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Um die medizinische Versorgung im ländlichen Raum zu sichern, kauft der Kreis einen Studienplatz.

Ärztemangel
Landkreis finanziert Studium

Ein Arzt hält ein Stethoskop in der Hand.
Ein Arzt hält ein Stethoskop in der Hand. © Foto: Patrick Seeger/dpa
Olaf Gardt / 16.08.2019, 09:00 Uhr
Beeskow (MOZ) Landrat Rolf Lindemann hat angekündigt, dass der Landkreis einen Studienplatz an der Medizinischen Hochschule Theodor Fontane  (MHB) kauft. Die Kosten dafür belaufen sich auf 125 000 Euro. Der Platz soll einem jungen Menschen zur Verfügung gestellt werden, der später als Arzt im Landkreis tätig wird, sich das Studium aber ansonsten nicht leisten kann. Die MHB ist eine private Hochschule, deren Ausbildung staatlich anerkannt ist. Sie unterliegt aber nicht den Auswahlverfahren staatlicher Hochschulen, an denen man meist einen Abiturdurchschnitt von 1,0 vorweisen oder lange Wartezeiten in Kauf nehmen muss, um in Deutschland ein Medizinstudium aufnehmen zu können.

Seinen Vorschlag unterbreitete Lindemann auf der Sitzung der Arbeitsgemeinschaft "Entwicklung des ländlichen Raumes", die am Mittwoch tagte. Dabei wurde eine Bilanz der bisherigen Arbeit gezogen, außerdem organisierten sich die drei Unterarbeitsgruppen neu. Das war durch die Ergebnisse der Kreistagswahl mit vielen neuen Abgeordneten notwendig geworden.

Der Plan, ein Medizinstudium durch den Kreis zu finanzieren, ist eine erste Idee, die direkte Auswirkungen auf den Haushalt für das kommende Jahr hat. Als weiteren Schritt kündigte Lindemann ein Verbindungsbüro Gesundheit an, dass künftig eng mit niedergelassenen Ärzten, Kammern und Kliniken zur Sicherung der medizinischen Versorgung des Kreises zusammenarbeiten soll.

Viele Hausärzte sind über 60

Diese Versorgung wird landesweit kritisch gesehen, allein, weil rund ein Drittel der Hausärzte älter als 60 ist und demnächst in den Ruhestand geht. Hinzu kommt, dass viele Ärzte die freie Niederlassung scheuen, lieber im Angestelltenverhältnis und oft in Teilzeit arbeiten wollen.

Bei den Teilnehmern der AG-Tagung fand die Idee des Landrats überwiegend Zustimmung. Laute Skepsis äußerte lediglich Philip Zeschmann (BVB/Freie Wähler). Er plädierte dafür, zuerst dafür zu sorgen, dass freiwerdende Arztpraxen, für die die Inhaber keinen Nachfolger finden, gerettet und beispielsweise in medizinische Versorgungszentren umgewandelt bzw. integriert werden. Lindemann erklärte, dass man natürlich auch daran denken müsse. Mit dem Helios Klinikum Bad Saarow und der Median Klinik Grünheide gibt es im Kreis bereits zwei Kliniken, die mit der MHB kooperieren. Die Kliniken übernehmen 80 000 Euro und damit einen Großteil der Studienkosten, wenn sich Studenten verpflichten, nach der Ausbildung für fünf Jahre in der Klinik tätig zu werden.

Drei Bewerber um Stipendium

Noch nicht absehbar ist zudem, wie gut ein anderes, bereits beschlossenes Projekt funktionieren wird. Der Kreis will bis zu zehn Medizinstudenten pro Jahr mit einem Studium von 550 Euro pro Monat unterstützen, wenn diese nach dem Studium für dreieinhalb Jahre in einer Praxis im Kreis oder einem kommunal getragenen Krankenhaus tätig werden. Das Stipendium wird über fünf Jahre gezahlt. Bislang gibt es dafür drei Bewerber.

Beschlossen wurde das Stipendium im April. Wenige Wochen später zog das Land nach und legte noch eins drauf. 100 Medizinstudenten an deutschen Hochschulen können 1000 Euro pro Monat erhalten, wenn sie sich zu einer fünfjährigen Tätigkeit  im ländlichen Raum verpflichten. Für weitere 100 ist ein Co-Stipendium von 500 Euro im Monat möglich, wenn sie bereits von einer Kommune oder einem Krankenhaus unterstützt werden.

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