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Nach fünf Jahren liebevoller Sanierung wollen Beate und Michael Oelsch in eines der ältesten Baiersberger Gebäude ziehen.

Traumhaus
Baiersberger Spinnerdorfhaus gerettet

Ulf Grieger / 24.07.2019, 06:00 Uhr
Buschdorf (MOZ) Der Buschdorfer Ortsteil Baiersberg hat ein neues Kleinod: das sanierte Fachwerkhaus von Michael und Beate Oelsch. Ende 2013 hatten sie das 5000 Quadratmeter große Grundstück erworben, auf dem ein verfallenes Fachwerkhäuschen stand. Zu Weihnachten wollen sie darin wohnen.

Für Beate Oelsch und ihren Mann ist es eine Rückkehr nach fast 30 Jahren in der Fremde. Die einstige Mitarbeiterin der OGS Seelow und der aus dem Vogtland stammende NVA-Bauingenieur hatten 1991 die Zelte im Oderland abgebrochen und waren nach Unterfranken gezogen. In all den Jahren war die Verbindung nach Baiersberg, wo Beate Oelsch aufgewachsen ist und noch immer die Familie der Schwester Gudrun Pehle wohnt, nie abgerissen. Dann gab es die Gelegenheit, das Nachbargrundstück der Schwester zu kaufen. "Ich kenne dieses Haus noch, als hier Familien mit vielen Kindern gewohnt haben. Die Kinder waren natürlich auch unsere Spielkameraden", erzählt Beate Oelsch (62).

Zunächst nur Feriendomizil

Anfangs sollte das Grundstück nur Feriendomizil sein. "Ich wollte das Häuschen abreißen. Aber als wir die alten Biberschwänze abgenommen hatten, sahen wir  die gute Substanz des Fachwerkes", erzählt Michael Oelsch (61). Gemeinsam mit dem befreundeten Lehmbaumeister Dieter Kotras und Verwandten wurde die Sanierung gestartet. Bei den Dachziegeln fand sich ein Anhaltspunkt für das Alter des Häuschens: Einige wurden 1852 gebrannt. Da es aber verschiedene Ziegelarten auf dem Dach gab, kann das tatsächliche Alter des Gebäudes, das zu den ältesten im Dorf zählen dürfte, nur vermutet werden.

Die Großeltern von Beate Oelsch und Gudrun Pehle waren 1948 als Vertriebene aus Ostpreußen ins Oderbruch gekommen. Großvater Rudolf Damrau hatte die Eiche gepflanzt, die nun als Grenzbaum zwischen  den Gärten der Schwestern steht. Als Hausbaum fungiert ein alter Nussbaum. Den Ziegenstall haben Oelsches zum Wirtschaftsraum umfunktioniert, in dem sich auch Wasch- und Kochgelegenheit finden. Bei der Sanierung haben die Rückkehrer ganz bewusst Modernes mit Herkömmlichem verbunden. So wurde der Lehm, der in den Fächern steckte, für die neuen Ausfachungen genutzt. Für den Lehmputz der Innenwände allerdings setzt Meister Kotras hingegen neuen Lehm ein. Etwa 70 Prozent des alten Holzständerwerkes konnten aufgearbeitet und wiederverwendet werden. Stefan Renner, der Schwiegersohn des Paares, war dabei als Fachmann in Aktion.

Nachhaltige Baustoffe

Richtig innovativ allerdings ist der Fußboden. Weil das alte Haus natürlich keine Bodenplatte hatte und alles nach Ansicht des Lehmbaumeisters Kotras auch immer so gebaut werden soll, dass man später mal alles wieder spurlos beseitigen kann, wurde als Fußboden ein Glasschaumschotter verwendet, der aus Altglas hergestellt wird. Darauf wurde eine Fußbodenheizung aufgebaut, die mit Luftwärmepumpe betrieben wird. Die Tischlerei Müller aus Manschnow hat die Fenster gebaut. Jedes ist ein Unikat.

Wenn Familie Oelsch Weihnachten dort einzieht, ist mit den Bauarbeiten noch lange nicht Schluss. So wie sie selbst über 30 Jahre lang herrliche Ferien im Oderbruch verbracht haben, wollen sie auch anderen die Gelegenheit dafür bieten. Die Gemeindevertreter von Zechin haben kürzlich grünes Licht für den Bau eines Ferienhauses im Garten gegeben.

Baiersberg in Buschdorf

1926 entstand Buschdorf aus den drei Spinnerdörfern namens Baiersberg, Gerickensberg und Lehmannshöfel. Diese waren auf Vorschlag des Geheimen Finanzrates Franz Balthasar Schönberg von Brenkenhoff etwa 1765 bis 1766 eigens angelegt worden, um Wollmanufakturen in Berlin mit gesponnener Wolle zu versorgen: So wurden vom Preußen-König Friedrich II. nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges Kolonisten für die preußische Tuchindustrie angeworben. Bevor um 1935 die Baiersberger Pflasterstraße gebaut wurde, hatten die Anlieger die Aufgabe, samstags bis 14 Uhr die Straße zu kehren.⇥ulg

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