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Naturschutz
Managementplan soll mehr Wasser im Weesower Luch halten

Kerstin Ewald / 23.07.2019, 12:00 Uhr
Weesow (MOZ) Wir sind eigentlich keine Naturschutzexperten", meint Jutta Lehmann kurz vor einem Ausflug ins Weesower Luch, "ich bezeichne uns eher als Naturfreunde."

Die Leidenschaft für die Tiere und Pflanzen im "Weesower Luch" unweit von ihrem Wohnhaus ist Jutta und Karl Lehmann anzumerken. Drei bis  vier Mal pro Woche besuchen sie den Landflecken, der nach der europäischen "Fauna-Flora-Habitatrichtlinie (FFH)" geschützt ist. Dabei lassen sie sich nicht nur den Kopf nach der Büroarbeit frei pusten, sondern dokumentieren alles, was da fleucht und kreucht. Ihre Fotos zeigen sie auf ihrer eigens für das Weesower Luch eingerichteten Webseite. Inzwischen kennen Jutta und Karl Lehmann beinahe jeden Baum und alle Feldsteinhaufen auf dem rund 57 Hektar großen Gebiet.

Anfang des Jahres wurde ihnen sogar eine offizielle Aufgabe vom Landschaftspflegeverband Barnim übertragen. "Wenn es bei uns mal geregnet hat, dann sausen wir mit der Kamera los und checken, ob Wasser in den Gräben steht", erklärt Jutta Lehmann. Sie zeigt nicht ganz ohne Stolz ihren Dienstausweis als ehrenamtliche Naturschutzhelferin. Beide Lehmanns haben dieses Dokument, das sie unter anderem berechtigt, Bereiche zu betreten, die für andere Tabu sind – natürlich nur, soweit es zur Erfüllung ihrer Aufgaben nötig ist. Spaziergänge im Weesower Luch sind generell nur auf dem Rundweg erlaubt.

Das größte Problem, das seit Jahren die Tiere – unter ihnen ist die seltene Rotbauchunke, der Kammmolch und der Große Feuerfalter – und Pflanzen bedroht, ist die Trockenheit. Die kleinen Seen im Luch sind aufgrund des Wassermangels verschwunden. So ist das Land Brandenburg von der EU verpflichtet worden, die Feuchtigkeit im Luch zu halten, damit der Lebensraum der tierischen und pflanzlichen Bewohner nicht weiter schrumpft. Seit Februar 2017 haben mehrere Akteure zusammen an einem umfangreichen Maßnahmenkatalog, der sogenannten FFH-Managementplanung gearbeitet. Die Aufgaben müssen nun arbeitsteilig zwischen Land Brandenburg, Kreis Barnim und der Stadt Werneuchen angegangen werden. Als nächstes sollen Stauanlagen im Hohen Graben gebaut werden. Genau zu diesem Zweck tragen die Lehmanns Informationen zusammen, die Fachleuten ihre Entscheidung, wo gestaut werden soll, erleichtern. Voraussichtlich wird das Wasser ab einer gewissen Höhe vom Hohen Graben in die angrenzenden Gräben und Pfuhle rundumgeleitet.

Während der Plan ausgearbeitet wurde, konnte die Öffentlichkeit an Exkursionen und Workshops teilnehmen. Auch die Landwirte der Umgebung beteiligten sich an den Veranstaltungen. Arnold Schneider, Wasserexperte vom Landschaftspflegeverband, findet das sehr wichtig: "Wir stimmen auch deswegen unser Vorgehen mit Jagdpächtern, Landwirten und Anwohnern ab, damit die Maßnahmen später auf breite Akzeptanz stoßen", erklärt er. Unbekannte hätten beispielsweise schon einmal einen Schieberegler entfernt, der mehr Wasser im Gebiet halten sollte. Doch – das ist die unbequeme Wahrheit – wenn es nicht ausreichend regnet, hilft die ausgeklügeltste  Anlage leider nichts.

So warten Naturfreunde wie auch die Lehmanns weiter auf Hilfe von oben in Form von genügendem Niederschlag. Manchmal sprechen sie auf ihren Streifzügen Spaziergänger an, die verbotenerweise quer durchs Luch turnen. "Viele Leute merken gar nicht, dass sie sich in einem geschützten Gebiet befinden, anderen ist es leider egal", erklärt Karl Lehmann.

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