Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Naturerlebnis
Wunderbare Freundschaft mit Altersunterschied

Lernen in der Natur: Max lässt sich von Michael Schulz Spuren am Geäst erklären. Ein Rehbock hat hier sein Gehörn gewetzt.
Lernen in der Natur: Max lässt sich von Michael Schulz Spuren am Geäst erklären. Ein Rehbock hat hier sein Gehörn gewetzt. © Foto: Anke Beißer
Anke Beißer / 04.07.2019, 06:00 Uhr
Hartmannsdorf (MOZ) In Sachen Natur kennt Max Kloppe sich überraschend gut aus. Ein Jäger aus Berlin hatte den aufgeweckten und wissbegierigen Jungen vor vier Jahren, als er gerade mal acht war, zum ersten Mal mit auf die Pirsch genommen.

Seine Neugierde war da längst geweckt an Flora und Fauna rund um sein Zuhause in Hartmannsdorf. Fest stand auch, dass er der Arbeitsgemeinschaft Natur und Umwelt seiner Grundschule "Am Kiefernwald" beitreten würde. Die wiederum wird von seinem Nachbarn, dem Jäger und Angler Michael Schulz, geleitet. Zwischen beiden hat sich eine Freundschaft entwickelt – ungeachtet des Altersunterschiedes von 68 Jahren.

Der 80-jähige Senior ist des Lobes voll über den 12-jährigen Jungen. Wie sein Vater Thomas gehört er der Feuerwehr und dem Angelverein an. Der Junior hat unterschiedliche Freunde. Mit den einen ist er mehr im Haus, mit den anderen im Wald unterwegs, geht Angeln. "Ich hab eine Angelerlaubnis und eine Fischabgabemarke." Sechs Ruten nennt Max sein Eigen. Sein größter Fang war vor einem Jahr ein 41 Zentimeter großer Schlei. "Ich hab ihn zurückgesetzt, wusste nicht, was ich mit ihm machen soll."

Außergewöhnlich ist sein Interesse an der Jagd und der Tierbeobachtung. Mit Michael Schulz zieht er regelmäßig los. Max lässt sich die Natur erklären, lernt Spuren lesen, will mehr über das Verhalten der  Tiere erfahren. Dabei hat er sich schon so viel Wissen angeeignet, dass es zwischen ihm und Schulz durchaus zu Fachsimpeleien kommt.

Regelmäßig sitzen die Zwei nebeneinander in der Kanzel, dann wird darüber gesprochen, was sie sehen, über das Wild, die Vögel, aber auch das Brauchtum der Jäger. Ein paar der jagdlichen Begriffe kennt Max schon und verwendet sie ganz selbstverständlich. "Kirrungen" zum Beispiel  – Futterstellen, um das Wild anzulocken, damit es beobachtet oder auch geschossen werden kann. Letzteres findet er ganz normal. "Wenn es zu viele Füchse gibt, muss man sie schießen", sagt Max.

Er sei auch schon dabei gewesen, als ein Reh erlegt wurde, hat danach eine Niere in die Hand genommen. "Das war ein komisches Gefühl mit dem Blut, also dem Schweiß, wie es heißt, und noch warm", gibt der 12-Jährige zu. Trotzdem ist er sich sicher, dass er mit 16 Jahren das "grüne Abitur" ablegen, den Jugendjagdschein erwerben will.

Max’ Interesse an der Natur reicht noch wesentlich weiter. Mit Michael Schulz hat er Nistkästen gebaut, diese und Sommerquartiere für Fledermäuse an Bäume gehängt. In der Nähe seines Hauses hat er zudem eine Wildkamera installiert. Die schließt er regelmäßig an seinen Computer an, um zu sehen, was vorbei gezogen ist.

Für die Sommerferien haben Max und Schulz noch große Pläne. Sie wollen eine Kanzel bauen und in Stäbchen aufstellen. Max darf ihr einen Namen geben. "Den muss ich mir erst noch überlegen." Auch ein neuer Lebensabschnitt steht ihm bevor, ab August wird er die Spree-Oberschule in Fürstenwalde besuchen. Auf dem Stundenplan stehen neue Fächer wie Biologie. "Das könnte mein Lieblingsfach werden."

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG