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Meisterhaft
Europameistertitel nach Ragösen geholt!

Bärbel Kraemer / 04.07.2019, 13:18 Uhr
Ragösen Der Hohe Fläming hat sechs weitere Europameister. Still und leise sind Steffen und Stefan Lukas, Jörg Überall, Ulrich Meyer, Enrico Miethbauer und Enrico Nickel mit dem Titel in die Heimat - konkret nach Ragösen - zurückgekehrt. Eine Urkunde und eine 80 mal 80 Zentimeter große Zielscheibe mit Einschlagloch hat das Sextett des Vereins "Großkaliberschützen Ragösen" von seiner Teilnahme an der 5. Europameisterschaft der leichten Feldartillerie im thüringischen Sondershausen mitgebracht.

Ausrichter des Wettbewerbs ist der Verband Deutscher Schwarzpulver Kanoniere (VDSK) und der Verband der Deutschen Schießsport Union (DSU). "Es ist ja nicht unser erster Titel", sagt Steffen Lucas - der Hauptmann der Truppe. Nachdem das Sextett bereits im vergangenen Jahr den Europameistertitel im Schießen auf 200-Meter gewann, gelang der große Coup jetzt auf der 400-Meter Bahn.

"Diese Disziplin lief anfangs als Feldversuch", beginnt der 52-Jährige zu erzählen und öffnet einige Bilder, die er vom Wettkampf auf seinem Handy gespeichert hat. Sie zeigen Männer in historischen Uniformen, qualmende Kanonen, ein Biwak. Mittendrin, die Ragösener vom Großkaliberschützenverein.

"Dieses Bild ist mir besonders wichtig. Unsere Kanone kurz nach der Zündung", so Lukas auf eine der Aufnahmen deutend. Die gewaltige Qualmwolke, die aus dem Kanonenschlund aufsteigt, lässt den Knall und die damit verbundene gewaltige Kraft erahnen. Trotz des Höllenlärms geht es dabei friedlich zu. Mit den Kanonen wird nur auf Zielscheiben aus Papier geschossen. "Unser Verein ist Mitglied im VDSK", ergänzt Lukas - damit zugleich erklärend, dass ihr Faible für donnernde Geschütze rechtlich abgesegnet ist.

Doch zurück zum Wettkampf. Mehr als 130 Schützen traten im Wettkampf Mitte Juni auf dem Schießplatz der Bundeswehr am Dickkopf bei Sondershausen gegeneinander an. Den Vorjahrestitel beim Schießen auf der 200-Meter-Bahn konnten die Ragösener dabei nicht verteidigen. "Wir wurden nur sechster. Alle anderen schlafen ja auch nicht", bemerkt der 52-Jährige.

Nachdem der Feldversuch auf der 400-Meter-Bahn jedoch erfolgreich war, wurde die Europameisterschaft kurzerhand um eine weitere Disziplin erweitert. "In dieser Entfernung noch zu treffen, das ist schwer", sagt Lukas. Aber eben nicht unmöglich. Denn das Unmögliche gelang den Ragösenern. Sie setzten sich in dieser erstmals ausgetragenen Disziplin gegen fünf Mitbewerber durch.

Den Titel, da sind sich die Männer einig, haben nicht nur sie erkämpft. Einen bedeutenden Anteil am Sieg wird der von Lukas nach historischen Vorlagen gebauten Kanone zugeschrieben. Seitdem am Geschoss vor drei Jahren das ursprünglich gusseiserne Kanonenrohr durch eines aus Schmiedestahl ersetzt wurde, konnte die Treffgenauigkeit enorm verbessert werden. "Das ist die Formel 1 unter den Kanonen", betont Lukas.

Am 30. August dieses Jahres werden die Männer des Ragösener Vereins abermals in die Zeit der Befreiungskriege (1813 bis 1815) eintauchen. Sie werden ihre maßgeschneiderten Uniformen der preußischen Artillerie anziehen und samt Kanone ins Biwak ziehen, um an einer weiteren Meisterschaft auf dem Schießplatz in Altengrabow teilzunehmen

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