Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Lilienthal
Der Tüftler starb, doch die Luftfahrtidee lebte weiter

René Wernitz / 03.08.2019, 06:30 Uhr
Stölln (MOZ) Der 1844 geborene Carl Benz und der 1848 geborene Otto Lilienthal waren Tüftler und Visionäre, ihrer Zeit weit voraus. Beide waren verheiratet. Bertha Benz ging in die Geschichte ein als die erste Frau am Steuer eines Automobils (1888). Niemand weiß indes, was die Zukunft für Lilienthals bereit gehalten hätte. Vielleicht wäre Agnes Lilienthal  die erste Frau am Steuer eines Fliegers gewesen.

Otto Lilienthal stand auf dem Sprung, eine Branche zu begründen. Lange hatte der Ingenieur zunächst das Flugverhalten der Störche studiert. Mit von ihm gebauten Gleitern war er erstmals in Derwitz bei Werder/Havel vom Boden abgehoben. In den Rhinower Bergen, von denen er 1893 gestartet war, gelangen bis zu 250 Meter weite Flüge. "Im Folgejahr verlegte er seinen Übungsplatz weiter Richtung Osten auf den Gollenberg bei Stölln. Nun bezog er an den Wochenenden Quartier im Stöllner Gasthof Herms, wo seine Flugapparate in einer Scheune untergestellt waren", wird auf www.otto-lilienthal.de berichtet. "Die Tage verbrachte er mit Flugübungen auf dem Gollenberg."

Der 9. August 1896 markiert das Ende der Forschungen Lilienthals. An dem Tag war beim Gleitflug von einer Windböe erfasst worden. Aus rund 17 Meter Höhe war er senkrecht zu Boden gestürzt. Otto Lilienthal verletzte sich so schwer an der Wirbelsäule, dass er am Tag darauf in einem Berliner Krankenhaus verstarb. Genau 123 Jahre nach Tod des genialen Tüftlers ist wieder Otto-Lilienthal-Fest am Originalschauplatz in Stölln. Die Besucher können sich auf ein abwechslungsreiches Festprogramm freuen (12.00 bis 18.00 Uhr). Der Eintritt ist frei!

Während das Lilienthal-Centrum im Ortskern Leben, Schaffen und Nachwirkung des Visionärs dokumentiert, zeugt ein Flugzeug am Gollenberg davon, dass die Eroberung des Himmels durch den Menschen tatsächlich gelang. Die vor 30 Jahren, im Oktober 1989,  auf einem nahen Feld gelandete Maschine vom sowjetischen Typ Iljuschin 62 war der Lohn der Mühen, die die  Stöllner für das Lilienthal-Andenken aufbrachten. Das Flugzeug war ein Geschenk der DDR-Airline Interflug. Seither wird die IL-62 gehegt und gepflegt. Sie ist Ausstellungsraum und sogar Standesamt. Unterhalb ihrer Tragflächen und Turbinen steigt auch die nächste Auflage des Otto-Lilienthal-Festes. Und wer die Maschine womöglich erstmals aus der Nähe erlebt, wird mit Sicherheit den Namen erfahren, den ihr der Stöllner Otto-Lilienthal-Verein gegeben hat. "Lady Agnes" heißt der Jet und erinnert an die Ehefrau, die im August 1896 zur Witwe geworden war. In Berlin-Lankwitz sind Frau und Mann in einem Ehrengrab bestattet. Agnes Lilienthal starb 1920.

Propheten des Flugs

Zwei Männer hatten Vogelflug studiert. Wie Otto Lilienthal (1845-1896) verschaffte der Franzose Louis Pierre-Marie Mouillard (1834-1997)  der Menschheit die theoretische Basis des Fliegens. Beider Arbeiten inspirierten. 1903 hatten die US-Brüder Wilbur und Orville Wright ihr Flugzeug-Patent angemeldet und ihren Wright-Flyer fliegen lassen. Laut Wikipedia schrieben die Brüder später in ihrer Biografie: "Mouillard und Lilienthal, die großen Propheten des Fluges, erfüllten uns mit ihrer Begeisterung und verwandelten die große Neugier in den Eifer von Schaffenden."

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG