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Tradition
Backofenfest: Fietes große Stunde

Jörg Kotterba / 06.08.2019, 06:30 Uhr
Buschdorf Holder, Deutz, Patriot und Famulus... Dicht an dicht und um die Wette glänzend standen Sonnabend mehr als ein Dutzend Uralt-Traktoren am Rande der Festwiese. Die Buschdorfer hatten zum 22. Backofenfest geladen. Und neben hunderten Gästen kamen auch ein Dutzend Oldtimer- und Traktorenfreunde mit Sitz in Zechin.

Werbung für Bulldogtreffen

Sie kamen "nicht nur, um unsere Schmuckstücke zu zeigen, sondern schon jetzt die Werbetrommel für das Oldtimertreffen 2020 in Friedrichsaue zu rühren", wie  Vereinsvorsitzender Frank Schmoranz, Besitzer eines alten Deutz von anno 1936, ehrlich zugab. Dieses Spektakel, bei dem auch Autos aus grauen Vorzeiten, alte Motorräder, Fahrräder und Raupenschlepper zu sehen sind, wird vom Verein alle zwei Jahre organisiert. Diplomingenieur Schmoranz: "Bitte vormerken: 14. und 15. August 2020,  Friedrichsaue..." Einer der Gründungsväter des Vereins ist Berthold Ambos – "Ambos bitte nur mit einem s". Der rüstige Technik-Fan ist 80 Jahre alt und fühlt sich "im Kreis bedeutend jüngerer Oldtimer- und Traktorenfreunde pudelwohl." Für das  Backofenfest fand er in Buschdorf nur lobende Worte. "Hier ist für jeden Geschmack etwas dabei."

Wobei Ambos nicht nur die Backofen-Spezialitäten der Bäckerei Baumgärtel aus dem Dorfbackofen und weitere Gaumenfreuden lokaler Anbieter – geräuchert, geschleudert, eingemacht oder eingelegt – meinte. Sondern auch die musikalische Vielfalt, für die DJ Micha und die  Oderbrucher Blasmusiker auf der Festwiese, aber auch der Buschendorfer Musiklehrer Hans Minge mit seinen Schülerinnen in der gegenüberliegenden Backscheune sorgten. Toll auch das stimmungsvolle Bühnenprogramm mit der Zechiner Tanzformation "Sunflowers", der "feschen Lola" aus Berlin und dem Hölschebure. "Für unsere kleinen Besucher sorgen wir heute auch mit einer Bastelstraße des Vereins Alte Schule Buschdorf und Anlaufpunkten wie Kinderschminken, Glücksrad und Popcorn für Spiel und Spaß", ergänzte Karin Finsel, die neue Ortsvorsteherin von Buschdorf.

Dieter Rauer, Bürgermeister von Zechin, ehrte zu Beginn des Festes im fast überquellenden Großzelt die Besitzer der schönsten Vorgärten. Eine der Glücklichen: Inge Felske aus Buschdorf, in der Straße mit dem schönen Namen Lehmannshöfel zu Hause. "Kurz nach dem Mauerfall haben wir uns entschieden, von der Großstadt aufs Land zu ziehen. Buschdorf war Liebe auf dem ersten Blick", erzählte die einstige Berlinerin, im Westteil der Stadt groß geworden. "Hier ist jetzt mein Lebensmittelpunkt." In Berlin-Hellersdorf zu Hause ist Fiete Conrad. Der Zehnjährige kam mit Oma Bärbel und Opa Bodo, die in Petershagen leben, zum Fest – und konnte sich nur schweren Herzens von Rentner Erwin Popp trennen. Der ist begeisterter Hobby-Drechsler, im Frankfurter Ortsteil Booßen zu Hause und mit seiner Holzdrehbank mal da und mal dort zu sehen. "Ich bin Mitglied einer Holz-AG und liebe es, mit diesem Material zu arbeiten", sprudelte es aus Fiete heraus. Als Erwin Popp ihm mit wohlwollenden Blicken der Oma erlaubte, mit der Drechselbank zu arbeiten, schlug Fietes große Stunde.

In allen drei vor 250 Jahren gegründeten Spinnerdörfern Beiersberg, Lehmannshöfel und Gerickensberg gab es einst Gemeindebacköfen. Diese wurden angelegt, um die Brandgefahr zu vermindern und auch um sparsam mit dem Holz umzugehen, heißt es auf der Internetplattform des Amtes Golzow. Der Backofen in Lehmannshöfel wurde von den Familien aus Gerickensberg und Lehmannshöfel genutzt. In den Seitenwänden wurde das Backgut auf Brettern zum Abkühlen abgelegt.

Seit 1977 unter Denkmalschutz

In der Regel wurde alle 14 Tage gebacken. Jeweils drei bis vier Familien bildeten eine Backgemeinschaft, einen Pasch. Drei Pasch buken an einem Tag. Geheizt wurde überwiegend mit Reisig, dass von zu Hause mitgebracht wurde. Je Pasch wurden gleichzeitig zwölf Brote und acht Blechkuchen abgebacken. Der Teig wurde zu Hause vorbereitet, das Brot in Tücher eingeschlagen und mit Holzkarren zum Backofen gefahren. Etwa 90 Minuten dauerte ein Backvorgang. Der Backofen wurde bis 1960 genutzt. Im Jahre 1977 wurde der Gemeindebackofen von Lehmannshöfel in die Denkmalpflegeliste für denkmalgeschützte Objekte des Kreises Seelow aufgenommen. Zu dieser Zeit glich er bereits einer Ruine. Die damalige Bürgermeisterin Anneliese Witt  bemühte sich, den Ofen zu erhalten und den Aufbau als Objekt für den Mach-mit-Wettbewerb 1983 im Landkreis einzuordnen. Wie so oft scheiterte es am Geld. Nach der Wende fasste die Gemeindevertretung den Beschluss, den Ofen abzureißen und einen neuen zu bauen. Die Steine wurden für den Aufbau von Stallgebäuden verwendet.

Buschdorfer Backöfen

Die Einweihung des neuen Backofens liegt in Buschdorf 21 Jahre zurück, erfolgte am 22. August 1998. Zur Freude vieler Besucher und Einheimischer werden jeweils mittwochs von Mai bis Oktober ab 13 Uhr das Buschdorfer Original-Brot und Kuchen  gebacken. Am 4. Dezember 2010 wurde die Backscheune in Buschdorf feierlich eingeweiht. Die einstige Lehrerscheune der "Alten Schule" Buschdorf wurde in Trägerschaft der Arbeitsinitiative Letschin neu aufgebaut. Herzstück ist ein Backofen, der auf die Backgeschichte verweist.⇥jkb

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