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Nach langer Pause konnte der ehemalige Führungs­bunker des Ministeriums des Innern der DDR in Freudenberg jetzt wieder besichtigt werden.

Zeitgeschichte
Alter Führungsbunker erstmals wieder offen

Anett Zimmermann / 09.07.2019, 07:00 Uhr - Aktualisiert 10.07.2019, 19:58
Freudenberg (MOZ) Bunker" steht ab der Kirche in Freudenberg immer wieder auf Schildern, die den Weg zum Gelände des ehemaligen Führungsbunkers des Ministeriums des Innern der DDR weisen. "Im Herbst 2015 hatten wir hier die letzten Führungen", berichtet Bunkerexperte Hans-Jürgen Herget. Der Besitzer habe die oberirdischen Gebäude damals für Flüchtlinge herrichten wollen und auch schon damit angefangen. Nur: Flüchtlinge seien dort nie eingezogen. Inzwischen sei der Bunker in chinesische Hände gewechselt, sagt Herget. Auch zu den neuen Eigentümern haben er und seine Mitstreiter Kontakt. Nun sei wohl ein größeres Projekt auf dem Gelände geplant, aber Konkreteres wisse er nicht.

Mit einer ersten kleinen Gruppe geht er über einen Nebeneingang in den Bunker, der aus drei Teilen besteht. "Das Schloss vorn ist beschädigt, da müssen wir mit der Flexmaschine ran", sagt Herget und bedauert, dass sich immer wieder Unbefugte auf dem Gelände zu schaffen machen. "Das sieht alles so alt und verkommen aus", meint eine Frau. "Aber was erwartest Du? 30 Jahre nach dem Mauerfall?", eine andere. Und einer der Männer ist mit Stirnlampe offensichtlich am besten ausgerüstet. Zur Not hat er beide Hände frei. Immer wieder warnt Herget und später sein Kollege vor Gefahrenstellen in Kopf- wie Fußhöhe, darunter tiefe Türstürze, unegale Treppenstufen und hohe Schwellen. Zudem gibt es nicht überall im Bunker Licht.

Fertiggestellt worden ist dieser erst 1986. "Die Technik war damals auf dem neuesten Stand", heißt es und, dass die im Westen auch nicht anders ausgesehen habe. Bei der Nutzung von Erdantennen, mit denen Signale von unterschiedlichen Standorten aus gesendet werden konnten und die dadurch schwer anpeilbar waren, sei man der Bundeswehr sogar voraus gewesen.

Erstmals nach langer Pause konnten Interessierte am ersten Juli-Wochenende 2019 den ehemaligen Führungsbunker des Ministeriums des Innern der DDR in Freudenberg wieder besichtigen.
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Bunkerführung in Freudenberg

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Vorbei an noch recht gut erhaltenen Sanitäranlagen geht es in den Dispatcherraum. Auch hier wird vor Schimmel gewarnt. Unterkunftsräume – allerdings nicht zum Schlafen –, eine kleine Küche und ein ehemaliges Büro folgen. Hin und wieder sind gelbe Metallboxen zu entdecken. Für den Fall, dass die Belüftung ausgefallen wäre, hätten die Filter darin bis zu drei, vier Stunden Zeit verschafft, erläutert Hans-Jürgen Herget und ergänzt, dass der Freudenberger Bunker keine besonders hohen Anforderungen erfülle. "Nach spätestens drei Tagen hätte der Krieg zu Ende sein müssen, länger reichten auch die Lebensmittel nicht."

Bei den Baukosten spricht er von Geistersummen, die bis zu 120 Millionen DDR-Mark reichen und hält 60 Millionen für realistisch. Zudem sei auch bei diesem als Schulungsobjekt getarnten Bunker gespart worden, wo es nur gegangen sei. "Jeder Sack Zement, der hierhin ging, fehlte beim Wohnungsbau", macht Herget das Dilemma der DDR-Mangelwirtschaft deutlich. Am Ende sei der Bunker lediglich mit Schutzklasse E eingestuft worden. "Einen Artillerieschlag hätte er überstanden, aber kein größeres Bombardement."

Dann hat das RBB-Team seine Aufnahmen im Kasten und ist auch der Haupteingang wieder frei. Über einen 300 Meter langen Zugangstunnel geht es nun auf "normalem" Weg in den Bunker. Der jüngste Besucher in der Gruppe ist gerade mal fünf Jahre alt. "Ich zeige alles, was wichtig ist, aber keine leeren Räume", sagt Hergets Kollege und schaltet kurz einen kleinen Generator an, damit die Gruppe eine Ahnung davon bekommt, welch Geräuschpegel einst permanent im Bunker herrschte. Besonderer Anziehungspunkt: die noch funktionierende fluoreszierende Farbe bei den Wegweisern an den Wänden. Da wird gemalt mit Licht.

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