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In Dannenberg gibt es jetzt offiziell Bio-Milch. Die Produktivgesellschaft mit 300 Rindern und 650 Hektar Ackerland ist jetzt ein Demeter-Betrieb

Umstellung
Alles bio an der Milchtankstelle

Ellen Werner / 04.07.2019, 21:14 Uhr
Dannenberg (MOZ) Wie frisch aufgeschäumt sieht die fast gelbe Milch aus. Der Eimer mit dem Kälbchenschnuller wird schnell leerer. Das schwarz-weiß gescheckte Tierkind hat einen ordentlichen Zug. Beim Andocken hilft Rebecca Harnack trotzdem noch nach. "Sie ist gestern Nachmittag erst geboren worden", sagt die Chefin der Dannenberger Milchviehanlage am Donnerstag. An den ersten bis zu fünf Lebenstagen gibt es für das Kälbchen noch Milch von der eigenen Mutter, erzählt sie. "Danach bekommt es die Milch, die es auch an der Milchtankstelle zu kaufen gibt."

Reine Demeter-Qualität ist es in jedem Fall. Vor sieben Jahren hatte die Produktivgesellschaft Dannenberg mbH als erste im Landkreis die Tankstelle eingerichtet – eine Kühl-Zapfsäule, an der Kunden selbst frische Milch abfüllen können. Nun dürfte es die einzige Stelle sein, an der nach den Richtlinien des Demeterverbandes erzeugte Rohmilch gezapft werden kann. Seit Juli darf sich der Hof, der schwerpunktmäßig Milchkühe hält, offiziell Demeter-Betrieb nennen.

Umstellung finanziell ein Risiko

Sorge, dass aus der Zertifizierung nichts werden könnte, habe er bei der jährlichen Betriebskontrolle des Verbandes neulich nicht gehabt, sagt Jens Petermann (54). "Aber es war schon eine sportliche Herausforderung, das in den zwei Jahren zu schaffen", fügt der Geschäftsführer des Ökobetriebes hinzu, der beim Verpacken von Silageballen eine Pause zum Reden einlegt. Vor allem finanziell sei die Umstellung auf biologisch-dynamische Landwirtschaft mit hohen Risiken verbunden.

Was ihn dennoch dazu bewogen hat? "Ich arbeite seit über zehn Jahren konventionell unkonventionell", antwortet Petermann. Damals beobachtete er, wie Böden begannen zu erodieren und beschloss umzusteuern, innerhalb der herkömmlichen Produktionsweise neue Wege zu gehen, an der Kreislaufwirtschaft mit Tier, Boden, Mensch und Pflanze festzuhalten. "Damit ist man aber sehr auf sich allein gestellt", sagt er. Als der Betrieb auf dem angespannten Milchmarkt zunehmend in Schwierigkeiten kam, war das für ihn der letzte Anlass, auf Bio umzustellen.

Unter den vielen Anbauverbänden habe er bei Demeter die größte Übereinstimmung mit seinen Werten und Idealen gefunden, sagt Jens Petermann, der den Hof seit 2003 leitet. Die größte Herausforderung, die Standards umzusetzen, gab es für ihn in der Tierhaltung, unter anderem weil die Rinder, die ihre Hörner nun behalten, mehr Platz und alle Tiere freien Auslauf brauchen. 300 Rinder, darunter 110 Kühe, die gemolken werden und 40 Mastrinder, deren Fleisch es im Hofladen zu kaufen gibt, hat der Betrieb.

In Angriff nehmen konnte der Familienbetrieb – Jens Petermanns Frau Gabriela arbeitet ebenfalls mit –, weil inzwischen seine Tochter und ihr Freund ihre gemeinsame Zukunft in dem Hof sehen. Skadi Petermann (21) kümmert sich um Marketing und Vertrieb. Florian Krafft (22) ist Produktionschef im Ackerbau. Am Donnerstagvormittag arbeiten beide Jungbauern, die gerade ausgelernt haben und nun in den Meisterkurs gehen, Hand in Hand. Auf einem Feld bei Dannenberg wird Futterklee geerntet. Er fährt den großen Traktor mit der Ballenpresse, sie den noch größeren mit dem Schwader.

"Das ist schon eine ganz schöne Herausforderung", sagt Skadi Petermann über die Arbeit und auch die Pläne, ihrem Vater nach und nach Verantwortung abzunehmen. "In der Landwirtschaft gibt es eben keine Termine und die Tiere brauchen 365 Tage im Jahr Zuwendung", sagt Florian. "Aber das wussten wir ja vorher."

Mit den Jungbauern ist der Betrieb auch digital in ein neues Zeitalter gestartet. Was auf dem Dannenberger Hof so los ist, berichtet Skadi Petermann in dem sozialen Foto-Netzwerk Instagram. "Skadysfarmlife" hat dort fast 13 000 Anhänger.

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