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Kriminalität
Diebe mit einer Vorliebe fürs Schöne

Markus Kluge / 16.08.2019, 09:00 Uhr
Neuruppin (MOZ) Da waren wohl Profis am Werk. Von einer Baustelle an der Neuruppiner Robert-Koch-Straße 8 ist am hell lichten Tag eine bereits eingebaute Tür samt Rahmen gestohlen worden. Der Bauherr und Tischlermeister Chris Helberg suchen nun Zeugen, die den Diebstahl beobachtet haben.

"So etwas habe ich während meiner gesamten Karriere noch nie auf einer Baustelle erlebt", sagt Tischlermeister Helberg und schüttelt den Kopf.  Werkzeug und alles Mögliche verschwinde schon mal – aber im Normalfall keine Tür, meint der 31-Jährige.

In Handarbeit gefertigt

Bei der Tür handelt es sich auch nicht um eine 0-8-15-Pforte aus dem Katalog. Helberg hat diese im Auftrag der Neuruppiner Bauring Tischlerei GmbH in liebevoller Handarbeit angefertigt. "Es war ein Nachbau einer anderen Tür aus diesem Haus. Der Denkmalschutz hat es so gefordert", sagt der 31-jährige Lüchfelder, der in Neuruppin auch den alten Altar der Sankt-Georg-Kapelle wieder in Schuss gebracht hatte. Der ursprüngliche Rahmen samt Tür sei im Stil der Jugend- oder Gründerzeit angefertigt worden.  Und offenbar hatte der Tischler, der seinerzeit die Originale gebaut hat, viel Erfahrung in seinem Handwerk. "Die Tür hat viele Zier­elemente wie schöne runde Sprossen, und man muss dafür alte Techniken beherrschen", so Helberg, der auch Freude an dem aufwendigen Nachbau hatte. An dem einmaligen Stück habe er insgesamt gut zweieinhalb Wochen gearbeitet, bevor diese am 26. Juli an passender Stelle im zweiten Obergeschoss wieder eingesetzt werden konnte, was Helberg mit der Kamera auch dokumentiert hat.

Offenbar muss sich dort aber jemand in das gute Stück verguckt haben. Denn am 1. August waren Tür samt Rahmen verschwunden. An jenem Tag sei sie morgens noch an ihrem angestammten Platz gesehen worden. Nachmittags war die Tür verschwunden. Kollegen eines anderen Gewerks, die dann dort im Einsatz waren, gaben laut Helberg an, die Tür noch gar nicht gesehen zu haben. Deshalb wird vermutet, dass die Tür zwischen 10 und 14 Uhr verschwand. Das sei laut Helberg auch ziemlich professionell passiert. "Es wurde nichts herausgebrochen. Es wurde alles sauber und fachgerecht ausgebaut. Wir haben keine Spuren gefunden", so der 31-Jährige. Nach seiner Einschätzung müssen auch mindestens zwei Diebe am Werk gewesen sein. Schließlich ist die Tür nicht gerade leicht und mit einer Rahmenhöhe von 3,10 Meter auch alles andere als handlich. Der Tischlermeister geht deshalb davon aus, dass  diese mit einem Transporter fortgeschafft wurde. Was die Diebe mit der Tür vorhaben, kann sich Helberg nicht so richtig erklären. Aufgrund der Maße passe sie nicht einfach in irgendeine Wandöffnung. "Eigentlich müsste man das Haus danach bauen", so der Lüchfelder.

Die Baustelle ruht

Die Polizei hat den Diebstahl aufgenommen und den Schaden auf rund 14 000 Euro beziffert.  "Das kommt schon hin", meint Tischlermeister Helberg. Denn  ein Schaden ist nicht nur durch die nun fehlende Tür entstanden. Es ruhen nun auch erst einmal die Arbeiten auf der Baustelle – bis die Tür wieder da ist oder er eine neue gebaut hat.

Finderlohn beisachdienlichem Hinweis

Gesucht werden Zeugen, die den Diebstahl, den Abtransport oder die Tür vielleicht gesehen haben. Wer Hinweise hat, kann sich an die Polizei unter 03391 3540 wenden.  Laut Chris Helberg ist der Bauherr auch bereit, einen Finderlohn zu zahlen. ⇥kus

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