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Der neue Zerpenschleuser Ortsvorsteher Marco Scafaro will mit seinen Mitstreitern den Ort in die Mitte von Wandlitz lotsen. Noch fehlen aber Wohnraum, Baugebiete, ein Radweg und kulturelle Angebote.

Amtsantritt
Gegen das Gefühl, abgehängt zu sein

Hans Still / 09.07.2019, 21:05 Uhr
Zerpenschleuse (MOZ) Er ist nach eigenen Worten total unpolitisch, zudem unverheiratet, Vater zweier Kinder, und er würde in seiner Freizeit gern öfter mit seinem alten Motorrad der Marke BMW fahren. Marco Scafaro (52) wurde jüngst zum Ortsvorsteher von Zerpenschleuse gewählt. Er wechselt damit auf einen Stuhl, der in der Vergangenheit eher selten warm wurde. Scafaros Amtsvorgängerin machte sich zuweilen rar, das erfuhr der kräftige Mann mit italienischen Vorfahren am eigenen Leib. "Ich hatte vergeblich versucht, Anfragen zum Verkehr im Ort loszuwerden. Mails wurden nicht beantwortet, das fand ich am Ende nicht lustig", erinnert sich der Zerpenschleuser, der erst seit 2014 im Ort wohnt.

Aus dieser Situation erwuchs ein Motiv, sich für die Mitarbeit im Ortsbeirat zu melden. Im Sommer gibt es im Ort an verschiedenen Stellen Probleme mit dem Pkw-Verkehr. Anwohner kommen nicht von den Grundstücken und sind auf Hilfe und Klärung angewiesen. Auch wird zu schnell gefahren und die Feuerwehr hätte im Noteinsatz Probleme, die engen Stellen zu queren. "Das ist das Gegenteil von dem, was ich im Ort gesucht habe. Nämlich die Ruhe", gesteht der Ortsvorsteher ein. Er wohnt gegenüber dem Langen Trödel, schätzt die Idylle am Wasser und würde sich von den Gästen des Ortes mehr Rücksichtnahme wünschen.

Beruflich schildert der Zerpenschleuser einen Werdegang, der sicher für mehrere Biografien reicht. So lernte er einst im Westen Deutschlands den Beruf eines Kartografen, der die Typografie per Hand beherrscht und filigran Landkarten zu zeichnen vermag. Mit dem Siegeszug der PC-Technik habe sich dieser Berufsstrang erledigt. Später  habe Scafaro Archäologie studiert und dies "bis auf die letzte Prüfung durchgezogen". Danach folgt ein Kapitel voller Geheimnisse. Durch gute Kontakte zur amerikanischen Botschaft kam Scafaro zur Anfrage,  archäologische Bodengutachten für Militärbasen zu erstellen.  Dies habe später teilweise halbjährliche Abwesenheit und Reisen um die halbe Welt erfordert. Nunmehr will er aber kürzer treten, habe sich von der Mitarbeit beim Militär gänzlich verabschiedet und sei nun als Bademeister im Strandbad von Lübars beschäftigt. Ab November will er in die Selbstständigkeit starten und sich auf Werbetechnik konzentrieren.

Fuchs und Hase lassen grüßen

Keinesfalls mitansehen wollte Scafaro vor der Kommunalwahl, wie Zerpenschleuse womöglich in die Verwaltung der Gemeinde fällt. Der alte Ortsbeirat war zurückgetreten, neue Bewerber zunächst nicht in Sicht. "Ich dachte zuerst an meine eigenen Probleme mit dem Ortsbeirat und merkte dann, andere haben ähnliche Sorgen. Am Ende wurde mir gesagt, ich sollte mich für den Ortsbeirat zur Verfügung stellen."

Angehen will der Ortsvorsteher gegen das Gefühl vieler im Ort, ganz im Norden der Gemeinde abgehängt zu sein. Gründe gibt es allerdings für diese Befindlichkeit. "Wir reden hier über Wohnungsknappheit und wenig Bauland, um eigene Wände zu errichten. Es fehlt der Radweg nach Klosterfelde, und auch das kulturelle Leben lässt zu wünschen übrig." Schön wären beispielsweise neben dem Eiscafé und dem Restaurant einige Konzerte. "Es herrscht der Eindruck, hier sagen sich Fuchs und Hase Gute Nacht", benennt Scafaro sein Fazit. Am 6. August tagt der Ortsbeirat übrigens um 19 Uhr im Bürgerbüro.

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