umweltschutz erging der Appell, tätig zu werden, ehe es zu spät ist, und eigene Untersuchungen und Gutachten vor Ort anzuschieben. Schließlich müssten womöglich alte Abschlussbetriebspläne geändert und/oder an heute geltendes Recht angepasst werden, seien nachträgliche Auflagen an die mit dem Auffüllen befassten Unternehmen möglich. Keinesfalls wäre aus Sicht der BI das von den Flächeneigentümern angestrebte Anlegen einer Großdeponie für mineralische Abfälle in dem Bereich statthaft. Eher müsse unter Umständen sogar das Verfüllen gestoppt werden, denn das sollte sich "auf den unbedingt für den Sicherungs- beziehungsweise Wiedernutzbarmachungszweck erforderliche Maß beschränken", wird aus einem Erlass zitiert.

Der zuständige Fachbereichsleiter beim Landkreis, Rainer Schinkel, bestätigte der MOZ den Eingang der Anzeige. "Der UNB war das Vorkommen der Wechselkröte in diesem Bereich bisher nicht bekannt. Die UNB hat umgehend Untersuchungen vorgenommen. Das Verfahren dauert noch an", erklärte er. Da es sich bei der Verfüllung der ehemaligen Tagebaulöcher um ein Genehmigungsverfahren einer Landesbehörde, nämlich dem Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe, handele, sei nach aktueller Rechtslage gemäß Naturschutzzuständigkeitsverordnung das Landesamt für Umwelt für alle naturschutzrechtlichen Entscheidungen zuständig, fügte Schinkel hinzu. Es werde nun durch die UNB geprüft, ob eine artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung durch das Amt erteilt wurde und ob eine Ordnungswidrigkeit vorliege.

BI lädt zum Mitmachen ein

Bei den folgenden Ermittlungen zum Sachverhalt seien die Flächeneigentümer laut Verwaltungsverfahrensgesetz gehalten, mitzuwirken. "Hierzu gehört meiner Auffassung nach auch, dass Behördenvertretern und Gutachtern, die im Auftrag der Behörden handeln, Zutritt zu privaten Grundstücken gewährt werden muss, um Ermittlungen anstellen zu können."

Das Landesumweltamt sah sich auf MOZ-Anfrage zunächst außerstande, auf die Schnelle aussagekräftige Informationen zu bekommen, stellte aber in Kürze Antworten in Aussicht.

Die BI will indes nachlegen. Bürger könnten bei geeigneter Witterung mit ihrem Smartphone das Rufen der Wechselkröte und anderer Amphibien einfangen und per Foto mit aktiviertem Zeitstempel und GPS-Speicherfunktion Zeit und Standort dokumentieren, lädt Ramona Schmidt zum Mitmachen ein, "um dieses kostbare Biotopgebiet zu retten". Im Verein solle zudem ein Arbeitskreis "Artenschutz" aufgebaut werden, der über Gemeindegrenzen hinweg Erfahrungen austauschen und Fachkompetenz für Gutachten generieren soll.

Kontakt: Tel. 033434 473383

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