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Courage Camp
Wendezeit in der Provinz

Eva Loth / 16.08.2019, 08:02 Uhr
Reetz Wie haben sich die Menschen nach der Wende politisch engagiert? Wie sind sie mit der neu gewonnenen Demokratie umgegangen? Welche Erfahrungen haben sie gemacht? Diese und andere Fragen stellten sich zwölf Schüler aus Bad Belzig und Treuenbrietzen am vergangenen Wochenende innerhalb eines Projektes. Im Rahmen des 1. Radio Courage Camps auf dem Sensthof in Reetz entstanden dabei Audiobeiträge, die auf dem YouTube Kanal Radio Courage zu hören sind. Die Aktion geht auf ein Projekt der Gesamtschule Treuenbrietzen zurück, bei dem Geschichten über Menschen in Erfahrung gebracht wurden, die im Alltag besonders mutig gehandelt haben. Daraus wurde nun ein neues Projekt, welches sich mit Recherchen über solche Handlungen nach der Wende beschäftigt. Unterstützt wurden die Jugendlichen dabei von den Pädagogen Judith König, Benjamin Mache und Sven Gatter. Träger des Projektes ist das Diakonische Werk im Landkreis Potsdam-Mittelmark e.V., initiiert wurde es von Sven Gatter und Benjamin Mache. Finanziert wird das Jugend-Projekt mit Fördermitteln, die vom lokalen Aktionsplan LAP "Hoher Fläming", von der brandenburgischen Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der kommunistischen Diktatur (LAkD) und aus dem Sozialraumbudget der Stadt Treuenbrietzen stammen. Dabei führten die Jugendlichen nicht nur Gespräche. Sie produzierten die Audiobeiträge selbst und bekamen dazu das grundlegende Wissen vermittelt. Am Wochenende hatten die Jugendlichen nun die Möglichkeit, mit Zeitzeugen zu sprechen. Vorbereitend wurde eine Chronik der friedlichen Revolution  in der Region in Form eines Zeitstrahls erstellt. Man kennt die Berichte über die großen Städte wie Leipzig, Dresden oder Berlin, die noch heute im Fernsehen gezeigt werden. Aber was ist in der "Provinz" passiert? "Die Jugendlichen waren sofort interessiert und begeistert", so Sven Gatter. Zumal es keine schulisch verordnete, sondern eine Freizeitgestaltung war.

In einem Gruppengespräch mit sechs zur Zeit der Wende politisch Aktiven konnten die Jugendlichen ihre Fragen stellen und daraus neue entwickeln. Immerhin waren nun drei unterschiedliche Generationen am Tisch. Diejenigen, die zur Wende in der Mitte ihres Lebens standen, jene, die damals Kinder waren und die, die noch gar nicht geboren waren. In den Einzelgesprächen ging es thematisch schon mal etwas tiefer, nämlich ins Familiäre. Wie beim Gespräch mit Wilfried Westram. Der ehemalige Lehrer hat über die Wendezeit und seine eigene politische Tätigkeit in Treuenbrietzen viel Material gesammelt, welches die Jugendlichen jetzt einsehen konnten. Und er erzählte, wie es zu DDR-Zeiten war und wie er und andere mit der neuen Meinungsfreiheit umgegangen sind. Dabei lief natürlich nicht alles so, wie man es sich vorgestellt hatte, denn die meisten hatten von Geschäftsordnungen auf Versammlungen keine Ahnung. So kam es zu Konflikten mit den "Neubürgern" aus dem Westen, die sich viel besser auskannten. Aber die Jugendlichen interessierten sich auch dafür, wie Wilfried Westram seine eigenen Kinder erzogen hat. Und er antwortete mit einem Satz, der nichts von seiner Gültigkeit eingebüßt hat: "Ich habe sie so erzogen, alles was sie sehen und hören zu prüfen."

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