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Mit nur 40 groß gewordenen Jung­vögeln war 2018 ein schlechtes Storchenjahr in der Region, sagt Rainer Friedrich.

Naturschutz
Storchenbetreuer sucht Nachwuchs

Im Gespräch: Gisela Ziehm vom Naturschutzbund Oberbarnim und der Storchenbeauftragte Rainer Friedrich
Im Gespräch: Gisela Ziehm vom Naturschutzbund Oberbarnim und der Storchenbeauftragte Rainer Friedrich © Foto: Anett Zimmermann
Anett Zimmermann / 09.07.2019, 06:00 Uhr - Aktualisiert 09.07.2019, 07:58
Altgaul (MOZ) Auch für das Storchenjahr 2019 sieht der Storchenbeauftragte keine Besserung. Das erklärte Rainer Friedrich bei einem Vortrag über die aktuelle Situation der Weißstörche am Sonnabendnachmittag im Storchenmuseum in Altgaul. Und: Wenn der Bestand der Störche zurückgeht, müsse man sich um die Natur Sorgen machen. So  gebe es inzwischen Jahre, in denen 90 Prozent der Jungvögel nicht durchkommen, gab er zu bedenken.

Bereits am nächsten Wochenende könnten die ersten Störche die Region wieder verlassen, vermutet Rainer Friedrich. Grund sei, dass die Vögel immer früher zurückkehren. "Der Bad Freienwalder Storch war ja schon im Februar wieder hier", erinnerte er. Rainer Friedrich ist ehrenamtlicher Storchenbeauftragter in Brandenburg und betreut als Regionalkoordinator den ehemaligen Bezirk Frankfurt (Oder) und die Uckermark.

Ausgangspunkt für den Arbeitskreis Weißstorch zu DDR-Zeiten sei in Bad Freienwalde und Altgaul gewesen, berichtete Rainer Friedrich und verwies auf das Engagement von Kurt Kretschmann und Gleichgesinnten um den Erhalt des einstigen Brennofens als Storchenturm. 1978 wurde in seinem Innern auch ein kleines Museum eingerichtet. Der Arbeitskreis habe dem Kulturbund angehört, der sich nach der Wende aufgelöst hat. "Der Arbeitskreis blieb bestehen und schloss sich dem Naturschutzbund an", so Reiner Friedrich und fügte hinzu: "Die westdeutschen Storchenfreunde haben sich dann dem Arbeitskreis angeschlossen."

Bestand halbiert

Bundesweit gebe es heute etwa 6600 Brutpaare. "Das sind 2000 mehr als vor 25 Jahren." Vor allem in den alten Bundesländern habe der Bestand stark zugenommen. "In Mecklenburg-Vorpommern ist er dagegen nahezu halbiert", machte Rainer Friedrich auf Unterschiede und Probleme aufmerksam. Nach den Ursachen gefragt, nannte er die Landwirtschaft mit Monokulturen und intensiver Bearbeitung, aber auch den Klimawandel und Wetterextreme.

Hätten vor 25 Jahren drei bis fünf Jungvögel pro Brutpaar gezählt werden können, so seien es heute meist nur ein bis zwei. "Sind es mehr, ist die Freude groß." Das Betreuernetz in der Region bestehe oft noch aus DDR-Zeiten. "Deshalb suchen wir jüngere Helfer mit Liebe, Lust und Leidenschaft – das gilt auch für den Altkreis Bad Freienwalde", sagte Rainer Friedrich, der einst nur ein Jahr mitmachen wollte und nun schon seit 42 Jahren dabei ist.

Frieda und Franz heißt das Storchenpaar in Altgaul. Es traf Ende März ein und hat zwei Junge kurz vor dem Ausfliegen.

1400 Brutpaare im Land Brandenburg

In der Oderregion gibt es laut Rainer Friedrich insgesamt etwa 400 Brutpaare. 1400 sind es in Brandenburg. Der Bestand sinkt jedoch, weil es weniger Jungstörche gibt. Auf den Altkreis Bad Freienwalde bezogen war das Jahr 1989 das beste – damals wurden 30 Brutpaare gezählt, 27 hatten Nachwuchs mit am Ende 98 Jungvögeln. Zum weiteren Vergleich: 1997 gab es nur 22 Brutpaare. 15 davon hatten Nachwuchs mit letztlich 31 groß gewordenen Jungvögeln. Um den Bestand zu erhalten, sind zwei überlebende Jungvögel pro Brutpaar nötig. Der storchenreichste Ort in der Region ist Güstebieser Loose mit sechs bis neun Brutpaaren.⇥azi

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