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Das sind Sabrina Piur und Nancy Loechelt aus Bliesdorf. Die beiden Freundinnen engagieren sich für krebskranke Kinder.

Mutmacherinnen
Handarbeit für kranke Kinder

Haben Unterstützer gefunden: Nancy Loechelt und Sabrina Piur (r.) nähen für krebskranke Kinder. Von der Stiftung Oderbruch gab es jetzt einen Plotter. Weitere Frauen stricken Socken und Plüschtiere.
Haben Unterstützer gefunden: Nancy Loechelt und Sabrina Piur (r.) nähen für krebskranke Kinder. Von der Stiftung Oderbruch gab es jetzt einen Plotter. Weitere Frauen stricken Socken und Plüschtiere. © Foto: Anett Zimmermann
Anett Zimmermann / 07.08.2019, 06:45 Uhr
Bliesdorf/Wriezen Per E-Mail haben sich Sabrina Piur und Nancy Loechelt vor einiger Zeit mit einer Bitte an die Stiftung Oderbruch gewandt. Die beiden Mütter nähen unter anderem Mützen in der angesagten Beanie-Form. "Diese hier besteht zum Beispiel nur aus Resten", sagt Sabrina Piur und nimmt ein schickes Exemplar aus der Kiste, die die beiden Frauen in die von der Stiftung Oderburch genutzten Räume in der Großen Kirchstraße in Wriezen mitgebracht haben. Auch eine bunte Hose mit breitem Gummibund ist dabei. "Darum hat die Mutter eines Jungen mit einem Neuroblastom gebeten", berichtet die 33-Jährige. Mit Nancy Loechelt näht sie nicht nur einfach so. Die beiden Freundinnen, die sich bereits aus Berlin kennen und nun in Bliesdorf wieder Nachbarinnen sind, nähen für krebskranke Kinder.

Betroffen sei keines der eigenen Kinder. "Gott sei dank", sagt Sabrina Piur, Mutter von fünf Jungen und einem Mädchen, auch Zwillinge sind dabei, im Alter zwischen zwei und 16 Jahren. "Ich bin Mama von Beruf", erklärt sie und dass ihr Jüngster als Frühchen in Berlin-Buch zur Welt gekommen sei. "Er und wir als Familie sind dort wirklich gut versorgt worden und wollten gern etwas zurückgeben."

Einfach eine Freude machen

Wirklichen Bedarf aber habe es auf der Kinderkrebsstation gegeben, fügt sie hinzu. "Mein Vater ist 2012 an Lungenkrebs gestorben", sagt sie offen. Doch ein krebskrankes Kind sei noch einmal etwas ganz anderes. Für das Kind selbst. Und natürlich auch für die Familie. Ostern 2018 hätten sie die ersten Mützen übergeben. "Wir wollen den Kindern ein Lächeln ins Gesicht zaubern, ihnen einfach eine Freude machen." Und das Strahlen in den Augen der Kinder – das Jüngste sei nicht einmal ein Jahr alt, das Älteste bisher 16 – sei immer wieder Antrieb, weiterzumachen. "Das Vertrauen zwischen der Station und uns wächst stetig, das Miteinander ist sehr viel persönlicher als noch zu Beginn und inzwischen erreichen uns auch einzelne Hilferufe", berichtet Nancy Loechelt. Darunter der für eine bunte Hose, die nicht zwicken darf.

Eine solche Hose sei sicher auch im Handel finden, weiß die 34-Jährige, aber ebenfalls, dass die betroffenen Familien oft mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. "25 Euro für eine Hose sind da viel", sagt die Mutter einer siebenjährigen Tochter und verweist auf zusätzliche Kosten für Fahrten und Therapie, die die oft Familien stemmen müssten. "Da sind sie froh über alles, was sie so bekommen können." Um Hilfe zu bitten, sei auch nicht einfach, aber den meisten bliebe keine andere Wahl. Vor allem dann, wenn sich die Therapie hinzieht oder die Kinder einen Rückfall erleiden.

Die beiden Frauen haben bereits zwei Unterstützerinnen in Bad Freienwalde gefunden. "Mit einer Dame sind wir im Wolleladen ins Gespräch gekommen", erzählt Sabrina Piur und zeigt auf gestrickte Socken. Auch Taschen und Tücher seien gespendet worden. Vorgaben wollen sie bewusst nicht machen. "Wir stellen uns nur eine Frage: Ob die Sachen einem Kind gefallen könnten?"

Kleine Teddys sowie behäkelte Püppchen und Barbies hätten sie zudem von Elke Reiß und ihren tollen Mädels von der Facebook-Seite Hilfe für kranke und arme Menschen bekommen, Tierfiguren von Ria und Andrea, die ebenfalls in der Umgebung wohnen, aber deren Nachnamen sie nicht einmal kennen. Dankbar sind Sabrina Piur und Nancy Loechelt auch für die Hilfe aus der eigenen Familie und so manchen unerwarteten Tipp. Wie den bei Getränke Hoffmann in Wriezen, sich an die Stiftung Oderbruch zu wenden.

Und so wartet an diesem Nachmittag Uwe Siebert mit einen Plotter, einem Gerät zum Schneiden, auf sie. "Das haben wir bisher von Hand gemacht", erzählt Sabrina Piur und auch von Nähmaschinen, die kurz vor einer Übergabe in der Klinik ihren Geist aufgaben. Das bisher rein private Engagement der beiden Frauen habe dem Stiftungsrat imponiert, sagt Siebert. "Das wollten wir gern unterstützen."

In Kürze

Sabrina Piur und Nancy Loechelt sind telefonisch unter 0151 55792172 oder per E-Mail an herzenszauber-zauberherzen@web.de zu erreichen.

Neben Mützen nähen sie auch Katheterbeutel, kleinere Beutel für Mutperlenketten und Kissen. Sie gehen zudem auf individuelle Wünsche ein, die an sie herangetragen werden.

Die beiden Frauen benötigen vor allem geeignete Stoffreste. Auch andere Sachspenden sind denkbar. Jedoch wird um vorherige Absprache gebeten.

Weitere Mitstreiter – egal ob Frauen oder Männer – sind willkommen. Die Bliesdorferinnen schließen nicht aus, dass sich auch einmal ein organisierterer Kreis mit regelmäßigen Treffen entwickelt.

Über die Stiftung Oderbruch sind auch Geldspenden möglich. Die Konto-Nummer lautet DE62 1709 2404 0004 3802 55, Verwendungszweck: Von Herzen.⇥azi

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