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Amtsdirektor Karsten Birkholz widerspricht der Darstellung eines MOZ-Lesers, wonach die Brücke Neurüdnitz-Siekierki umgebaut werden soll.

Europaprojekt
Klappbrücke war nie im Gespräch

Technisches Denkmal: Die Europabrücke Neurüdnitz-Siekierki soll bis 2021 saniert werden. Dafür notwendig sind Korrosionsschutzarbeiten und ein für Radfahrer und Fußgänger nutzbarer Belag, der aufgebracht werden muss.
Technisches Denkmal: Die Europabrücke Neurüdnitz-Siekierki soll bis 2021 saniert werden. Dafür notwendig sind Korrosionsschutzarbeiten und ein für Radfahrer und Fußgänger nutzbarer Belag, der aufgebracht werden muss. © Foto: Nadja Voigt
Nadja Voigt / 03.07.2019, 07:00 Uhr
Neurüdnitz (MOZ) Wissen Sie denn gar nicht, dass die Oder nach dem Willen der polnischen Regierung zu einer Wasserautobahn ausgebaut werden soll", fragt ein MOZ-Leser die überraschte Redakteurin. Der Anruf bezog sich auf die Berichterstattung im Oderland-Echo über die Konferenz im Theater am Rand als Auftakt für das deutsch-polnische Projekt "Europabrücke Neurüdnitz-Siekierki".

Das Vorhaben wurde in Zollbrücke mit einer Tagung zum Projektauftakt der Öffentlichkeit vorgestellt. Denn in Zusammenarbeit mit dem Landschaftsschutzparkverbund der Woiwodschaft Westpommern als Leadpartner richtet das Amt Barnim-Oderbruch die als "Europabrücke" benannte stillgelegte Eisenbahnbrücke über die Oder für die touristische Nutzung für Fußgänger und Radfahrer her. Bis 2021 sollen die Korrosionsschutzarbeiten durchgeführt und ein für Radfahrer und Fußgänger nutzbarer Belag aufgebracht werden. "Und die Brücke soll zur Klappbrücke umgebaut werden", so der MOZ-Leser weiter. Denn das technische Denkmal habe den Bauplänen der polnischen Regierung im Weg gestanden, die Oder bis 2030 auszubauen. Dazu sagt Amtsdirektor Karsten Birkholz: "Der Umbau zu einer Klappbrücke ist schlicht unzutreffend und technisch auch gar nicht möglich. Jedenfalls wäre es meines Erachtens eine gänzlich neue Brückenkonstruktion, die vorhandene Brücke irgendwie anklappen zu wollen."

Mitte 2016 wurde von der polnischen Schifffahrtsdirektion der Hinweis zu möglichen Ausbauwünschen der Oder an die Amtsverwaltung herangetragen, erinnert sich der Amtsdirektor. "Danach plante Polen, die Oder für den Schiffsverkehr weiter auszubauen und dafür erhebliche Mittel aufzuwenden. Die Pläne dazu waren öffentlich und wurden auch in Deutschland diskutiert. Es sollte ein ganzes Paket von Maßnahmen der polnischen Seite geben, um den Hochwasserschutz zu verbessern sowie die Schiffbarkeit für größere Schiffe zu ermöglichen. Die Finanzierung sollte meines Wissens mit Fördermitteln sowie über einen Kredit der Weltbank erfolgen." Zu einer Brückenberatung in Szczecin im Jahr 2016 war eigens ein Vertreter der polnischen Schifffahrtsdirektion hinzugekommen, der das Anliegen äußerte, das Amt möge im Rahmen der geplanten Arbeiten auch die Brücke Neurüdnitz-Siekierki höhersetzen und damit veranlassen, dass künftig größere Schiffe die Oder beziehungsweise die Brücke passieren können. "Nach kurzer Diskussion einigten wir uns dann aber mit Verweis auf die durch die Höherlegung entstehenden Kosten darauf, dass unsere nunmehr durchgeführten Arbeiten einen gegebenfalls späteren Ausbau der Oder nicht beeinflussen werden. Das soll heißen, dass eine Höhersetzung der Brücke immer noch nach Klärung der damit zusammenhängenden Kosten erfolgen kann, wenn dies notwendig erscheint. Wir haben jedenfalls eine diesbezügliche Veränderung der Brücke nicht eingeplant und haben auch nicht die Absicht, solche Arbeiten im Rahmen des jetzigen Vorhabens umzusetzen." Man habe an dieser Stelle auch darauf verweisen können, dass denklogisch auch sämtliche andere Brücken flussaufwärts und flussabwärts erhöht werden müssten, führt Karsten Birkholz aus.

Höhersetzung problematisch

Die Deutsche Bahn hatte hier in Küstrin-Kietz wohl das besondere Problem, so Karsten Birkholz weiter, die Wünsche zur Höhersetzung aufgrund der davor und dahinter liegenden Brücken gar nicht erfüllen zu können: "Auf deutscher Seite unterquert die Bahnstrecke kurz vor der Oder die Straßenbrücke der Ortsumfahrung Küstrin-Kietz. Im Falle einer Anhebung gäbe es Kollisionen mit der Straßenbrücke. Auf polnischer Seite folgt gleich nach der Oder-Eisenbahnbrücke eine Warthebrücke, die im Falle der Erhöhung der Oderbrücke gleichfalls angehoben werden müsste. Das hatte man wohl auch nicht berücksichtigt."

Europabrücke

In enger Zusammenarbeit umfasst das deutsch-polnische Projekt die Verknüpfung der benachbarten Regionen, die Förderung des naturnahen Tourismus sowie die Erhaltung eines gemeinsamen technischen Denkmals. Alle Beteiligten hoffen, den ambitionierten Zeitplan umsetzen zu können. Dieser sieht vor, zunächst mit naturschutzfachlichen Maßnahmen zu beginnen.

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